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Lehren für morgen durch Antworten auf gestern

Bei der parlamentarischen Untersuchung im Fall Crypto AG geht es um mehr als Geschichtsschreibung.

Es wird keine Parlamentarische Untersuchungskommission geben, die sich mit der Geschichte dieser Firma beschäftigen wird. Foto: Alexandra Wey (Keystone)
Es wird keine Parlamentarische Untersuchungskommission geben, die sich mit der Geschichte dieser Firma beschäftigen wird. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Recherchen haben es kürzlich ans Licht gebracht. Der deutsche Bundesnachrichtendienst und der US-Auslandsgeheimdienst hatten in den 70er-Jahren verdeckt die Zuger Firma Crypto gekauft. Das Geschäftsmodell des Unternehmens, über Jahrzehnte aufrechterhalten, war doppelbödig, betrügerisch und von nachrichtendienstlichen Interessen der Auftraggeber aus den USA und – bis in die 90er-Jahre – auch aus Deutschland geprägt. Die Geräte zur Verschlüsselung geheimer Kommunikation waren so manipuliert, dass die dahinterstehenden Nachrichtendienste die Kommunikation trotz Verschlüsselung mitlesen konnten.

Die Fragen, die seither offen im Raum stehen, sie sind keineswegs allein für Historiker und Interessierte von Bedeutung. Sie sind vielmehr mit dem Blick auf eine Gegenwart, die durch den Netzkrieg gekennzeichnet ist, und im Hinblick auf eine umfassend digitalisierte Zukunft sowohl sicherheitstechnisch als auch sicherheitspolitisch äusserst wichtig.

Welches war das genaue Geschäfts­modell damals? Besteht dieses weiter, einfach in moderner Form? Ist es nicht möglich, dass auch zeitgenössische Güter durch Hintertüren kompromittiert sind? Sind Verkäufer von Kommunikationstechnik oder von Kampfjets noch an anderem interessiert als an unserem Geld? Nämlich an Geschäfts- und Sicherheitsgeheimnissen? Gibt es geheimdienstliche Parallelen von gestern und heute, die nicht im Interesse der Schweiz liegen? Aus welchen Motiven wurde in der Vergangenheit so und nicht anders entschieden? Gelten dieselben Motive auch heute?

Solche Fragen sind doch wohl nur dann zu beantworten, wenn verlässliche Antworten auf die politisch heiklen und technisch komplexen Fragestellungen im Fall Crypto AG vor-liegen. Sie taugen, bei inhaltlichem Genügen, als Wegweiser für die Zukunft. Vorausgesetzt, die Politik ist bereit, offene Sicherheitsfragen zu erkennen. Links wie rechts. Dass eine bürgerliche Mehrheit im Büro sich gegen eine PUK ausspricht, gibt leider Grund zur Annahme, dass die Ernsthaftigkeit heutiger Sicherheitsproblematik noch nicht im Parlament angekommen ist.

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