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Kosten von 6,2 Millionen FrankenRegierung beantragt Generalinventur im Historischen Museum Basel

Die Basler Regierung beantragt dem Grossen Rat eine Summe von 6,2 Millionen Franken für eine Generalinventur der Sammlung im Historischen Museum Basel (HMB).

Das Historische Museum Basel soll 6,2 Millionen Franken für eine Generalînventur (im Bild: Objekte aus dem Basler Münsterschaft) erhalten.
Das Historische Museum Basel soll 6,2 Millionen Franken für eine Generalînventur (im Bild: Objekte aus dem Basler Münsterschaft) erhalten.
Foto: Keystone

Die Basler Regierung beantragt dem Grossen Rat eine Summe von 6,2 Millionen Franken für eine Generalinventur der Sammlung im Historischen Museum Basel (HMB). Eine Betriebsanalyse hatte vor einem Jahr in diesem Bereich grosse Mängel aufgezeigt. Im jüngsten der BaZ vorliegenden Strategiebericht werden unter Berufung auf die Betriebsanalyse 6,76 Millionen Franken für die Generalinventur am HMB gefordert. Die Regierung gewährt offenbar über eine halbe Million Franken weniger, als für die Inventur nötig erachtet wird.

Mit der Generalinventur sollen die rund 300'000 Sammlungsobjekte gesamthaft in der Datenbank des Museums erfasst werden, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Die beantragte befristete Erhöhung der Mittel solle dem Museum ermöglichen, «das komplexe Inventarisierungsprojekt» in den kommenden fünf Jahren anzupacken und umzusetzen.

Eine vom Basler Präsidialdepartement in Auftrag beim Unternehmen «acktori» gegebene Betriebsanalyse hatte beim Unterhalt und der Inventarisierung der Sammlung des Historischen Museums grosse Defizite registriert. Der inzwischen freigestellte Museumsdirektor Marc Fehlmann hatte bei der Präsentation der Betriebsanalyse Anfang September 2019 gesagt, dass die Standorte von zwei Dritteln der Sammlungsobjekte oder -konvolute nicht bekannt seien. Am selben Anlass mochte die zuständige Departementsvorsteherin Elisabeth Ackermann weder Aussagen zu nötigen Sonderkredit noch Zusagen zu jährlich nötigen Betriebsmittel fürs Museum in der Höhe von 1,15 Millionen Franken machen.

Die Regierung hatte die Museumsdirektion im Nachgang der Betriebsanalyse damit beauftragt, einen Vorschlag zur Umsetzung einer Generalinventur mit einer Kostenschätzung vorzulegen, sowie einen Strategiebericht zu erstellen. Der Umsetzungsvorschlag sieht nun neben einer neuen Zählung, der fotografischen Dokumentierung sowie einer elektronischen Etikettierung der Objekte eine Deklaration des jeweiligen Zustands vor. Der Strategiebericht, erstellt von der renommierten Berliner Museumsplanerin Duncan McCauley, priorisiert die «Generalinventur und Digitalisierung» der Sammlung. Sie sei Vorbereitung für einen Umzug der derzeit eingelagerten Güter in ein neues Kulturgüterzentrum. Gemäss diesem Strategiebericht soll die Generalinventur bis 2027 abgeschlossen sein.

Das Museum wurde zum Politikum

Das Historische Museum Basel und das dafür zuständige Präsidialdepartement sind in den vergangenen Monaten nicht zuletzt wegen den betrieblichen Defiziten politisch arg unter Beschuss geraten. Ein Spezialbericht der Geschäftsprüfungskommission hatte das Departement und dessen Vorsteherin Elisabeth Ackermann (Grüne) scharf kritisiert.

Neben der Art und Weise, wie sie die Freistellung des Museumsdirektors Marc Fehlmann vorgenommen und kommuniziert habe, war der Regierungspräsidentin auch vorgehalten worden, ungenügend auf die Mängel bei der Inventarisierung der Sammlung reagiert zu haben.

Die Generalinventur ist nur eines der grossen Projekte, die auf das Museum warten. Die Betriebsanalyse hatte auch grosse Mängel bei der Lagerung der nicht ausgestellten Sammlungsobjekte festgestellt. Sie seien heute auf acht, zum Teil ungenügend eingerichtete und geschützte Standorten verstreut, hiess es. Das Bau- und Verkehrsdepartement und Immobilien Basel-Stadt haben den Auftrag, die Errichtung eines neuen zentralen Sammlungsdepots zu prüfen.

Ferner fordern die actori-Betriebsanalyse sowie der Duncan-McCauley-Strategiebericht jährichl 1,15 Millionen Franken, oder 5,5 Vollzeitstellen, um einen Museumsbertrieb zu gewährleisten, der dem gesetzlichen Auftrag nachkommt. Dazu bleibt die Basler Regierung nach wie vor eine Antwort schuldig.

SDA/wah

2 Kommentare
    Luc Holzer

    Das gibt sicher eine Inventarisierung der besonderen Art, wenn die Standorte von zwei Dritteln der Sammlungsobjekte oder -konvolute nicht einmal bekannt sind !

    Oder sind sie mittlerweile etwa wieder aufgetaucht, dass man überhaupt von acht Standorten sprechen kann ? Wann wurde das letzte Invertar erstellt, welches von seiner Aussage her belastbar ist ? Wurden Mutationen innerhalb der einzelnen Lager je zentral erfasst ? Fragen über Fragen...

    Es riecht hier so oder so nach Dilettantismus anstelle dringend erforderlicher Professionalität. Aber es geht hier ja auch nur um historische Exponate in Abermillionenhöhe...

    Und in wessen Rayon fällt die Verantwortung ? ...eben !