Scherben als mögliche Brandursache
Die Eisenbahnschwellen am Basler Hafen können sich nicht ohne Zündquelle entflammt haben, sagt ein Experte.

Es war eine gewaltige Rauchsäule, die am Freitag, 27. Juli, über dem Basler Hafen in den Himmel emporstieg. 2000 Tonnen zwischengelagerte und mit Teeröl getränkte Eisenbahnschwellen fingen kurz nach 14 Uhr Feuer. Die Polizei fuhr daraufhin durchs Klybeckquartier und Kleinhüningen, um mit Lautsprecherdurchsagen vor dem Rauch zu warnen. Die Polizisten rieten den Anwohnern, Fenster und Türen zu schliessen. Um 17.20 Uhr informierte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt via Medienmitteilung, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe.
Dies hätten Messungen der Industriefeuerwehr Region Basel AG ergeben. Vor Ort liess die Staatsanwaltschaft Journalisten wissen, dass unklar sei, ob der Rauch giftig sei oder nicht. Solche Aussagen sind natürlich Versuche, den schwarzen Rauch weisszuwaschen und die Gefährdung zu relativieren.
Wie Jörg Feldmann von der Deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sagt, treten bei jeder Verbrennung sogenannte Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) auf. PAK entstehen bei unvollständigen Verbrennungsprozessen von Kohle, Heizöl, Treibstoff, Holz oder auch Tabak, ist beim Bundesamt für Gesundheit zu erfahren. An Russpartikel gebunden gelangen sie in die Umgebungsluft. Auch Nahrungsmittel können bedingt durch gewisse Verarbeitungsmethoden viel PAK enthalten. Dies betrifft insbesondere geräucherte oder grillierte Fleisch- und Fischprodukte. Gummimaterialien wie Autopneus oder Werkzeuggriffe können ebenfalls PAK enthalten.
Einige dieser Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe könnten das Erbgut schädigen, Krebs erzeugen oder die Fortpflanzung und die Entwicklung eines Ungeborenen beeinträchtigen. Als giftigstes PAK gilt gemäss dem Bundesamt für Gesundheit Benzoapyren. Dieses gilt als giftigstes PAK, bei dem alle diese Eigenschaften vereint seien. Genau dieser Stoff kommt in den Eisenbahnschwellen vor.
«Bei einem Brand von Eisenbahnschwellen werden PAK freigesetzt. Dieser Brandrauch ist immer giftig», sagt Feldmann. Zudem könnte der Niederschlag von Russpartikeln gemäss Feldmann über die Haut aufgenommen werden. Brandrückstände sollten daher nicht mit der nackten Haut angefasst werden. «Natürlich sind Leute immer gefährdet, wenn Rauch durch Brand entsteht», sagt Feldmann. Allerdings sei der Rauch bei dem Brand steil in den Himmel gestiegen. Von daher sei die erste Reaktion der Polizei mit den Durchsagen, dass die Bevölkerung Fenster und Türen schliessen solle, sicherlich die richtige gewesen.
Selbstentzündung möglich
Über die Brandursache herrscht noch immer Unklarheit. «Diese konnten wir noch nicht abschliessend ermitteln», sagt René Gsell, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Die Abklärungen der Kriminaltechnischen Abteilung der Staatsanwaltschaft dauerten an. «Eine Selbstentzündung kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.»
Was genau mit einer «Selbstentzündung» gemeint ist, lässt Mediensprecher Gsell auf Nachfrage offen. Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin dagegen konkretisiert, dass die Eisenbahnschwellen wohl nicht von sich aus zu brennen begonnen hätten. «Die Bahn verlegt keine Stoffe, die sich selber entzünden», ist er überzeugt. Es dürfe ja nicht passieren, dass eine Eisenbahnschwelle unter den Schienen plötzlich zu brennen begänne.
Als Ursache für das Feuer kommt Brandstiftung infrage, Feldmann könnte sich auch vorstellen, dass Sonnenstrahlen durch eine Glasscherbe einen sogenannten Lupeneffekt erzeugt haben oder dass ein Funken oder eine weggeworfene Zigarette die Eisenbahnschwellen entzündet haben. «Wenn es heiss ist und das Material ausgetrocknet ist, dann reicht eine solche Zündquelle, um den Haufen in Brand zu setzen.» Glasscherben kommen bei diesen Haufen tatsächlich auch vor (siehe Bild).
Damit ein Brand künftig verhindert werden kann, prüft die betroffene Firma, die Rhenus Port Logistics AG, auch den Einsatz von Sprühkanonen, um die Eisenbahnschwellen zu bewässern und den Staub zu minimieren. Wie Firmensprecherin Claudia Bracher auf Anfrage sagt, seien die Kanonen in der Zwischenzeit bestellt und eine davon bereits geliefert worden. Diese werde derzeit auf ihre Tauglichkeit überprüft. Bekannt ist in der Zwischenzeit auch die Schadenshöhe. Diese beträgt laut Bracher sieben Millionen Franken. Sechs Millionen Franken würden alleine auf den Hafenkran entfallen, den der Brand zerstört hat.
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