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Bürgerkrieg in LibyenRussland unterstützt Söldner-Truppe mit Kampfjets

Das US-Militär wirft Moskau vor, Kampfjets nach Libyen geschickt zu haben. Eine Offensive zur Eroberung von Tripolis gilt als möglich.

Erhält unter anderem Hilfe von Russland: Der abtrünnige Kriegsherr Khalifa Haftar.
Erhält unter anderem Hilfe von Russland: Der abtrünnige Kriegsherr Khalifa Haftar.
Foto: Reuters

Als sie an der Front nahe Tripolis auftauchten, änderte das schlagartig das militärische Gleichgewicht in Libyen zugunsten des abtrünnigen Kriegsherrn Khalifa Haftar. Nun sind die russischen Söldner der eng mit dem Kreml verbundenen Gruppe Wagner laut Berichten aus dem nordafrikanischen Land zunächst in die 150 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Stadt Bani Walid zurückgezogen und von dort auf den Luftwaffenstützpunkt al-Jufra ausgeflogen worden, das logistische Drehkreuz für Haftars Truppen. Der Rückzug folgt Vorstössen von Milizen, die loyal zur international anerkannten Einheitsregierung unter Premier Fayez al-Serraj stehen. Möglich wurden diese durch militärische Unterstützung der Türkei, massgeblich mit Kampfdrohnen und Luftabwehr.

Offen ist, ob es sich um einen taktischen Rückzug handelt, etwa um Haftars Nachschublinien zu sichern, die zuletzt immer wieder von türkischen Drohnen attackiert wurden. Zuletzt waren etliche Kampfjets russischer Bauart von Russland auf den Stützpunkt überführt worden – eine baldige neue Offensive zur Eroberung von Tripolis gilt als möglich; Haftars Luftwaffenchef hat massive Angriffe auf türkische Ziele angekündigt.

Flugzeuge umlackiert

Das Afrikakommando der US-Streitkräfte veröffentlichte am Dienstag Aufklärungsbilder von den russischen Maschinen der Typen MiG-29 und Su-35, beides relativ moderne Kampfjets, über die bislang keine der Konfliktparteien verfügte. Sie sollen von Russland nach Syrien geflogen und auf dem von Moskau betriebenen Stützpunkt Khmeimim umlackiert worden sein, um ihre Herkunft zu verschleiern. «Russland versucht ganz klar, die Kräfteverhältnisse in Libyen zu seinen Gunsten zu verändern», sagte General Stephen Townsend, Chef des in Stuttgart beheimateten US-Afrikommandos. Weder die sogenannte Libysche Nationalarmee Haftars noch die Militärdienstleister der Wagner-Gruppe seien in der Lage, diese Flugzeuge ohne die Unterstützung eines Staates zu bewaffnen, zu betreiben oder zu warten, sagte Townsend – und «diese Unterstützung bekommen sie von Russland».

Haftars wichtigste Unterstützer sind die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten, die wiederholt Luftangriffe auf Ziele in Libyen geflogen haben. Die Emirate hatten vergangenes Jahr Luftabwehrsysteme des russischen Typs Pantsir nach Libyen verlegt und zudem chinesische Wing-Loong-Kampfdrohnen. Auch Jordanien lieferte Waffen. Die Türkei setzte dem Kampfdrohnen und Luftabwehrraketen entgegen, schickte Tausende syrische Söldner, die gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad und die Kurden gekämpft hatten.

Söldner aus dem Tschad und dem Sudan

Auch aufseiten Haftars spielen ausländische Kämpfer eine immer wichtigere Rolle. Nach Aussagen syrischer Milizionäre rekrutierte das russische Militär Kämpfer von Rebellengruppen, die sich dem Assad-Regime unterworfen hatten. Von ihrer Zahl her weit wichtiger für Haftar sind allerdings Zehntausende Söldner aus dem Tschad und dem Sudan, wie aus Berichten der Vereinten Nationen über Verstösse gegen das UNO-Waffenembargo hervorgeht.

Eine skurrile Episode förderte der jüngste Bericht der UNO-Experten zutage, die Verstösse gegen das Embargo dokumentieren: Die Emirate hatten demnach 2019 eine Truppe von 20 Söldnern aus Südafrika, Australien, Grossbritannien und den USA rekrutiert. Für zugesagte 80 Millionen Dollar sollten sie Waffenlieferungen der Türkei nach Tripolis verhindern. Sie brachten dafür sechs gebrauchte Helikopter aus Südafrika über Botswana ins Land und zudem Schlauchboote, wie sie Spezialeinheiten benützen. Allerdings überwarf sich die Truppe, die laut der UNO unter dem Kommando des Südafrikaners Steve Lodge gestanden haben soll, mit Haftar und floh nach nur vier Tagen per Boot nach Malta. Die Firmen im Hintergrund, registriert in den Emiraten, soll der Australier Christiaan Durrant kontrollieren, ein Ex-Kampfpilot mit engen Beziehungen zu Erik Prince, dem Gründer der inzwischen aufgelösten US-Söldnertruppe Blackwater.