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Familienjuwel in der Moorlandschaft

Das Sonnenalp-Resort im Allgäu wird 100 Jahre alt. Die Besitzer dürfen stolz sein auf Tradition und Pioniersinn.

Auf der Terrasse eines Naturschutzgebiets liegt das Sonnenalp-Resort – in den letzten acht Jahren wurde es sanft renoviert. Foto: Mathis Leicht
Auf der Terrasse eines Naturschutzgebiets liegt das Sonnenalp-Resort – in den letzten acht Jahren wurde es sanft renoviert. Foto: Mathis Leicht

Wie ein schlafender Riese liegt das Sonnenalp-Resort auf der Terrasse eines Naturschutzgebiets nahe Sonthofen im schwäbischen Allgäu. Als wolle es zunächst Diskretion suggerieren, zeigt es sich in seiner stolzen Majestät erst beim Näherkommen. Wenn der Gast dann aber seine müden Glieder aus dem Fahrzeug faltet und das frisch renovierte Fünfsternhaus betritt, bietet sich ein anderes Bild: Statt Diskretion herrscht hier Herzlichkeit vor.

Die grosszügige und von Oberlicht erhellte Empfangshalle signalisiert Weltläufigkeit, die Details lokale Verwurzelung. Kein Zweifel, dass man sich hier als Familie oder, wie in unserem Fall, als Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern bestens würde unterhalten können.

Tradition, wohin man blickt

Geführt wird das Haus seit 100 Jahren von der Familie Fässler – mittlerweile in der vierten Generation. Diese Tradition verrät sich überall: im unaufdringlichen Luxus und Charme des Hauses, in den auffallend freundlichen Mitarbeitenden, dem zuvorkommenden Service, der hervorragenden Küche in den verschiedenen Gaststuben. Oder im Umstand, dass man während der Tennisstunde mit dem Tennislehrer über die Geschichte der Familie Fässler zu plaudern beginnt und sich herausstellt, dass er Christian Fässler heisst und zur Hotelierfamilie gehört. Familie ist wichtig – auch was die Gäste betrifft. Wer mit Kleinkindern anreist, kann sie in der hoteleigenen Krippe betreuen lassen, aber auch Teenagern wird es nicht langweilig.

Der Familiensinn liegt in der DNA des Hauses, dessen Geschichte vor 100 Jahren begann. Für das Jubiläum haben die gegenwärtigen Betreiber Anna-Maria und Michael Fässler den ganzen Komplex während der vergangenen acht Jahre sanft renoviert und für rund 30 Millionen Euro umgebaut.

Architektonisch ist das sehr gelungen, ebenso besticht das Innendesign durch Liebe zum Detail: Von der hellen Lärchenholzfassade über die 218 komplett renovierten Zimmer und Suiten bis zu den Fluren, der Lobby und der ausgedehnten Wellnessanlage erscheint alles wie aus einem Guss. Es wurde also viel Geld investiert, und beide Fässlers haben intensiv mitgearbeitet – das Resultat kann sich sehen lassen.

Statt Diskretion herrscht hier Herzlichkeit vor.

Dabei blickt das grösste privat geführte Hotel in Deutschland auf eine bewegte Geschichte zurück, die mit unglücklichen Umständen begann. Gründervater Adolf Fässler nämlich, Nudelfabrikant aus Sonthofen, litt unter einer Mehlallergie, weshalb er beruflich umdisponieren musste. Also kaufte er einen grösseren Hof oben beim Moor, die Sonnenalm. Dort dachte er, vielleicht ein landwirtschaftliches Auskommen zu finden und sich eine Altersresidenz aufbauen zu können. Doch der Hof gab wenig her, die Dorfbevölkerung machte sich schon lustig über die Fässlers, «Moostapper» nannte man sie. Aber sie hatten nicht mit der Tüchtigkeit und dem Ideenreichtum von Adolfs Frau Eleonore gerechnet.

