Calmy-Rey: Will sie Osama Bin Laden treffen?

Die Schweizer Aussenministerin bricht ein diplomatisches Tabu: In einer Rede schliesst sie nicht aus, auch mit Osama Bin Laden den Dialog zu suchen. Wo sie den Terrorfürsten finden will, verriet Micheline Calmy-Rey bisher nicht.

Hubert Mooser@bazonline

Spätestens seit dem Anschlag vom 11. September 2001 ist der Tenor in den westlichen Demokratien einhellig: mit Terroristen wird nicht verhandelt. Doch die Schweizer Aussenministerin will mit diesem Tabu brechen. Wie die französische Zeitung «Le Monde» berichtet, ist Aussenministerin Micheline Calmy-Rey bereit, «sich mit Osama Bin Laden an einen Tisch zu setzen und einen Dialog mit dem Terrorfürsten zu initiieren.»

Terroristen als wichtige «Mitspieler»

Calmy-Rey wäre damit die erste Ministerin eines demokratischen Landes, die sich mit dem Chef einer Terrororganisation an einen Tisch setzt. Die Schweizer Aussenministerin machte diese Aussage am Rande der Botschafterkonferenz in Bern. Sie hat in ihrer Eröffnungsrede für eine aktive Politik des Dialogs geworben. Gegenüber «Le Monde» präzisierte die Bundesrätin, die Schweiz müsse sich für einen aktiven Dialog engagieren - auch mit politischen Unpersonen. Organisationen wie die Hamas oder die Hizbollah oder die Farc würden zu terroristischen Mitteln greifen. Die Schweiz verurteile dies. Die Vertreter der Organisationen seien aber wichtige Mitspieler, wenn man Konflikte beenden wolle. Mit diesen Leuten zu verhandeln, heisse aber nicht, dass man ihre Taten entschuldigen und akzeptieren wolle.

Wird sie wieder einen Schleier tragen?

Mit dieser Sicht der Dinge dürfte sich die Schweizer Aussenministerin weiteren Ärger mit den USA einhandeln. Dabei haben die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA bereits stark unter Calmy-Reys Reise nach Teheran gelitten: Im März machte sie dort dem Mullah-Regime einen Schleier tragend ihre Aufwartung.

baz.ch/Newsnet

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