Zum Hauptinhalt springen

«Wer Latein hatte, ist an der ETH gut»

ETH-Präsident Ralph Eichlerim Gespräch.

In zehn Tagen fängt das neue Semester an. Wie gut sind die Maturanden aufs Studium vorbereitet? Ziemlich gut. Rund drei Viertel der Studienanfänger bestehen die erste Zwischenprüfung.

Woran fehlt es beim übrigen Viertel? Manche treten gar nicht zur Prüfung an. Sie haben sich trotz unserer Informationen etwas anderes unter dem Studium vorgestellt. Deshalb läuft in zwei Fächern ein Pilotversuch: Interviews bei der Anmeldung sollen den Maturanden ein klareres Bild des Studiums vermitteln. Ist der Versuch erfolgreich, führen wir das überall ein.

Woran fehlt es jenen, die durch die erste Zwischenprüfung fallen? Mein Befund ist überraschend: Diese Maturanden können sich sprachlich zu wenig präzise ausdrücken. Das ist entscheidend, weil in den Naturwissenschaften – sicher viel stärker als in der Literatur – jedes Wort eine genaue Bedeutung hat. Dieses Textverständnis lernt man im Gymnasium in der Mathematik und den alten Sprachen. Wer Latein oder Griechisch hatte, ist oft auch an der ETH gut. Deshalb muss die nächste Maturareform die Kompetenz einer exakten Sprache stärker gewichten.

Sie fordern also nicht mehr Naturwissenschaften am Gymnasium? Naturwissenschaften sind wichtig – auch für jene, die nach der Matura etwas anderes studieren. Sie sollen ebenfalls eine gute Allgemeinbildung erhalten. Wer aber zu uns kommt, muss vor allem logisches Denken gelernt haben. Wie viel Physik jemand zuvor hatte, ist zweitrangig.

Wie gross sind die Unterschiede zwischen den Maturaniveaus in den Kantonen? Es gibt grosse Unterschiede – auch zwischen den einzelnen Schulen. 2009 will die ETH eine Statistik zur Frage veröffentlichen, aus welchen Schulen mehr erfolgreiche ETH-Absolventen kommen.

Braucht es also eine schweizweit identische Maturaprüfung? Das ist kaum durchsetzbar. Es braucht aber einheitliche Qualitätsstandards. So könnte man auch verhindern, dass Aufnahmetests an Uni und ETH nötig werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch