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Kampf um den 110-Meter-TurmRosental-Neubau soll Baumriesen verschonen

Kommission bringt zweites Parkhausprojekt mit Auflagen zum Schutz der elf geschützten Kastanienbäume – ohne Verpflichtung für Hotelbau.

So könnte der Messeplatz in einigen Jahren aussehen.
So könnte der Messeplatz in einigen Jahren aussehen.
Visualisierung: Herzog & de Meuron

Das Traktandum wird zu reden geben. Am Mittwoch kommt der Ratschlag für das Projekt Messeparkhaus zum zweiten Mal in den Grossen Rat. Das alte Parking auf dem Messeareal ist marode und muss dringend saniert werden. Schon vor einem Jahr setzte sich das Basler Parlament mit einem Neubauprojekt auseinander. In der Schlussabstimmung wurde es damals an die Bau- und Raumplanungskommission (BRK) zurückgewiesen.

Man war sich zwar einig, dass das Gebäude ersetzt werden muss. Doch nicht über das Wie. In einem neuen «Rosentalturm» soll es unterirdische Parkplätze, einen Quartiertreff und bis zu 250 Wohnungen geben. Die Linken verlangten, dass 40 Prozent der neu zu erstellenden Wohnungen im gemeinnützigen Rahmen gebaut werden müssen. Sie setzten sich schliesslich durch. Dem Grünen Bündnis machte zu schaffen, dass für das Projekt elf alte Rosskastanien hätten ersetzt werden sollen.

Weniger Rendite bei attraktiver Lage

Drei Architektenteams haben schon im Jahr 2013 eine Testplanung erstellt. Der neue Turm soll nicht höher als 110 Meter sein. Gesucht werden Anleger, die in das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 250 Millionen Franken investieren wollen. Die Fassung, die am Mittwoch in den Grossen Rat kommt, ist ein Kompromiss. Am zufriedensten dürfte das Grüne Bündnis sein: Die elf alten Kastanienbäume auf der Rosentalanlage sollen nicht gefällt werden.

Eher unzufrieden könnten die Bürgerlichen sein. Weiterhin sollen 40 Prozent des Wohnanteils gemeinnütziger Natur sein. Lediglich neu ist, dass dieser Anteil flächenmässig auf 10’000 Quadratmeter der 48’000 Quadratmeter Bruttowohnfläche begrenzt ist. Dies wiederum dürfte den Linken im Rat nicht behagen, sie wollten mehr. In der Kommission jedoch kam der Kompromissratschlag ohne Gegenstimme durch.

Für Investoren heisse das, dass auf diesen 40 Prozent der Fläche bedeutend weniger Ertrag zu erzielen sei, sagt Michel Molinari, Vizepräsident des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (Svit). Potenzielle Investoren wie beispielsweise Versicherungen, Fondsleitungen, börsenkotierte Immobiliengesellschaften und Pensionskassen würden sich die Situation genau anschauen müssen. «Ich finde es schwierig, in einem Gebäude so unterschiedliche Nutzer beherbergen zu müssen», sagt der Immobilienspezialist. Solch mannigfaltige Mieterstrukturen könnten leicht zu Konflikten führen. «Es wäre vielleicht klüger, wenn man in einem neuen Gebäude nebenan aus der Mehrwertabgabe ein Gebäude für gemeinnütziges Wohnen planen würde.»

Trotzdem vermutet Molinari, dass sich Investoren finden lassen. Der Standort sei schliesslich sehr attraktiv. Und städtebaulich sieht er durchaus eine Chance, in diesem Cluster von Messe- und Claraturm – und in etwas grösserer Distanz die Rochetürme – ein attraktives Ensemble zu erzielen.

Hotel nicht mehr Pflicht

In der neuen Fassung der Kommission soll auch nicht mehr zwingend ein Hotel entstehen. Dies dürfte eine Konsequenz aus dem Schrumpfen der Messetätigkeit sein, die sich in den vergangenen Monaten konkretisiert hat. Das sagt auch Molinari: «Die Messe kränkelt, man muss mit dem Schlimmsten rechnen. Ein Investor wird sich kaum mehr getrauen, dort ein Hotel hinzubauen.» Die Kommission geht denn auch davon aus, dass es momentan interessanter sein dürfte, Wohnraum anstelle von Hotelfläche zu realisieren.

Die Kommission hat auch die Anzahl der Parkplätze reduziert. Anstatt 1448 sind jetzt noch 1143 Abstellplätze für Personenwagen zulässig. Die Höchstzahl der erlaubten Fahrten zum Rosentalturm soll mit maximal 580’259 festgelegt werden (290’130 Einfahrten ins Parking).

Während den Beratungen der Kommission hat die Messe Schweiz (MCH) auch mitgeteilt, dass sie ihre beiden Liegenschaften, die Halle 3 und das Musical-Theater, im Jahr 2020 veräussern möchte. Daher sollen diese zwei Gebäude aus dem Bebauungsperimenter entlassen werden. Erwerben wird Immobilien Basel-Stadt die Hallen. Es sollen dort rund 200 Wohnungen realisiert werden. So dürften künftig auf dem gesamten Messeareal, inklusive Claraturm, mehrere Hundert Wohnungen entstehen.