Noch steckte der alpine Gesundheitstourismus in den Kinderschuhen, aber Adolfs Frau Eleonore, eine Wirtstochter, erkannte das Potenzial des Anwesens. Damals kreuzten gerade die ersten Wellnesstouristen in der lieblichen Umgebung auf. Sie entdeckten hier die Natur und kamen, um zu entspannen und zu einem ursprünglicheren Leben zurückzufinden. Eleonore kümmert sich gern um ihre Bedürfnisse.

Erstes Hotelschwimmbad

Eleonore begriff schon früh, dass man solchen Hotelgästen mehr bieten kann als ein Bett und eine Mahlzeit. Die Fässlers wählten echte Gastfreundschaft – und ein Wellnesskonzept. Von Anfang an war man nah bei den Gästen, machte Ausflüge mit ihnen, liess sie an der Bergwelt und der Arbeit am Hof teilhaben. Das hat sich bis heute fortgesetzt. 20 000 Gäste begrüssen die Fässlers ­jedes Jahr auf ihrer Sonnenalp, 80 Prozent davon sind Stammgäste.

In den 1930er-Jahren wurde das Ausflugslokal um Gästezimmer und Speisesäle ergänzt, wurde aber nur im Sommer betrieben. Deshalb beschloss Ludwig Fässler, der Sohn der Gründer, dies zu ändern. Und zwar auf eigene Faust. Ohne das Wissen seines Vaters verdingte er sich als Taglöhner und kaufte von diesem Geld moderne Fenster. Als sie geliefert wurden, wollte der Vater, der von nichts wusste, die Lieferanten wieder wegschicken. Bis sein Sohn ihn aufklärte, was er damit vorhatte.

Es fing klein an: Die Sonnenalp im Jahr 1909. Foto: PD
Es fing klein an: Die Sonnenalp im Jahr 1909. Foto: PD

Grossvater Adolf sei nicht sehr erfreut gewesen, erzählen sein Enkel Karlheinz Fässler und dessen Frau Gretl, denn er habe doch eigentlich bloss seine Ruhe gewollt. Vergeblich. Mitte der 30er-Jahre begann Ludwig mit ein paar Arbeitern Schwimmbäder anzulegen, von Hand hoben sie den lehmigen Boden aus und verschalten das Becken mit Holz, um es dann mit Wasser zu ­füllen.

Ludwig liess sich auch in Bad Wörishofen zum Kneipp-Meister ausbilden. 1956 eröffneten er und seine Frau Resi das erste Hotelschwimmbad mit Sauna in Deutschland. Noch heute steht eine Moorbadewanne, wie man sie damals zum Kneippen brauchte, in der Silberdistel-Suite des Resorts – mit einer wunderbaren Aussicht auf das umliegende Bergpanorama.

Weit weg vom Alltag

Diese Hotelphilosophie der Fässlers wird bis heute gepflegt. Nach wie vor setzen sie konsequent auf Naturnähe und Innovation. Die Gäste werden nach aller Hotelierskunst umsorgt: Ob man ein gutes Stück Fleisch mag oder sich vegan ernähren will: Die Mitarbeitenden erfüllen jeden Wunsch. Ebenso vielfältig sieht es bei den Aktivitäten aus. Sportler finden von Golf über Reiten, Tennis, Wandern und Wasserski alles, was ein Sportlerherz begehren kann, im Winter wird natürlich auch auf Schnee Ski gefahren.

Neben der reichen Angebotspalette stellen sich Frieden und Erholung beinahe von selbst ein. Wenn ich mit meinen Kindern jeweils abends auf der Terrasse dem Geruch des frisch gemähten Rasens nachschnupperte und wir zusahen, wie die Mäusebussarde im letzten Tageslicht über den Wiesen kreisten, fühlten wir uns so weit weg vom Alltag, als wäre die Zeit rund um uns stehen geblieben. Man möchte jederzeit wiederkommen. Denn hier, so viel scheint sicher, wird es auch in 100 Jahren noch so schön sein wie heute.

Sonnenalp-Resort Spa Golf, Ofterschwang DE, DZ mit ­De-Luxe-HP ab 264 Euro pro Person, info@sonnenalp.de, www.sonnenalp.de

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