Zum Hauptinhalt springen

Crowdfunding für LeihvelosRiehener Grünliberale sammeln Geld für Pick-e-Bike

Weil Riehen keinen Unterstützungsbeitrag von 11’160 Franken pro Jahr übernehmen will, passte Pick-e-Bike sein Angebot an; die Velos können nur noch an zwei zentralen Stationen abgestellt werden. Riehens Grünliberale wollen mit einer Sammelaktion aushelfen.

Eine von zwei Pick-e-Bike-Stationen in Riehen.
Eine von zwei Pick-e-Bike-Stationen in Riehen.
Foto: Dominik Plüss

Ende August gab der Bikesharing-Anbieter Pick-e-Bike bekannt, sein Free-Floating-Angebot in Riehen einzustellen. Das heisst, seit September können die Riehener mit einem gemieteten Pick-e-Bike nicht mehr bis nach Hause fahren, sondern müssen es an zwei zentralen Stationen abstellen. Der Grund dafür ist simpel: Zweimal schon, 2019 und 2020, lehnte es die Gemeinde Riehen ab, in Zukunft einen jährlichen Unterstützungsbeitrag von 11’160 Franken an Pick-e-Bike zu entrichten, um die weiten Wege für den Unterhalt der Velos mitzufinanzieren. Nun sammeln die Riehener Grünliberalen Geld, um das Free-Floating-Angebot vorläufig für ein weiteres Jahr zu ermöglichen. Innerhalb von zwei Wochen sind 3900 Franken, also 35 Prozent des Zielbetrags, zusammengekommen.

Zeitsparend, umweltfreundlich

Das Free-Floating-Modell ist der grösste Reiz am Angebot von Pick-e-Bike, einer Firma von BLT, BKB und Primeo Energie. In den meisten Gemeinden der Agglomeration Basel gelangen Nutzer seit 2018 so schnell und direkt in die weitläufigen Quartiere, bis vor ihre Haustür. Auch im «grossen grünen Dorf» Riehen war dies bis vor kurzer Zeit eine erheblich günstigere Alternative zu einem Taxi, um nachts nach Hause zu gelangen.

Die Riehener Grünliberalen nahmen sich des Themas an. GLP-Einwohnerrätin Silvia Merkle bedauert den Gemeinderatsentscheid, die 11’160 Franken nicht zu genehmigen. Der Betrag sei, verglichen mit anderen gesprochenen Beträgen, ein Klacks, sagt sie. Sie verweist zudem auf diverse Vorteile des Veloverleihsystems: So würden die zeitsparenden, umweltfreundlichen und vergleichsweise günstigen Leihvelos auch die Parkplatzproblematik entschärfen. Auch wollten die Leute wegen Covid-19 aktuell vermehrt den ÖV meiden.

Merkle wandte sich bereits im Juli mit einer Interpellation an den Gemeinderat, in der sie die genannten Vorteile von Pick-e-Bike anführte. In seiner Antwort schreibt der Gemeinderat, dass man die Stärken von Pick-e-Bike grundsätzlich erkenne. Er begründet seinen Entscheid jedoch hauptsächlich damit, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen wie Pick-e-Bike sich auf dem Markt gegen andere Anbieter durchsetzen solle und die Kosten dafür durch die Nutzer und nicht durch die Allgemeinheit zu tragen seien. Auch stelle sich die Frage, wie mit Anfragen weiterer Firmen umgegangen werde. Zudem sei Pick-e-Bike 2019 bereits mit 100’000 Franken aus dem kantonalen Pendlerfonds subventioniert worden, so die Stellungnahme. Der Pendlerfonds wird aus den Einnahmen durch Pendler- und Besucherparkkarten gespeist.

Markt oder Idealismus?

Silvia Merkle hingegen bezeichnet die Suggestion von Grosszügigkeit aufgrund der Pendlerfonds-Subvention als Mogelpackung, betrüge der Riehener Anteil daran schliesslich nur 4,5 Prozent, in diesem Fall also 4500 von 100’000 Franken, was knapp dem Preis für ein E-Bike entspreche. Sie fragt ausserdem, warum die Gemeinde Riehen mit ihrem «Energiestadt Gold»-Prädikat ein täglich nutzbares Mobilitätsangebot ohne CO₂-Ausstoss nicht unterstützen möchte. Im Hinblick auf den vom Gemeinderat erwähnten Wettbewerb mit anderen Anbietern verweist sie auf die Bieler Firma Intermobility, die vom Kanton vor einem halben Jahr eine Konzession von mindestens fünf Jahren Dauer erhielt, ein Veloverleihsystem mit zentralen Stationen zu betreiben.

Einerseits sage die Gemeinde, sie wolle ein gewinnorientiertes Unternehmen nicht unterstützen, andererseits würden Intermobility, einem eben solchen gewinnorientierten Unternehmen, vom Kanton aber 2,2 Millionen Franken für die ungedeckten Kosten der Inbetriebnahme zur Verfügung gestellt, sagt Merkle. Ihr gehe es ganz grundsätzlich um den Idealismus, ein zukunftsträchtiges und von gut 1000 registrierten Nutzern aus Riehen geschätztes Angebot zu fördern. Kürzlich hat sie im Einwohnerrat einen Antrag betreffend Förderung und Unterstützung von dezentralen Leihvelo-Systemen eingereicht.