Realitätsbezug verloren gegangen
Für das kommende 2018 wäre zu wünschen, dass gewisse Kreise – zusammen mit ihrer Politiker-Entourage – zurück in die Realität fänden.

Bereits ein kleiner, unvollständiger Rückblick auf das vergangene Jahr lässt erahnen, dass gewisse Politikerinnen und Politiker auch im neuen Jahr einer erstaunten Bevölkerung jede Menge Märchen auftischen werden. Apropos Märchen. Bastien Girod, Zürcher Nationalrat der Grünen, möchte das Märchen «Dornröschen» der Brüder Grimm auf die Indexliste setzen, weil ein Prinz die schlafende Prinzessin wachküsst und er in dieser Szene ein sexistisches Rollenbild erkennt. Nach der erfolglosen Offroader-Initiative hat nun die Grüne Partei endlich die wirklichen Probleme der Schweiz erkannt.
Etwa in die gleiche Märchenstunde gehört das Migrationspapier der Juso Schweiz, in welchem die Abschaffung der Grenzen, sichere Fluchtwege, das Recht auf eine weltweite Niederlassungsfreiheit und die Anerkennung von Armut als Asylgrund gefordert wird. Letztlich wäre dieser Forderungskatalog zum Lachen. Zum Heulen wurde er erst durch die SP-Bundesrätin und EJPD-Vorsteherin Simonetta Sommaruga.
Auch internationale Organisationen sorgten hierzulande für hohen Unterhaltungswert.
Anstatt der Sandkastenfraktion der SP mitzuteilen, dass mit dem Juso-Migrationspapier Schrott produziert wurde, fand sie lobende Worte und sprach von einem wertvollen Diskussionsbeitrag. Es blieb jedoch nicht bei huldvollen Worthülsen, sondern sie nahm sich den Punkt der sicheren Fluchtwege sofort zu Herzen und plant nun eine Luftbrücke von Libyen in die Schweiz, damit die Migration in unsere Sozialwerke nicht ins Stocken gerät.
Auch internationale Organisationen sorgten hierzulande für hohen Unterhaltungswert. Bei der jüngsten Überprüfung der Schweiz durch den UNO-Menschenrechtsrat kritisierte die Regierung von Venezuela die «rechte Positionierung» gewisser Schweizer Medien und fordert Korrekturen. Ist Venezuela nicht jener sozialistische Nahezu-failed-State, wo das vom Volk gewählte Parlament von Präsident Nicolás Maduro abgesetzt wurde, die Pressefreiheit auf Platz 137 von 180 Länder rangiert, regierungskritische Journalisten in Haft sitzen, 82 Prozent der Landsleute in Armut leben und das zu den Staaten mit der höchsten Kriminalitätsrate zählt? Die Hauptstadt Caracas liegt zudem unangefochten auf Platz eins im Ranking der weltweit gefährlichsten Städte.
Venezuela ist sich nicht zu schade, unserem Land mit einem völlig haltlosen Vorwurf ans Bein zu pinkeln.
Und jetzt fordern Vertreter dieses Landes die Schweiz auf, die Pressefreiheit zu beachten. Eine Lachnummer erster Güte, wobei davon auszugehen ist, dass gewisse Schweizer NGO für diese venezolanische Rüge mitverantwortlich sind. Grosse Teile unserer Steuergelder fliessen an die UNO und man schätzt die hiesige Gastfreundschaft, haben doch neun UNO-Organisationen ihren Sitz in der Schweiz. Dennoch ist sich Venezuela nicht zu schade, unserem Land mit einem völlig haltlosen Vorwurf ans Bein zu pinkeln.
Und auf Ende Jahr hat Simonetta Sommaruga erneut für eine heitere Episode gesorgt. Als Gegenvorschlag zur Burka-Initiative möchte sie nur jene unter Strafe stellen, die eine Frau zum Tragen einer Burka zwingen. Da wird sich die Polizei freuen, wenn jede verschleierte Frau angesprochen werden muss, um abzuklären, ob sie sich das Stoffgefängnis freiwillig übergezogen hat.
Für das kommende 2018 wäre zu wünschen, dass gewisse Kreise – zusammen mit ihrer Politiker-Entourage – zurück in die Realität fänden. Die Bevölkerung unseres Landes hätte es wahrlich verdient.
Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.
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