«Verlagerungspolitik des Bundes ist gescheitert»

Für den Camionneur und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sind fahrende Lastwagen ökologischer als die rollende Landstrasse – und er will mehr Platz für Güter auf der Schiene.

Herr Giezendanner, der Bundesrat will eine Alpentransitbörse einführen, um die Transitrechte durch die Schweiz zu beschränken.Ulrich Giezendanner: Die Alpentransitbörse ist nur ein Instrument, damit die Leute der Alpeninitiative das Gesicht wahren können.

Weshalb müssen die Leute der Alpeninitiative das Gesicht wahren? Gemäss der Alpeninitiative müsste eigentlich der gesamte Güterverkehr von Grenze zu Grenze auf der Schiene stattfinden. Seit Annahme der Initiative 1994 haben die Initianten aber ständig zurückbuchstabiert. Zuerst waren sie damit einverstanden, dass nur die Hälfte des Transitgüterverkehrs verladen wird. Dieses Verlagerungsziel hat man dann auf 2009, später auf 2012 hinausgeschoben. Inzwischen will man die Verlagerung erst 2019 erreichen. Während dieser Zeit nimmt der Transitgüterverkehr auf der Strasse zu – allein im letzten Jahr um neun Prozent. Diese Entwicklung zeigt klar: Die Verlagerungspolitik des Bundes ist gescheitert.

Das dürfte Sie doch freuen. Sie sind ja ein Gegner der Verlagerung und der Alpeninitiative. Das stimmt so nicht. Wir wollen mit den Gütern auf die Bahn. Aber es gibt keinen Platz mehr auf der Schiene.

Deshalb will man jetzt eine Alpentransitbörse einführen. Hat sie eine Chance im Parlament? Ich gehe davon aus, dass sie durchkommt. Aber sie wird nie umgesetzt. Die Linken und die Grünen stellen immer wieder Forderungen, die nicht umgesetzt werden.

Die Linken und die Grünen sagen aber, dass Giezendanner, die Strassenlobby und ihre Helfer im Parlament schuld sind, weil sie nicht verlagern wollen. Gebt uns Schienen, dann verlagern wir. Wenn wir jedoch die Alpentransitbörse einführen, dann werden wir damit das alte System der rollenden Landstrasse weiterführen und die Schienenkapazitäten noch mehr blockieren. Der unbegleitete Containerverkehr hat dann gar keinen Platz mehr.

Was haben Sie gegen die rollende Landstrasse? Sie ist weder effizient noch umweltfreundlich. Die rollende Landstrasse hat eine Nutzlast von 480 Tonnen, der Containerverkehr 1200 Tonnen – bei gleichem Eigengewicht. Ein fahrender Lastwagen ist zudem umweltfreundlicher als die rollende Landstrasse. Die Ökobilanz ist besser.

Wollen Sie tatsächlich behaupten, dass es umweltfreundlicher ist, mit dem Lastwagen durch die Schweiz zu fahren, als den Lastwagen auf die Bahn zu verladen? Ja, das sagt die deutsche Ökobilanz aus. Umweltfreundlicher ist nur der unbegleitete Containerverkehr.

Die Hupac, die die rollende Landstrasse betreibt, sagt aber, dass man auch mit der rollenden Landstrasse Energieverbrauch und C02-Ausstoss reduzieren kann. Hupac sagt genau dasselbe wie ich. Lastwagen fahren ja zuerst weite Strecken, bevor sie dann in Basel auf die Schiene verladen werden.

Sie kritisieren seit Jahren, dass auf der Schiene Kapazitäten fehlen. Wieso hat Ihre Partei nichts unternommen? Wir haben erst gestern eine Anfrage im Parlament deponiert – ob man den Personenverkehr zu Gunsten des Güterverkehrs ein bisschen zurückfahren könne.

Und wie war die Antwort? Man hat uns gesagt, das gehe nicht. Aber man kann nicht den Taktfahrplan ständig ausbauen und meinen, es gebe dann noch Platz für den Güterverkehr.

Es gibt bei den SBB Leute, die sagen, dass man mit wenig Geld zusätzliche Kapazität für den Güterverkehr schaffen kann. Das ist wieder so eine merkwürdige Idee der Linken und der Grünen. Ich bin aber gespannt, wie man mit angeblich nur 90 Millionen zusätzliche Kapazitäten schaffen will. In den Sitzungen der Verkehrskommission hat das bisher immer ganz anders geklungen.

Wieso wurde bisher das Verlagerungsziel nicht erreicht? Weil wir zwar zwei Tunnels haben, aber die Schienen für den Güterverkehr fehlen, und weil man eine rollende Autobahn anbietet, statt unbegleitetem Kombiverkehr. Wir wollen doch nicht die Lastwagen, sondern Waren verladen. Für mehr Schienen sind wir auch sofort bereit, mehr Geld einzuschiessen. Ich habe schon 1994 für den Güterverkehr eine durchgehende Linie mit einer einzigen Tunnelröhre verlangt.

Sie wollen aber auch einen zweiten Strassentunnel am Gotthard. Damit würde die Verlagerung von der Strasse auf Schienen noch schwieriger. Ich fordere auch den Wiesenbergtunnel für die Schiene. Man muss das System Transport als Ganzes ansehen. Auf der Schiene haben wir keinen Platz, auf der Strasse nehmen Staus zu. Wir müssen Schiene und Strasse ausbauen. Schiene und Strasse konkurrenzieren sich heute nicht mehr. Die einzige Konkurrenz für den Schienengüterverkehr ist der Personenverkehr.

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