So machen Sie Ihren Camper fit für die lange Reise

Für kurze Ferien braucht der Camper nicht viel mehr als ein Bett und einen Kocher. Wie sieht es aber aus, wenn der Roadtrip länger dauern soll?

Der Weg ist das Ziel. Der wichtigste Faktor dabei: Das Fahrzeug. Foto: Gabriella Hummel

Der Weg ist das Ziel. Der wichtigste Faktor dabei: Das Fahrzeug. Foto: Gabriella Hummel

Viele träumen davon, einfach mal loszufahren. Der Nase nach. Weiterziehen, wenn es sich richtig anfühlt. Bleiben, wenn alles stimmt. So lange man will. Wild campen, neue Kulturen kennen lernen, spontan sein. Der Weg ist das Ziel. Die einen sehen sich dabei auf der Panamericana, andere düsen in Gedanken vom Nord- ans Südkap, und die Nächsten wollen endlich mal in Europa die Küste entlangfahren.

Der wichtigste Faktor: das Fahrzeug. Ob Campervan oder Wohnmobil, grundsätzlich ist alles möglich. Aber: Was ist für einen selbst auf der geplanten Route von absoluter Wichtigkeit? Diese Frage sollte man sich als Erstes (vor dem Kauf oder dem Umbau) absolut ehrlich stellen. Ist es mir wichtig, im Fahrzeug aufrecht stehen zu können? Bin ich abenteuerlustig und möchte ein Allradfahrzeug? Wie viel (oder wie wenig) Luxus brauche ich wirklich für die Dauer der Reise? Für eine dreimonatige ist es vielleicht wurscht, ob man eine Dusche dabeihat, aber was, wenn es um ein Jahr geht?

Schreiben Sie sich auf, was für Sie und die Mitreisenden ein absolutes Muss ist. Und gehen Sie davon aus, dass Sie bei allem Weiteren vielleicht werden Abstriche oder Kompromisse eingehen müssen.

Nichtsdestotrotz gibt es einige Punkte, die das Leben on the road um ein Vielfaches verbessern und die es wert sind, auf Ihre Liste der unumstösslichen Camperausstattung genommen zu werden.

Trinkwasserfilter

In der Schweiz sind wir natürlich sehr verwöhnt, was sauberes Trinkwasser angeht. Herr und Frau Schweizer greifen deshalb meist zu gekauftem Wasser in Plastikflaschen, sobald sie die Landesgrenzen überquert haben. Das Problem ist: In einem Camper muss ja nicht nur getrunken, sondern je nachdem auch gekocht, abgewaschen, geputzt und geduscht werden. Die Menge an Wasser, die tagtäglich nötig ist, kann enorm sein. Fürs Duschen und Putzen findet man an Tankstellen und auf Campingplätzen ohne weiteres Wasser zum Auffüllen des Tanks. Aber zum Trinken?

Es lohnt sich deshalb, sich Gedanken über ein Filtersystem zu machen. Das ist nicht ganz günstig, aber wenn man bedenkt, wie viel Geld man spart an Wasser, das man nicht mehr zu kaufen braucht, lohnt es sich. Ganz zu schweigen vom Müll. Auch sinnvoll ist es, den Wassertank so gross wie möglich einzuplanen. Pro Person kann man für Trinken, Kochen und Abwasch allein 5 bis 7 Liter täglich einrechnen. Bei einem 70-Liter-Wassertank könnte man zu zweit also eine knappe Woche campen, ohne den Wassertank auffüllen zu müssen.

Solarpanel

Den Gipfel der Unabhängigkeit erklimmen Camperbesitzer mit einem Solarpanel und zusätzlicher Batterie. Im besten Fall lädt sich Letztere sowohl durch das Panel auf als auch beim Fahren. Ein Konverter ermöglicht es dann, den Wohnraum des Campers mit Strom zu versorgen: für die Beleuchtung, die Wasserpumpe, den Kühlschrank oder die -box, den Laptop, das Handy und kleine, Strom sparende Küchengeräte wie einen Stabmixer.

BodenfreiheitBei holprigem Gelände sollte das Fahrzeug über genügend Bodenfreiheit verfügen. Foto: Gabriella Hummel

Bei diesem Punkt kommt es ein wenig darauf an, wohin die Reise geht. Wer aber auch gerne mal am Strand campen will oder plant, auf etwas unstetem Gelände (etwa auf einem wilden Campingplatz oder Schotterstrassen) unterwegs zu sein, dem sei empfohlen, darauf zu achten, dass das Fahrzeug über genügend Bodenfreiheit verfügt. Dies lässt sich entweder etwas kostenintensiver mittels einer Höherlegung beim Mechaniker machen – oder auch mit etwas grösseren Reifen und besonderen Federn, welche gerne ein paar Zentimeter ausmachen können. Oft kommt die Frage auf, ob 4×4 auf der Panamericana oder sonstwo vonnöten sei. Hierzu lässt sich sagen: Die Bodenfreiheit ist wichtiger als Allrad. Wer sich bedenkenlos in jede Art von Gelände stürzen will, soll sich einen Geländewagen kaufen – aber zwingend ist 4×4 auf keinen Fall.

Ersatzteile

Diesen Punkt besprechen Sie am besten mit Ihrem Mechaniker. Ist Ihr Fahrzeugmodell in den Ländern auf Ihrer geplanten Strecke üblich? Gibt es Werkstätten vor Ort? Wie sieht es mit Ersatzteilen aus? Wenn Ihr Camper eher ein Exot ist, dann reservieren Sie einiges an Stauraum für Ersatzteile. Ihr Mechaniker wird Ihnen sagen können, welche Teile am anfälligsten sind und zu welchem Zeitpunkt sie prophylaktisch ausgewechselt werden sollten. Er kann Ihnen zudem eine Liste mit bekannten «Problemzonen» Ihres Fahrzeugs oder Ihres Modells zusammenstellen, damit Sie im Falle einer Panne zumindest einen Anhaltspunkt haben. So oder so ist es sinnvoll, bei Problemen auf der Reise mit dem Mechaniker Ihres Vertrauens Kontakt aufzunehmen.

Moskitonetze

Sagen wir es so: Darüber, Moskitonetze mitzuführen, hat sich noch nie ein Camper echauffiert. Die Investition in gute Netze für Fenster und Türen ist mit Sicherheit eine, die Sie nie bereuen werden. Und wenn Sie sie nicht brauchen, packen Sie sie einfach zur Seite. Aber da Camper auch gerne der Wärme nachfahren, können Sie damit rechnen, sie meistens und mit Dankbarkeit im Einsatz zu haben.

Nice to Have

Weitere Gedanken, die sich Langzeitcamper in Sachen Ausstattung machen können, reichen von WC und Dusche (mit oder ohne Warmwasserboiler) über Sicherheitsgeräte (Lenkradschloss, Bewegungs- und Gasmelder) bis zu Wi-Fi-Verstärkern und GPS. Diese Liste ist unendlich. Seien Sie gewiss, dass so ziemlich alles Vorstellbare in den Campern der Welt verbaut wurde: Induktionsherde, Waschmaschinen, Gefriertruhen und Dieselgeneratoren sind gar nicht mal so unüblich, wie man meinen würde. Am Ende gilt eine einzige Regel: Wichtig ist, was Ihnen wichtig ist.

Die Autorin reiste mit ihrem Partner in einem VW-Bus in 1000 Tagen von Seattle nach Feuerland. Einblicke in ihre Abenteuer liefern sie auf Instagram.

Gabriella Hummel/Travelcontent

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt