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UnternehmergesprächeReisebüro ohne Perspektive

Cat Travel sitzt auf dem Trockenen. Keine neuen Buchungen – den Kunden fehlt die Planungssicherheit.

Christian Cabane, Inhaber des Reisebüros Cat Travel an der Neubadstrasse in Basel, hat zwar Arbeit, erzielt aber keinen Umsatz mehr.
Christian Cabane, Inhaber des Reisebüros Cat Travel an der Neubadstrasse in Basel, hat zwar Arbeit, erzielt aber keinen Umsatz mehr.
Foto: Kostas Maros

Der Basler Reisebüro-Unternehmer Christian Cabane von Cat Travel in Basel hat schon viele kritische Phasen in seiner 35-jährigen Berufskarriere bewältigt. Er erinnert sich an die touristischen Folgen der Infektionskrankheiten Sars und Vogelgrippe, an den Tsunami vor 16 Jahren in Asien, an 9/11 in Manhattan, an Attentate in Ägypten oder an Vulkanausbrüche.

Immer hatten diese Ereignisse negative Folgen für die Tourismusbranche. Cabane ist krisenerprobt. Aber die Covid-19-Krise ist nicht örtlich begrenzt, sondern hat die ganze Welt erfasst. Das bringt sein Reisebüro und die gesamte Branche in existenzielle Not.

Leben von der Substanz

Cat Travel hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 80 Prozent des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr verloren. Von Gewinnen kann keine Rede sein. «Seit dem Beginn des Lockdown am 17. März verzeichneten wir keine namhaften Neugeschäfte», konstatiert Cabane. Dennoch ging die Arbeit nicht aus. Der Reisespezialist musste Reisen, die Kunden gecancelt hatten, absagen oder immer wieder auf neue Termine verschieben – viel Arbeit ohne Entgelt. «Im Moment geht gar nichts mehr. Die Planungsunsicherheit der Kunden ist zu gross.»

Cabane lebt von der Substanz und der noch vorhandenen Liquidität. Aber wie lange kann er das durchhalten? «So lange wie nur möglich. Die drei momentan auf Kurzarbeit gestellten Mitarbeitenden sind seit 10, 20 und 22 Jahren im Betrieb. Wenn ich sie entlassen müsste, fänden sie in der Branche kaum wieder Arbeit. Dank unserem Eigenkapital reicht die Liquidität für eine gewisse Zeit. Wir zehren von der Substanz und den Reserven», meint Cabane.

In der Schweiz gibt es noch rund 1200, meist inhabergeführte Büros mit drei bis vier Angestellten. Ihnen geht es ähnlich. Die Reisebüros gehören zu den Branchen, die von Corona am stärksten betroffen sind. Der Bundesrat hat zuhanden des Staatssekretariats für Wirtschaft von Hanser Consulting eine Studie erstellen lassen. Fazit: Die Branche benötigt eine zusätzliche Sonderlösung zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Krise. Trotz bereits beschlossener staatlicher Stabilisierungsmassnahmen erleidet sie in diesem Jahr Verluste von bis zu über 500 Millionen Franken. Damit würde das gesamte Eigenkapital dieses Wirtschaftssektors vernichtet. Das Beratungsunternehmen geht von einem Konkursrisiko von bis zu 40 Prozent der Reisebüros aus. Wenn der Staat nichts tue, seien bis zu 40 Prozent der Unternehmen mit bis zu rund 3000 Beschäftigung-Vollzeitäquivalenten akut gefährdet.

Hoffen auf die Politik

Schon beschlossen hat der Bundesrat, dass bis Ende Jahr die Reisebüros nicht betrieben werden dürfen, solange die Kunden ihr Geld zurückverlangen. Cat Travel zahlt Flugtickets und Hotelbuchungen zurück, wenn das Geld von den Fluggesellschaften und Hotels auf dem Konto erscheint. Die Kunden zeigen dafür sehr viel Verständnis. Die vom Bundesrat beschlossenen Covid-19-Kredite geben den Firmen zwar etwas Luft, sie müssen aber irgendwann zurückbezahlt werden. Deshalb werden sie noch wenig in Anspruch genommen.

Diese Massnahmen genügen Christian Cabane nicht. In Deutschland und Österreich habe man den Ernst der Lage seit längerem erkannt und Hilfspakete mit Fixkostenbeteiligungen oder A-fonds-perdu-Beiträge für die Reisebranche geschnürt. «Falls die Politik unsere Branche nicht fallen lassen will, müssen Stützungsmassnahmen in der Schweiz ohne Verzug beschlossen und umgesetzt werden», sagt Christian Cabane.

Zur Person

1 Kommentar
    Andreas T

    Achtung: Unfaire AGB's bei CAT-Travel! Bei jeder Annullation, auch seitens des Reiseveranstalters besteht CAT-Travel auf 15% des vollen Reisepreises! In unserem Fall sind das über 700 Franken die wir nicht zurück erhalten, obwohl die Reise durch den Veranstalter abgesagt wurde. Somit sichert sich CAT-Travel die volle Provision. Normale Bearbeitungsgebühren von etwa 100 Franken pro Person wären gemäss Ombudsmann der Schweizer Reisebranche angebracht aber daran hält sich Cat-Travel als Mitglied nicht.

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