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SeitenblickeRettet den Basler Kultursommer

Die Kulturschaffenden dürfen sich nach dem Lockdown nicht einfach in die Ferien verabschieden.

Ohne Kulturanlässe wie das Kino am Münsterplatz wird es ein öder Sommer in Basel.
Ohne Kulturanlässe wie das Kino am Münsterplatz wird es ein öder Sommer in Basel.
Foto: PD

Die Corona-Krise hat auch das kulturelle Leben von einem Tag auf den anderen gestoppt. Museen, Ausstellungsräume und Galerien sind geschlossen worden, Theater und Konzerthäuser haben ihren Spielplan erst unter- und dann ganz abgebrochen. Viele Kulturbetriebe wissen trotz versprochener finanzieller Unterstützung nicht, ob und wie es überhaupt weitergehen soll.

Natürlich hat das Virus auch die Kulturschaffenden hart getroffen. Doch manche haben sich dadurch auch völlig paralysieren lassen. Es gab Institutionen, die Wochen brauchten, bis sie die Kraft aufbrachten, auf ihrer Homepage zu vermelden, dass der Betrieb vorläufig eingestellt sei. Sicher, andere haben sich auch etwas einfallen lassen. Sie haben virtuelle Führungen ins Netz gestellt und Konzerte aus der eigenen Stube heraus organisiert und gestreamt. Doch als Ganzes ist der Kulturbetrieb in den letzten zwei Monaten mehr oder weniger stillgestanden.

Seit dem 11. Mai dürfen Museen und Galerien wieder Besucherinnen und Besucher empfangen unter bestimmten Schutzauflagen, versteht sich. Und vorgestern Mittwoch hat der Bundesrat die Besucherzahlen für öffentliche Veranstaltungen neu definiert und gibt den Veranstaltern dadurch wieder mehr Spielraum.

Somit sollte das kulturelle Leben wieder in Schwung kommen müsste man meinen. Doch viele für die kommenden Wochen und Monate geplante Veranstaltungen sind bereits abgesagt worden. Grosse Sommerfestivals wird es ebenso wenig geben wie Open-Air-Kinos mit mehr als 1000 Personen. Das Festival Im Fluss, das eigentlich im Juli und August für mediterrane Gefühle am Rhein sorgen sollte, wurde trotz Shitstorm anderer Veranstalter auf September verschoben und wird so zum Herbstfestival.

Im Klartext bedeutet dies: In den nächsten drei Monaten passiert in Basel kulturell so gut wie gar nichts. Oder genauer: so wenig wie in den vergangenen drei Monaten. Ein halbes Jahr ohne breites Kulturangebot. Das hätte sich niemand vorstellen können. Und doch leben wir jetzt in einer nahezu kulturlosen Zeit und spüren, dass uns vieles fehlt.

Die Kulturschaffenden, die uns vor allem wenn es um Subventionen geht stets predigen, ihr Wirken sei für den Menschen essenziell wie Brot und Wasser, machen es sich zu leicht, wenn sie jetzt einfach mal abwarten und auf bessere Zeiten hoffen. Alle Veranstaltungen einfach in den Herbst zu schieben und dabei auf das Glück zu vertrauen, dass es nicht zu einer zweiten Welle des Virus kommt, ist fantasielos. Auch die Hochrechnungen, dass bestimmte Aufführungen, Konzerte und Projekte nur ab einer bestimmten Anzahl Personen rentieren, zeugen nicht von Kreativität, vielmehr von ökonomischen Kalkül.

Gerade diejenigen Kulturbetriebe, die relativ gut abgesichert sind und staatliche Unterstützung, Subventionen oder Mittel aus dem Swisslos-Fonds bekommen, sind gefordert. Es darf nicht sein, dass sich die Kulturschaffenden nach dem Lockdown jetzt in den Zeiten der ersten Lockerungen einfach in die Sommerferien verabschieden und Basel einer kulturellen Dürrezeit überlassen.

Es gibt bei allem Verständnis für gewisse Rahmenbedingungen genügend kreative Lösungen, wie Konzerte, Theater- und Kinovorführungen auch vor einem begrenzten Publikum stattfinden können. Dieses Publikum wird auch gerne gewisse Abstriche in Kauf nehmen und verstehen, wenn Technik, Bühne oder Kulisse mal nicht ganz so aufwendig sind. Dafür ist die Wertschätzung, dass im Sommer überhaupt etwas geboten wird, umso grösser.

Der Kulturbetrieb engagiert sich damit aber nicht nur für das einheimische Publikum, sondern auch für auswärtige Besucher. Laut jüngsten Umfragen werden in diesem Sommer vor allem die Städte touristisch stark leiden. Ein attraktives und innovatives Kulturprogramm, das auch noch gut vermarktet wird, könnte etliche Touristen nach Basel locken.

Langsam wie es auch der Bundesrat und die Experten ständig propagieren würde das kulturelle Leben in der viel gepriesenen Kulturstadt Basel hochgefahren. Und nicht, wie es jetzt leider den Anschein macht, im Herbst quasi auf einen Schlag wieder fortgesetzt werden, als sei nichts geschehen. Das würde dann zu einem plötzlichen Überangebot und einem Kannibalismus unter den einzelnen Institutionen und Veranstaltern führen. Leere Häuser und ein frustriertes Publikum wären die Folgen. Deshalb mein eindringlicher Appell an die hiesigen Kulturschaffenden: Rettet den Basler Kultursommer!

Raphael Suter, ehemaliger BaZ-Redaktor.
Raphael Suter, ehemaliger BaZ-Redaktor.
Foto: Nicole Pont