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Corona-Krise: Durchatmen und Fakten checken

Es ist schon bemerkenswert, wie die öffentlich wohlversorgten Wissenschaftler ein Virus als potenzielle Killerkrankheit diagnostizieren und ein System installieren, das die ganze Schweiz lahmlegt.

Beten für die Corona-Opfer: Jetzt wäre buddhistische Gelassenheit gefragt. Foto: Barcroft Media
Beten für die Corona-Opfer: Jetzt wäre buddhistische Gelassenheit gefragt. Foto: Barcroft Media

Uns fliegt zurzeit unser ganzes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem um die Ohren. Innert dreier Wochen hat sich die Lage dramatisch verändert, muss man sich separieren, ist die Börse eingebrochen, melden tausende Betriebe Kurzarbeit an, werden Existenzen gefährdet. Corona stellt die Welt auf den Kopf. Was Klimaschützer seit Jahren verlangen, schafft dieses kleine, fiese Virus. Jetzt haben die Fische im bootlosen Rhein wieder Ruhe, Menschen singen vom Balkon, der Himmel wird blauer, und in China können Kinder erstmals durchatmen.

An der derzeitigen Gesundheits­aufregung ist vielerlei bemerkenswert. Unter anderem, dass die öffentlich wohlversorgten Wissenschaftler ein Virus, losgelöst vom Gesamtzustand des Menschen, als potenzielle Killerkrankheit diagnostizieren und ein System installieren, das die ganze Schweiz lahmlegt. War es im Jahr 2008 die Bankenkrise, ist es heute die Krise der Klein- und Mittelunternehmer.

Anstatt dass diese Wissenschaftler jetzt kühlen Kopf bewahren, wird Panik geschürt. Ich will das Virus nicht kleinreden. Es hat Leid verursacht und Menschen umgebracht. Jeder Tod ist ein Schock. Und doch: Auch Hyperaktivität und Panikmache können töten!

Die wirtschaftlichen Massnahmen haben Langzeit­schäden zur Folge, die mit den jetzt versprochenen Millionen kaum ­aufgefangen werden können.

Es ist psychologisch und klinisch bewiesen, dass Menschen, die Angst haben, schneller krank werden. Ihre Atmung geht flacher, das Immunsystem sinkt. Ich kenne einen eigentlich gesunden Mann, der sich für drei Wochen krankschreiben liess, weil er so sehr Angst vor Corona hat. Für andere ist das Zuhausebleiben fatal. All diejenigen, die einen Garten haben, können sich glücklich schätzen. Doch den in der Wohnung Eingesperrten fällt die Decke auf den Kopf: Depressionen, Einsamkeit, das Gefühl des Verlassenseins sind die Folgen.

Hinzu kommen diskriminierende ­Tendenzen: Asiaten werden offen gemieden und verunglimpft, ältere Leute schräg angesehen, wenn sie einkaufen oder am Rhein spazieren gehen. Und was ist mit den Hunderten, Tausenden Existenzen, die gefährdet sind? Menschen, die ihren Job verlieren, ihr kleines Unternehmen, das sie aufgebaut haben, nicht mehr weiterführen können? Das hat Langzeit­schäden zur Folge, die mit den jetzt versprochenen Millionen kaum ­aufgefangen werden können.

Grippewelle verursachte 2500 Todesfälle

Schauen wir mal ganz nüchtern die Fakten an: Wir haben jedes Jahr eine Grippewelle. So meldete das Bundesamt für Statistik: «Die starke Grippewelle im Frühjahr 2015 hat etwa 2500 Todesfälle verursacht.»

Auch Anfang 2017 hat eine ausge­prägte Grippewelle die Schweiz ­erreicht: Die Folge: Allein in den ersten sechs Wochen des Jahres kam es bei den über 65-Jährigen zu beinahe 1500 zusätzlichen Todesfällen. Damals gab es allein in Italien 25’000 Grippetote, davon 19’400 im Alter von über 65 Jahren.

Bei jeder Grippe geht man in Ländern mit gut ausgebautem Gesundheits­system von einer Sterblichkeit von geschätzten 0,5 Prozent aus. Jetzt liegt die Letalität nur mässig über der Influenza – allerdings sind hier die Angaben noch ungenau und schwanken in Europa von Land zu Land. Doch etwas ist überall gleich: Fast alle Verstorbenen sind alt und leiden an mehreren Krankheiten, von denen jede ebenfalls tödlich hätte verlaufen können.

Irgendwann wird ein neues Virus auftauchen. Wollen wir dann jedes Mal unsere Wirtschaft kaputt machen und das gesellschaftliche Leben lahmlegen?

Es gab und wird immer wieder ­aggressive, dramatische Influenzawellen geben. Doch jetzt wird der Mensch in Obhut genommen, unter grosser Anteilnahme in seine Wohnung verbracht, der Hilfe versichert und bekommt den schönsten Käfig gleich neben einem kleinen Eisbären. Der Gesundheitsdirektor übernimmt die Patenschaft. Und alles wird gut. Doch viele Menschen wollen das gar nicht. Sie wollen sich lieber dem Risiko aussetzen, zu sterben, als in Fremdbestimmung alt zu werden. Ist das jetzt in unserer Demokratie nicht mehr möglich?

Schauen wir uns nochmals einige Fakten an: Die Zahl der Erkrankten in der Schweiz ist auf rund 4000 ­gestiegen. Bisher sind 33 Personen gestorben. Die Dunkelziffer ist gross, da nicht alle Verdachtsfälle getestet werden können. Es könnte also sein, dass viel mehr Menschen infiziert und auch schon erkrankt sind. Die vielen milden und unerkannten Verläufe von Corona-Infizierten tauchen ja in keiner Statistik auf. Dann wären auch die Sterblichkeitszahlen sehr gering.

Gemäss der deutschen Virologin Ulrike Protzer sind die Sterblichkeitszahlen ähnlich wie bei einer durchschnittlichen Grippesaison. Betroffen sind zumeist Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auf Diabetes zurückgehende Organschäden. Nochmals: Dieses Virus ist nicht zu unterschätzen, und es ist zweifellos wichtig, seine Verbreitung einzudämmen. Jeder Mensch, der daran stirbt, ist ein Todesfall zu viel. Und was in Italien abgeht, ist tatsächlich ein Drama.

Ich gehöre mit meinen 63 Jahren selber schon fast zur Risikogruppe. Ich hatte vor zwei Jahren eine Lungenentzündung durchgemacht, und trotzdem – ich bin überzeugt, dass Krankheit und auch Tod zum Leben gehören. Mich stören die Allmachtsfantasien von Behörden und Wissenschaft und der Anspruch, dieses Virus sofort aus der Welt zu schaffen und jeden ­Menschen davor zu schützen. Mich stört es auch aus dem Grund, weil ich nicht glaube, dass das gelingt. Ich glaube vielmehr, es wird ein treuer Begleiter werden, der immer wieder mal auftaucht und seine Zähne zeigt. Vielleicht gibt es mal einen Impfstoff, okay. Doch es wird ein neues Virus auftauchen. Wollen wir dann jedes Mal unsere Wirtschaft kaputt machen und das gesellschaftliche Leben lahmlegen?

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