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Vom Segen der StrukturRituale lindern Angst und Stress

Abschlussfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen, Weihnachten: Das Leben ist voller Rituale. Gemäss einer neuen Studie scheinen sie auch ein unbewusster, aber bewährter Trick zu sein, um belastende Gefühle zu reduzieren.

Rituelle Handlungen können laut einer neuen Studie Ängste und Stressgefühle lindern.
Rituelle Handlungen können laut einer neuen Studie Ängste und Stressgefühle lindern.
Foto: Getty

Tschechische Wissenschaftler haben untersucht, wie Rituale helfen, mit Angstzuständen umzugehen, und dazu beitragen, schwierige Lebenssituationen zu überstehen. Wie das Gesundheitsportal Aponet berichtet, konnten die Forscher beobachten, dass Menschen in Laborversuchen bei Angst dazu neigten, strukturierter und mit Wiederholungen zu handeln.

Daraufhin haben sie Experimente auf Mauritius gemacht. Sie lösten bei den Studienteilnehmern dadurch Angst aus, dass sie sie aufforderten, einen Plan für den Fall einer Naturkatastrophe zu erstellen, der von Experten bewertet werden sollte. Da Überschwemmungen und Wirbelstürme auf dieser Insel reale Bedrohungen darstellen, war dies eine sehr belastende Aufgabe. Danach vollzog eine Hälfte der Gruppe ein übliches religiöses Ritual in einer Kirche, während die andere Hälfte sich lediglich an einem neutralen Ort im Sitzen entspannte.

Die Forscher erkannten, dass die Aufgabe in beiden Gruppen Stress ausgelöst hatte; das religiöse Ritual führte aber dazu, dass dieser sich stärker verringerte. Ihre Erklärung: Rituale helfen, Angstzustände zu reduzieren, indem sie dem Gehirn ein Gefühl für Struktur, Regelmässigkeit und Vorhersehbarkeit vermitteln. Die Wiederholungen und der gewohnte Ablauf vermitteln offenbar ein Gefühl der Kontrolle, was dabei helfe, Stress abzubauen. So könnten Rituale auch ein Weg sein, um mit chronischer Angst umzugehen.

3 Kommentare
    Sacha Meier

    Die beruhigende und stabilisierende Wirkung von Ritualen nutzen längst auch schon Politiker und deren finanzstarke Lobbyisten. Besonders, wenn es darum geht, monarchische, autokratische, oder lobbyistische Regierungsstrukturen durch demokratisch anmutende Zeremonien (etwa rituelle Wahlen und Abstimmungen) in voller Öffentlichkeit zu verstecken. Nicht umsonst hat etwa der russische de facto Zar auf Lebzeiten, Wladimir Putin, seine berühmte «Gelenkte Demokratie» erfunden. Sogar Xi Jin-Ping, Kim Jong-un und Erdogan nutzen gelegentlich solche Zeremonien, um ihre Macht zu festigen. In den modernen, westlichen postdemokratischen Ländern regiert fast überall die Lobbykative. Die Stimmbürger haben bei weichenstellenden wirtschafts-, sozial- und energiepolitischen Entscheiden nichts zu sagen. Dafür wird den Stimmenden staatspolitisch bedeutungsloses Futter gereicht. Etwa, indem sie über Burkaverbote, für sie unvorteilhafte Steuerregime, oder öffentliche Beschaffungen mitbestimmen dürfen. Den Bürgern gelingt die erfolgreiche Verdrängung ihrer Deklassierung in die Bedeutungslosigkeit, indem man stets die formellen und rituellen Aspekte (direkter) Demokratien hervorhebt. Ist eben immer eine Frage, wie man dem Bürger für ihn unvorteilhafte Entscheide «verkauft». Mit einer hochgiftigen, umweltschädlichen, sowie hochexplosiven Chemikalie würde niemand herumfahren wollen. Mit Benzin, das man rasch, unkompliziert und komfortabel an hellen, freundlichen Tankstellen beziehen kann, schon. ;-)