«10 vor 10» darf AfD nicht rechtsextrem nennen

Ein Zuschauer hatte beanstandet, dass SRF die Parteien AfD, FPÖ und PVV als rechtsextrem bezeichnete. Nun gab ihm der Ombudsmann recht.

  • loading indicator

«Viele wählten lieber das rechtsextreme Original», sagt die Off-Stimme zur österreichischen FPÖ. «Mit nur 13 Prozent blieb der Rechtsextreme weit hinter seinen Erwartungen zurück», hiess es zu Geert Wilders von der holländischen Partei für die Freiheit PVV.

Die Rede ist weiter von der «rechtsextremen AfD in Deutschland» und dem «Aufstieg der Rechtsextremen» in Europa. Insgesamt viermal verwendete «10 vor 10» in einem Beitrag vom 16. Oktober 2017 den Begriff «rechtsextrem».

«Üble politische Indoktrination»

Schon während der Sendung griff «10 vor 10»-Redaktionsleiter Christian Dütschler ein. Von zu Hause aus habe er telefonisch im letzten Moment eine umgehende Entschuldigung veranlasst, teilt er mit. So sagte Moderatorin Andrea Vetsch am Ende der Sendung: «Im ersten Beitrag ist offenbar das Wort Rechtsextreme in Zusammenhang mit der FPÖ mehrmals verwendet worden. Dafür möchten wir uns entschuldigen.» Zudem wurde auf der SRF-Website ein «Korrekt» publiziert.

Trotzdem hat ein Zuschauer wegen des Begriffs beim Ombudsmann die Sendung beanstandet. Die Rechtsparteien als rechtsextrem zu bezeichnen, sei «üble politische Indoktrination und Machtmissbrauch». Nun meldet sich Ombudsmann Roger Blum und gibt dem Zuschauer in einer Stellungnahmeteilweise recht.

«Unterschiede zu Nazis und Faschisten»

Zwar sei die Bezeichnung «rechtsextrem» für die drei Parteien nicht grundsätzlich falsch. «Dennoch gibt es Unterschiede im Vergleich zu den deutschen Nationalsozialisten Hitlers, den italienischen Faschisten Mussolinis, der spanischen Falange Francos, den ungarischen Pfeilkreuzlern Szálasis oder der kroatischen Ustascha von Pavelic. Solange diese Unterschiede (noch) bestehen, ist es richtig, von rechtspopulistischen und nicht von rechtsextremen Parteien zu reden», sagt Blum.

Die Redaktion habe jedoch «vorbildlich» reagiert, indem sie sich noch während der Sendung entschuldigte. Das sei lobenswert.

hal

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt