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Maturaprüfung soll überall gleich schwierig werden

Manche sagen, die Maturanden der letzten Jahre seien eine verlorene Generation: Sie haben das Gymnasium nach der Reform von 1995 durchlaufen.

Diese brachte weniger Naturwissenschaften und die Zusammenlegung der Noten in Biologie, Physik und Chemie einerseits sowie Geschichte und Geografie andererseits.

Diese Änderungen haben Bund und Kantone letztes Jahr wieder rückgängig gemacht – und damit eingestanden, dass die Reform von 1995 missglückt ist. Nun müssen die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wieder mehr Naturwissenschaften büffeln. Und für die erwähnten Fächer gibt es wieder gesonderte Noten. Zudem ist Informatik neu als Ergänzungsfach im Angebot. Die Wirtschaft, die immer wieder Kritik an der Maturareform 1995 geübt hat, ist denn auch zufrieden. «Unsere Anliegen wurden aufgenommen», sagt Rudolf Minsch vom Verband Economiesuisse.

Doch bereits steht die nächste Maturareform vor der Tür. Der offizielle Startschuss fällt, sobald die zweite Evaluation der letzten Reform vorliegt. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie gut die Maturanden auf das Hochschulstudium vorbereitet sind. Für die Economiesuisse soll die neue Reform in der ganzen Schweiz vergleichbare Anforderungen bei den Maturaprüfungen bringen. «Heute sind die Unterschiede zwischen den Kantonen sehr gross», sagt Minsch. Das zeige sich auch an den divergierenden Maturandenquoten. «Unsere Idealvorstellung ist, dass alle Maturanden der Deutschschweiz am gleichen Tag die gleiche Prüfung ablegen.»

Für Minsch ist klar, was passiert, wenn keine einheitlichen Qualitätsstandards kommen: «Dann muss man den Hochschulen die Möglichkeit geben, mit Hilfe von Aufnahmeprüfungen ihre Studierenden selbst auszusuchen.» Denn die Kosten für das heute an den Hochschulen weitverbreitete Assessmentjahr, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt, seien zu hoch.

Bei Isabelle Chassot, Präsidentin der kantonalen Bildungsdirektorenkonferenz, stossen diese Forderungen auf offene Ohren: «Wir brauchen eine Vergleichbarkeit der Maturaprüfungen im ganzen Land», sagt auch sie. Nur so sei es möglich, das Maturazeugnis als durchgehendes Zutrittsticket für Universitäten und ETHs zu erhalten.

Bei den Naturwissenschaften hingegen steht im Moment kein weiterer Ausbau zur Diskussion. «Die Hochschulen verlangen vielmehr, dass die Gymnasien eine breite Allgemeinbildung vermitteln», sagt Chassot. Dem pflichtet auch ETH-Präsident Ralph Eichler bei – und fordert, dass Maturanden vor allem logisch denken können.

Akademischere Gymnasien

Bis die grosse Maturareform umgesetzt ist, dauert es allerdings noch eine Weile. Im Kanton Zürich etwa setzt man deshalb auf schnelle, pragmatische Verbesserungen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Gymnasien und Hochschulen legt im November Vorschläge für 26 Schulfächer auf.

Laut Christoph Wittmer, Mitglied dieser Arbeitsgruppe und Prorektor der Zürcher Kantonsschule Enge, stehen dabei überfachliche Qualifikationen wie selbst organisiertes Lernen und Durchhaltevermögen im Vordergrund. Auch bei der schriftlichen Sprachkompetenz sieht er Verbesserungsbedarf. Wittmer warnt aber vor einer Dramatisierung der Lage: «Es geht hier nicht um einen Notfallplan.» Grundsätzlich funktioniere der Übergang an die Hochschulen gut. Er hofft zudem, dass die Gymnasien wieder akademischer werden. Dies würde auch helfen, sich von der aufgewerteten Berufsmatura abzugrenzen.

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