Schluss mit Geisha-Selfies

Die «Gesellschaftsdamen» im japanischen Kyoto sehen sich zunehmend von Touristen belästigt. Ein Fotoverbot soll Abhilfe schaffen.

Selber machen die Meikos zwar auch Selfies – aufdringliche Touristen riskieren nun jedoch eine Busse von bis zu 10'000 Yen (rund 91 Franken). Foto: Julieanne Birch (Getty Images)

Selber machen die Meikos zwar auch Selfies – aufdringliche Touristen riskieren nun jedoch eine Busse von bis zu 10'000 Yen (rund 91 Franken). Foto: Julieanne Birch (Getty Images)

Sie gehören genauso zum Japanbild wie der Mount Fuji; die Rede ist von den Geishas, den in traditionellen Gewändern gekleideten Gesellschaftsdamen. Sie bieten während der mehrgängigen Kaiseki-Mahlzeiten Gesellschaft und sind insbesondere im Kyoto-Stadtteil Gion anzutreffen. Die frühere Hauptstadt verzeichnet mit ihren vielen Palästen, Schreinen und Parks ein immer grösseres Touristenaufkommen – und das hat auch Schattenseiten.

Vermehrt beklagen sich Geishas – in Kyoto «Meiko» genannt – darüber, von Touristen teils sehr aufdringlich um Selfies gebeten zu werden. Nicht selten liegt dem taktlosen Verhalten ein Missverständnis über das Wesen der Geishas zugrunde. Diese sind Hüterinnen traditioneller japanischer Kunst, sie treten als Musikerinnen auf, führen Gespräche, zeigen traditionelle Tee-Darbietungen; mit Erotik hat ihre Tätigkeit nichts zu tun.

Ärger auch bei Gewerbetreibenden

Auch die Besitzer von lokalen Restaurants und Läden hatten sich in einer Umfrage negativ über das Verhalten der immer grösser werdenden Touristenmassen beklagt. Wie der britische «Guardian» berichtet, bezogen sich die Beschwerden vor allem auf herumliegenden Abfall, öffentliches Rauchen, Verkehrsbehinderungen und unbefugtes Betreten von Privatgrundstücken. Auch von ihnen gab es Berichte, wonach Geishas von Touristen belagert und für Fotos regelrecht verfolgt würden.

Die Behörden von Kyoto haben nun das Fotografieren der Geishas in Gion und weiteren Stadtteilen untersagt. Wer sie dennoch fotografiert bzw. belästigt, riskiert eine Busse von bis zu 10'000 Yen (rund 91 Franken). An zahlreichen Strassen in Gion wurden inzwischen Warntafeln angebracht. Rechtlich verbindlich ist das neue «Gesetz» zwar nicht, doch erhofft man sich dadurch einen respektvolleren Umgang der Besucher mit dem lokalen Gewerbe und insbesondere den japanischen Gesellschafterinnen.

Pilotversuch mit Verhaltensregeln auf Handy

Als weitere Massnahme erhalten Besucher derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts automatisch eine Nachricht mit «Benimmregeln» aufs Handy, sobald sie sich dem Stadtteil Gion nähern. Darin wird etwa darum gebeten, auf das Fotografieren der Geishas ohne deren explizite Erlaubnis zu verzichten und keine Privatgrundstücke zu betreten.

Tokio 2020 als Katalysator

Dass die Besucherzahlen Japans abnehmen, scheint unwahrscheinlich. 2018 besuchten bereits 31 Millionen Menschen Japan, also 9 Prozent mehr als im Jahr davor. Fürs kommende Jahr wird angesichts der in Tokio stattfindenden Olympischen Spiele gar mit 40 Millionen Besuchern gerechnet.


Ein Beitrag von www.travelnews.ch – das Newsportal für Reisen und Tourismus

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