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10 Fragen zum GlasfaserausbauSchneller surfen in der Agglo

Die Konkurrenten Sunrise und Salt treiben den Glasfaserausbau gemeinsam voran. Was das für die Konsumenten und die Erzrivalin Swisscom bedeutet.

Aktuell sind ein Drittel der 5 Millionen Schweizer Haushalte ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen.
Aktuell sind ein Drittel der 5 Millionen Schweizer Haushalte ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen.
Gaëtan Bally/Keystone

Während sich die Schweiz vor allem mit den Folgen der Corona-Krise beschäftigte, haben Sunrise sowie Salt ungestört verhandelt und ein neues Gemeinschaftsunternehmen gegründet. So kommt es, dass nichts an die Öffentlichkeit durchgedrungen ist. Mit der Firma Swiss Open Fiber wollen beide Anbieter beim Ausbau der Glasfasernetze in der Schweiz vorwärtsmachen.

Warum tun sich Sunrise und Salt zusammen?

Sunrise und Salt mussten sich bislang in die Netze von Marktführerin Swisscom und lokalen Energieversorgern einmieten, um ihren Kunden den schnellen Internetzugang über die Glasfaser anbieten zu können. Damit begaben sich beide Unternehmen in eine starke Abhängigkeit der Swisscom. Dank ihrer Zusammenarbeit im Rahmen des Gemeinschaftsunternehmens Swiss Open Fiber drehen sie nun den Spiess um und fordern den staatsnahen Betrieb heraus.

Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Sunrise und Salt aussergewöhnlich?

Wie heisst es so schön? «Der Feind meines Feindes ist mein Freund.» Es ist das erste Mal in der Geschichte der Schweizer Telekommunikation, dass sich zwei unmittelbare Herausforderer der Swisscom zusammentun, um den blauen Riesen mit einer gemeinsamen Infrastrukturplattform direkt anzugreifen. Gleichzeitig sind diese beiden Herausforderer aber auch Konkurrenten.

Was bedeutet das neue Gemeinschaftsunternehmen für die Konsumenten?

In den nächsten fünf bis sieben Jahren wollen Sunrise und Salt gemeinsam bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit zusätzlichen Glasfaseranschlüssen erschliessen. Aktuell gibt es 5 Millionen Haushalte, die Glasfaser nutzen könnten, allerdings ist davon nur ein Drittel tatsächlich angeschlossen. Durch die neue Konkurrenzsituation mit der Swisscom sollte also nicht nur die Verbreitung von Glasfaser zunehmen. Auch die Preise für leistungsfähigere Angebote dürften sinken.

Worin unterscheiden sich Glasfasernetze von herkömmlichen Festnetzinfrastrukturen?

Glasfasernetze bieten theoretische Übertragungsgeschwindigkeiten, die zehnmal so hoch sind wie die aktuellen Technologien. Dadurch lassen sich beispielsweise hochauflösende Filme in vier Sekunden herunterladen. Mit einem herkömmlichen Festnetzanschluss kann das je nach Übertragungsrate mehr als eine Stunde dauern. Weiter bleibt die Leistung von Glasfasernetzen unabhängig von der Distanz zu den lokalen Verteilerstationen konstant. Bei den aktuellen Infrastrukturen wie Fernseh- und Kupferkabel kommt es zu einem Leistungsverlust, je grösser der Abstand zum lokalen Verteiler ist.

Wo genau will das neue Gemeinschaftsunternehmen von Sunrise und Salt die Glasfasernetze ausbauen?

Beide Firmen wollen sich auf Gebiete «mit niedriger und mittlerer Anschlussdichte» konzentrieren. Typischerweise sind das Agglomerationen, wo 30 bis 35 Prozent der Haushalte vorhanden sind. Ziel ist es, in diesen Regionen mit einem schnellen Vorpreschen der Swisscom Kunden wegzuschnappen.

Was lassen sich Sunrise und Salt den Ausbau des Glasfasernetzes kosten?

Beide Anbieter beziffern die Investitionen mit 3 Milliarden Franken für den Zeitraum bis 2027.

Wenn Sunrise und Salt schon im Bereich Glasfasernetze zusammenarbeiten, warum fusionieren beide Firmen nicht gleich und kooperieren auch im Mobilfunk?

Nach der gescheiterten Übernahme von UPC durch Sunrise regt das neue Joint Venture Fusionsfantasien an. Die Firmenchefs von Salt und Sunrise erteilen solchen Plänen aber mit Verweis auf die wettbewerbsrechtliche Situation eine deutliche Absage. Vor zehn Jahren wollte Sunrise mit der Salt-Vorgängerfirma Orange fusionieren. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission untersagte damals aber einen Zusammenschluss. Die Behörde begründete ihren Entscheid mit der marktbeherrschenden Stellung, welche eine fusionierte Sunrise/Orange im Mobilfunk eingenommen hätte.

Wie ist das neue Gemeinschaftunternehmen aufgestellt?

Sunrise und Salt halten je 50 Prozent des Kapitals an Swiss Open Fiber. Beide wollen das Joint Venture aber künftig zusammen mit einem Kapitalpartner führen. Es laufen bereits Gespräche mit Interessenten und Banken. Falls sich ein Dritter beteiligt, wollen Sunrise und Salt ihren Anteil verringern und eine Minderheit zu gleichen Teilen halten. Dieser Minderheitsanteil soll mindestens ein Drittel ausmachen. Der Netzbau soll dann bereits im vierten Quartal des laufenden Jahres starten. Sunrise und Salt wollen die Hauptmieter der Plattform sein, sie steht jedoch sämtlichen Wettbewerbern zur Verfügungdas heisst auch der Erzrivalin Swisscom.

«Wir sind offen für Gespräche und prüfen wie in der Vergangenheit Möglichkeiten zur Kooperation.»

Swisscom-Sprecher

Wie reagiert Marktführerin Swisscom auf die neue Konkurrenz?

Das Unternehmen habe erst seit kurzem Kenntnis von den Plänen des Joint Venture, heisst es bei der Swisscom auf Anfrage. «Wir sind offen für Gespräche und prüfen wie in der Vergangenheit Möglichkeiten zur Kooperation», sagt ein Swisscom-Sprecher dazu. Der staatsnahe Betrieb hatte im Februar angekündigt, den Ausbau seines Glasfasernetzes zu forcieren. Bis Ende 2025 will die Swisscom die Abdeckung mit dem Glasfasernetz in Haushalten und Geschäften im Vergleich zu heute verdoppeln.

Welcher bekannte Name macht beim neuen Joint Venture mit?

Verwaltungsratspräsident der neuen Firma soll Marc Furrer werden. Er ist in der Branche kein Unbekannter: Zuletzt war er Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission. Zuvor leitete er als erster Direktor überhaupt das Bundesamt für Kommunikation. Furrer ist ausserdem Verwaltungsrat der SRG.