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221 Meter hochRoche plant einen dritten Wolkenkratzer in Basel

Der Pharmagigant will weiter in die Höhe wachsen – und aktualisiert die Pläne für die Modernisierung des Südareals.

Der geplante Bau3, von Süd-Westen her betrachtet.
Der geplante Bau3, von Süd-Westen her betrachtet.
Foto: Roche

Manchmal denkt man ja, es müsse mal Schluss sein mit immer grösser und höher – im letzten Jahr hat der Pharmagigant Roche offensichtlich noch so gedacht: Die Neugestaltung des Südareals sah zwar ebenfalls drei neue Hochhäuser vor, mit einer maximalen Höhe von 130 Metern sollten diese aber deutlich kleiner werden als die Statussymbole Bau 1 und Bau 2, wie die beiden Roche-Türme offiziell heissen.

Von dieser Vision haben die Basler nun aber ziemlich überraschend Abstand genommen – und gleich eine neue Idee präsentiert. Im Zentrum steht dabei der Bau 3. Gemeint ist ein Hochhaus, das bis zu 221 Meter hoch werden kann und damit die beiden anderen Türme überragen würde.

Roche-Standortleiter Jürg Erismann sagt: «Wir haben im Sommer gemerkt, dass der ursprüngliche Plan doch noch nicht ganz ausgereift war, nicht ganz gepasst hat.» Als Kritik an die Stararchitekten Herzog & de Meuron will Erismann dies nicht verstanden haben. Andererseits: Wer seinen Plan in diesem Ausmass abändert, kann nicht zufrieden gewesen sein. Der Sinneswandel hat jedoch zu einem durchaus spektakulären Ergebnis geführt. Das Ensemble kommt nun viel stimmiger daher und bildet ein Rochehattan.

Die Weiterentwicklung des rheinseitigen Geländes sieht immer mehr Grünflächen vor – auch deshalb wird nun einem Gebäude der Vorzug gegeben. So wird die Begrünung nicht ständig «unterbrochen», wie Erismann sagt. Der Standortleiter sagt aber auch: «Die drei Gebäude haben fast störend gewirkt.»

Die Ankündigung ist ein erneutes (und starkes) Bekenntnis zum Standort Basel: Hat die alte Vision 2000 neue Arbeitsplätze vorgesehen (eine Steigerung von 6000 auf 8000), dürften es nun nochmals mehr sein. Erismann sagt: «Das Büro hat nicht ausgedient – auch wenn Home Office ein fixer Bestandteil im Arbeitsalltag ist und bleiben wird. Der physische Arbeitsplatz jedoch steht bei uns im Mittelpunkt.» Damit macht Roche so ziemlich das Gegenteil von Novartis. Interessant ist auch, dass weiterhin Büroflächen in der Stadt gemietet werden sollen – «das gibt uns die nötige Flexibilität», sagt Erismann, «klar ist aber auch, dass die Anzahl etwas reduziert werden könnte».

Bis die Visualisierungen aber Realität werden, dauert es noch eine Weile. 2023 sollen die neuen Gebäude auf dem Nordareal bezugsbereit sein. Dann stehen die alten Büro- und Laborkomplexe an der Solitudepromenade leer – und kann wohl ein Jahr darauf mit dem Rückbau begonnen werden. 2027, schätzt Erismann, werden der neue Empfang und die Grünflächen fertiggestellt sein.

Wann soll Bau 3, das neue Prunkstück, eröffnet werden? Dies ist eine Frage, die aktuell nicht beantwortet werden kann. «Das hängt vom Geschäftsgang ab», sagt Erismann. «Stand heute würde ich nicht davon ausgehen, dass ab 2024 gebaut wird.» Man wolle sich aber verschiedene Optionen bewahren und durchlaufe deshalb bis Ende Jahr das Bebauungsplanverfahren.

Mit grossen Hindernissen scheint Roche bei ihrer Planung nicht zu rechnen: Erismann sagt, dass man mit der Stadt, aber auch etwa mit dem Denkmalrat, in ständigem Kontakt sei. Das klingt zwar nicht so, als würde dem Projekt widerstandslos entgegengetreten, aber übermässig Gegenwind erwartet der Grosskonzern wohl auch nicht.

Die Neugestaltung des Südareals lässt sich Roche einiges kosten. Nach den drei Milliarden, die das Nordareal ungefähr kostet, dürften weitere 750 Millionen fällig werden. Erismann gibt keine konkreten Zahlen bekannt, dementiert diese Schätzung jedoch auch nicht. Bau 3 wird wohl etwa gleich viel kosten wie Bau 1 – also etwas mehr als eine halbe Milliarde Franken.

74 Kommentare
    I.H.

    Im Prinzip nicht schlecht so ein Trio, nur nicht glaubhaft, dass man im Sommer plötzlich auf diese Idee kam.. Wahrscheinlich schon lange geplant, aber per Salamitaktik kommuniziert um die Akzeptanz zu erhöhen.