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Kurzarbeit und Corona-KrediteRasche Schweizer Wirtschafts-Hilfe belegt Spitzenplatz

Laut einer Studie der Adecco-Ökonomen liegt das Krisenmanagement des Bundes im Vergleich mit anderen Längern ganz vorne. Die wirtschaftlichen Perspektiven sind in der Schweiz sogar besser als in Schweden.

Ein Kellner desinfiziert nach der Wiedereröffnung einen Tisch in einem Restaurant in Lausanne.
Ein Kellner desinfiziert nach der Wiedereröffnung einen Tisch in einem Restaurant in Lausanne.
Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Das Corona-Krisenmanagement des Bundesrats bekommt vergleichsweise gute Noten, was die Wirtschaft und die eingesetzten Arbeitsmarktinstrumente betrifft. «Die Schweiz ist bisher eine Erfolgsgeschichte», heisst es in einer Studie des Personaldienstleisters Adecco Group, welche die Massnahmen von zwölf Ländern zur wirtschaftlichen Bewältigung der Pandemiefolgen miteinander verglichen hat.

So weise die Schweiz zwar eine relativ hohe Fallzahl pro Kopf aus, so die Adecco-Ökonomen. Gleichwohl hätten sich die wirtschaftlichen Perspektiven relativ gesehen bis dato wenig stark eingetrübt.

In der Rangliste, die auf Basis von Wachstumsprognosen, Arbeitsmarktvorhersagen, Börsenentwicklung und Stimmungsindikatoren erstellt wurde, schneidet die Schweiz sogar besser ab als Schweden. Das skandinavische Land hat bekanntlich auf einen eigentlichen Lockdown verzichtet.

Auf Platz drei folgt mit einigem Abstand Deutschland. Spanien und Grossbritannien bilden die Schlusslichter in der Rangliste.

Rasche Hilfe

Studienautorin Bettina Schaller erklärt sich das vergleichsweise gute Abschneiden der Schweiz mit verschiedenen Punkten. «In keinem anderen Land kamen die Hilfsgelder so rasch bei den Unternehmen und Arbeitnehmern an», sagt sie etwa.

Das Land habe zum einen auf die funktionierende Arbeitslosenversicherung und das Kurzarbeitsystem aufbauen können. Zudem sei der Finanzsektor mit an Bord geholt worden. Und weil dieser digital gut aufgestellt sei, sei das Geld innert Stunden bei den Firmen angekommen. Gleich effizient seien die Beiträge der Ausgleichskassen an die Arbeitnehmenden geflossen.

In anderen Ländern hingegen sei bis jetzt noch überhaupt kein Geld ausbezahlt worden, so Schaller. In Grossbritannien zum Beispiel sei vor kurzen angekündigt worden, dass die meisten Betroffenen die Unterstützung erst ab Juni erhalten würden. «Und in den USA werden die Hilfsgelder noch mit der Post und per Cheques verteilt.»

Grosse Summen

Geholfen habe zudem die schiere Grösse der Unterstützung. So habe die Schweiz einen relativ hohen Prozentanteil des Bruttoinlandprodukts zur Verfügung gestellt – ein Grossteil davon via Kurzarbeitsentschädigung. In Grossbritannien auf der anderen Seite sei dieser Stimulus nicht einmal halb so gross ausgefallen.

«Generell scheinen Länder besonders gute Perspektiven zu haben, wenn die Angestellten im Arbeitsprozess bleiben», so Schaller. Dies sei auch eine Erklärung für das gute Abschneiden Schwedens. Hingegen gäben Grossbritannien und auch die USA aus diesem Grund Anlass zur Sorge.

Schaller betont allerdings, es handle sich bei der Studie um eine vorläufig gültige Betrachtung. «Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, wie sich die Konsumstimmung in den nächsten Monaten verändern wird.» In diesem Zusammenhang sei es auch entscheidend, wie rasch wieder Normalität einkehre.

Geld wieder hereinholen

Und es stelle sich die Frage, wie lange die Staaten die Unterstützung aufrechthalten könnten. Zum Teil sei diese vom Gesetz her begrenzt. Und manche Länder kämen nun wegen ihrer finanziellen Lage an die Grenzen.

«In Frankreich zum Beispiel laufen bereits Diskussionen, wie das ausgegebene Geld wieder hereingeholt werden kann», so Schaller. Es sei gut möglich, dass am Schluss die Unternehmen die Zeche bezahlen müssten – mit neuerlichen negativen Folgen für die Wirtschaft.

(SDA /aru)