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Haute Couture im Stadtcasino BaselRaphael Blechschmidts grösste Modeschau

Seine Herbst- und Winterkollektion präsentierte der Basler Couturier Raphael Blechschmidt am Freitagabend vor einer ungewöhnlichen Kulisse. Im Stadtcasino Basel brachte er Mode und klassische Musik unter einen Hut.

In einem «Modischen Divertimento in sechs Akten» führten die Mannequins die warme Herbst- und Wintermode vor.


 Dies zum Takt des Sinfonieorchesters Basel.
In einem «Modischen Divertimento in sechs Akten» führten die Mannequins die warme Herbst- und Wintermode vor.


Dies zum Takt des Sinfonieorchesters Basel.
Fotos: Dominik Plüss
Modeschau mit Raphael Blechschmidt im Stadtcasino, am Freitag, 16. Oktober 2020 in Basel.
Modeschau mit Raphael Blechschmidt im Stadtcasino, am Freitag, 16. Oktober 2020 in Basel.
Foto: Dominik Plüss / Tamedia AG
Modeschau mit Raphael Blechschmidt im Stadtcasino, am Freitag, 16. Oktober 2020 in Basel.
Modeschau mit Raphael Blechschmidt im Stadtcasino, am Freitag, 16. Oktober 2020 in Basel.
Foto: Dominik Plüss / Tamedia AG
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Von oben herab funkeln die scharf geschliffenen Kristalle der Kronleuchter. Sie tauchen die Stuckaturen an der Decke, die purpurroten Samtsitze und auch die versammelte Gesellschaft, die darauf Platz genommen hat, in ein schummriges Licht. Auf der Bühne macht sich das Sinfonieorchester Basel für seinen ersten Einsatz bereit. Da wird noch die Violine ein letztes Mal gestimmt, der Kontrabass zurechtgerückt. Dann erklingt die «Ouverture» von Wolfgang Amadeus Mozarts «Zauberflöte». Doch das Publikum ist nicht nur hier wegen der Musik. Es ist vor allem gekommen, um die Herbst- und Winterkollektion des Basler Couturiers Raphael Blechschmidt zu sehen.

Während sich die Streicher zu einem Crescendo aufschwingen, schreiten drei männliche Models auf die Bühne. Nebeneinander bleiben sie stehen. Sie warten auf ihre weiblichen Gegenspielerinnen, die nun ebenso die Bühne betreten und in Kurzmänteln aus Alpakawolle in Himbeerrot und in Bleu majorelle – das frische Blau Yves Saint Laurents – sowie in sportlicheren Mänteln aus Chevronstoff und Kaschmir über den Laufsteg schweben. Sie streifen Mäntel und Foulards ab und überreichen sie den drei Gentlemen auf der Bühne. Darunter tragen sie Blusen und Kleider aus Seide, die Schnittlinien sind oft geschwungen, wellenförmig. Diese Schnitte wie auch das Motto des Abends – ein modisches Divertimento in sechs Akten – sind eine Hommage an den Ort, an dem wir uns befinden: im grossen Musiksaal im neu renovierten Stadtcasino. Es ist eine ganz andere Kulisse als sonst. Alles ist hier grandioser, üppiger, gigantischer.

Von der Architektur inspiriert

«Ohne die Corona-Krise wäre ich gar nie auf die Idee gekommen, meine Modeschau im Stadtcasino zu veranstalten», erklärt Raphael Blechschmidt schon vor dem aufwendigen Event gegenüber der BaZ. «Wegen der Sicherheitsmassnahmen wäre unsere übliche Show im Möbel Roesch leider nicht möglich gewesen», sagt er. Vor elf Wochen jedoch die Erlösung: Mit dem Direktor des Stadtcasinos, Thomas Koeb, und Hans-Georg Hofmann, dem künstlerischen Direktor des Sinfonieorchesters Basel, entstand die Idee, einen ganzen Abend der Mode und der Musik zu widmen. Und der Bevölkerung wieder einmal einen schönen Abend zu bieten: «In diesem Sinne ist die Schau auch ein Gegenzeichen zu den Zeiten, in denen wir uns befinden», erklärt Blechschmidt. «Viele Designer in Paris haben ihre Shows ganz ausfallen lassen.»

Jetzt, in dem von den Architekten Herzog & de Meuron renovierten Musiksaal, hat er dazu nicht nur mehr Platz und eine grandiosere Ambiance – er hat für die Show, die auf Youtube live übertragen wird, prominente Unterstützung: Der SRF1-Moderator Dani Fohrler führt durch den Abend, interviewt zwischen den jeweiligen Akten mit Namen wie «Ouverture», «L’Opéra» oder «La Symphonie» jene Leute, die sonst vor allem im Vorfeld der Show oder im Backstage-Bereich ihren Beitrag leisten. Etwa die Hutmacherin Maria Hiepler, die zu mehr Mut zum Hut im Alltag rät, wie auch der Juwelier Urs Mezger und seine Tochter Maxime, die die Models mit ihrem Schmuck ausgestattet haben. Auch Coiffeur Thomas Hinz von Hinz und Kunst ist da und schliesslich eben auch Stadtcasino-Direktor Thomas Koeb und Hans-Georg Hofmann vom Sinfonieorchester Basel. Und natürlich kommen auch Raphael Blechschmidt und sein Lebenspartner Peter Potoczky zu Wort. Für seine grösste Modeschau bisher habe er sich vom Stadtcasino selber beeinflussen lassen, so der Couturier: «Einerseits inspirierte mich das Muster der Tapete im Foyer, das Charles Garnier einst für die Opéra Garnier in Paris entworfen hat, andererseits auch dessen Wellenformen», erklärt er.

So tauchen diese Elemente immer wieder auf – besonders im fünften und sechsten Akt, der von der Sopranistin Stefanie Knorr mit Mozarts Arie «Vado, ma dove?» untermalt wird. Ein gewobenes Wolljäckchen mit Wellenmotiv hier; eine Spitzenjacke, die an die Stuckaturen erinnert, da, und dann das rot-schwarze Schlusskleid, das auch wieder von der Formgebung des Parketts beeinflusst worden ist, als Höhepunkt.

SRF1-Moderator Dani Fohrler bohrt bei Raphael Blechschmidt und Peter Potoczky (v. l.) nach, woher die Inspiration für die neuste Kollektion gekommen ist. Hier tragen sie die selbst geschneiderten Anzüge aus dem roten Originalstoff des Stadtcasinos.
SRF1-Moderator Dani Fohrler bohrt bei Raphael Blechschmidt und Peter Potoczky (v. l.) nach, woher die Inspiration für die neuste Kollektion gekommen ist. Hier tragen sie die selbst geschneiderten Anzüge aus dem roten Originalstoff des Stadtcasinos.
Foto: Dominik Plüss

Übrigens: Auch Mozart war ein «Fashionfreak», weiss Hans-Georg Hofmann. «Es gibt Briefe zwischen ihm und seinem Vater, in denen sie sich von der Schuhschnalle bis zum Hut ausgetauscht haben. Der Vater warnte: ‹Bitte zieh keine englischen Hüte an – sonst schauen dich die Leute an, als wärst du ein Rhinozeros.›»

Was die fachmännische Einschätzung von Hutmacherin Hiepler zu dieser Aussage gewesen wäre, blieb am Freitagabend allerdings offen.

Die Show wurde via Livestream auch an Zuschauer zu Hause übertragen.

1 Kommentar
    Emma Moewe

    Wo sind die Masken? Wird der nötige Abstand eingehalten?