Gendersternchen etc. unerwünscht

Das Büro des Zürcher Stadtparlaments weist erneut einen Vorstoss aus sprachlichen Gründen zurück. Dieses Mal einen linken.

Alle Versionen auf diesem Schild sind im Zürcher Gemeinderat nicht erlaubt.

Alle Versionen auf diesem Schild sind im Zürcher Gemeinderat nicht erlaubt.

(Bild: Wikipedia/Coyote)

Zuerst rüffelte sie eine Rechte, jetzt auch einen Linken: Die «Genderpolizei». Diese Bezeichnung erhielt das Büro des Gemeinderats, nachdem es vor kurzem eine Interpellation der SVP-Politikerin Susanne Brunner zu einer Besetzung zurückgewiesen hatte: Der Vorstoss sei nicht gendergerecht formuliert.

Nun ist es AL-Politiker David Garcia Nuñez, der einen Vorstoss überarbeiten muss. Das berichtet die NZZ. Garcia Nuñez hat nicht etwa zu wenig auf die Gendergerechtigkeit geachtet, sondern sich im Gegenteil zu sehr um sprachliche Inklusion bemüht: Er verwendete in der Begründung seines Vorstosses für einen «Rosa-Luxemburg-Park» das sogenannte Gendergap: Er schrieb vom «Arbeiter_innenquartier», der «Arbeiter_innenzeitschrift» und der «Arbeiter_innenbewegung».

Zwei unterschiedliche Fälle

Mit dieser Form sollen auch jene Menschen repräsentiert werden, deren Geschlechtsidentität sich nicht oder nicht eindeutig dem Männlichen oder Weiblichen zuordnen lässt. Eine Variante davon ist das Gendersternchen (in Garcia Nuñez Vorstoss hiesse es dann «Arbeiter*innenquartier»).

«Gendergap und Gendersternchen sind im Sprachreglement schlicht nicht vorgesehen.»Helen Glaser, SP-Gemeinderätin und Vizepräsidentin des Ratsbüros

Die Zurückweisung sei keine inhaltliche Kritik an der Schreibweise und der Absicht dahinter, sagt Helen Glaser, SP-Gemeinderätin und Vizepräsidentin des Ratsbüros. «Diese Formen sind im Sprachreglement schlicht nicht vorgesehen.»

Die Fälle Brunner und Garcia Nuñez sind also unterschiedlich gelagert. Brunners Vorstoss wurde vom Büro – nun schon zwei Mal – wegen fehlender sprachlicher Gleichberechtigung zurückgewiesen. Es bezieht sich dabei auf einen Passus in den Ausführungsbestimmungen zur Geschäftsordnung. Dort heisst es: «Frauen und Männer sind sprachlich gleichberechtigt zu behandeln.»

Nebst diesen Ausführungsbestimmungen orientiert sich das Büro auch an den Richtlinien zur Rechtschreibung der Stadt Zürich. Darin werden das Gendergap oder das Gendersternchen nicht erwähnt. Bereits früher seien Vorstösse deswegen zurückgewiesen worden, sagt Glaser. Das Binnen-I kommt in der Richtlinie zwar vor, wird aber als «nicht zulässig» bezeichnet. Erlaubt sei dieses nur, wenn die Verknappung notwendig ist, etwa in Tabellen.

Bald erlaubt?

Die Rückweisung seines Vorstosses macht für Garcia Nuñez keinen Sinn. «Als Parlament, als erste Gewalt im Staat, müssen wir uns nicht der Verwaltung unterordnen», sagt er zur NZZ. Er wolle nach den Sommerferien einen Vorstoss lancieren, um Gendergap und Gendersternchen zu erlauben. Auch Helen Glaser kann sich vorstellen, dass diese Formen dereinst zugelassen werden. Das Büro bestimmt seine Ausführungsbestimmungen selber. «Wenn wir uns jetzt jede Woche damit herumschlagen müssen, dann lohnt sich diese grundsätzliche Diskussion», findet Glaser.

Das Büro hat die städtischen Richtlinien zur Rechtschreibung 2012 für das Parlament als verbindlich erklärt und im Mai 2018 in den Ausführungsbestimmungen der Geschäftsordnung des Gemeinderates präzisiert. Sowohl die Ausführungsbestimmungen als auch die Bestimmungen zur Anwendung der städtischen Richtlinien könnten vom Büro aber wieder angepasst werden, sagt Glaser.

David Garcia Nuñez wird die Schreibweise in seinem Vorstoss aber vorerst anpassen. Anders Susanne Brunner. Sie nimmt die Rückweisung nicht hin und fordert eine Behandlung im Rat. Falls sie dort keine Mehrheit finde, wird sie den Fall vor den Bezirksrat ziehen.

hwe

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