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Studie zu Corona-InfluencerProminente sind als Pandemie-Botschafter ungeeignet

Eine Lausanner Studie zeigt Erstaunliches auf: Wenn es um die Verbreitung von schützenden Massnahmen gegen das Coronavirus geht, sind bekannte Stars wie Kim Kardashian oder Tom Hanks fehl am Platz.

Gemäss Schweizer Studie: Kim Kardashian kann die breite Bevölkerung nicht überzeugen, die Corona-Massnahme «Abstandhalten» mit ihrem Umfeld zu teilen.
Gemäss Schweizer Studie: Kim Kardashian kann die breite Bevölkerung nicht überzeugen, die Corona-Massnahme «Abstandhalten» mit ihrem Umfeld zu teilen.
Foto: Ringo Chiu (Keystone/Archiv)

Befürwortet der US-Immunologe Anthony Fauci bestimmte Corona-Massnahmen, sind Menschen eher bereit, diese Botschaften zu teilen, als wenn Politiker oder Promis diese unterstützen. Das zeigt eine Studie mit über 12'000 Personen aus sechs Ländern, darunter der Schweiz.

Als das Coronavirus die Welt zu überrollen begann, riefen Fachleute und Regierungen dazu auf, die Hände zu waschen, Kontakte zu beschränken und Abstand zu halten. Während frühere Studien vor allem darauf fokussierten, wie sich Gesundheitsbotschaften inhaltlich am wirksamsten gestalten lassen, wählte ein Lausanner Forschertrio nun einen anderen Ansatz: Wer soll die Botschaft verbreiten, damit Menschen diese in ihrem Umfeld weitererzählen?

«Berühmtheiten sind definitiv die am wenigsten optimale Wahl, um die breite Bevölkerung zu erreichen und zu motivieren», sagte der Psychologe Ahmad Abu-Akel von der Uni Lausanne im Gespräch mit Keystone-SDA.

Gutes Zeugnis für Bundesrätin Sommaruga

Gemeinsam mit den EPFL-Computerwissenschaftlern Andreas Spitz und Robert West rekrutierte der Psychologe im März 2020 über Facebook insgesamt 12'194 Personen aus der Schweiz, den USA, Brasilien, Südkorea, Italien und Spanien. Die Teilnehmenden füllten einen Fragebogen aus, in dem sie unter anderem angaben, ob sie einen Aufruf zum Abstandhalten teilen würden.

Dieser werde angeblich entweder von Anthony Fauci, Tom Hanks, Kim Kardashian oder einem prominenten Regierungsvertreter aus dem Land des Befragten unterstützt. Für die Schweiz war dies Simonetta Sommaruga, für die USA Donald Trump.

Schneidet in der Studie gut ab: Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Schneidet in der Studie gut ab: Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Foto: Peter Schneider (Keystone/28. Januar 2021)

Resultat: Über alle Länder hinweg war Anthony Fauci der Gewinner, wie die Forscher im Fachmagazin «Plos One» berichten. Simonetta Sommaruga schnitt allerdings ähnlich gut ab wie der US-Immunologe. Die Promis hingegen fanden sich generell abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Anders in den USA: Hier rangierte Donald Trump auf dem zweitletzten Platz, knapp vor Kim Kardashian.

Zufriedenheit mit Regierung hilft nicht immer

Ob die Befragten die Botschaft weiterverbreiteten, kontrollierte das Team nicht. Doch es gebe Hinweise darauf, dass beabsichtigtes Verhalten während der Covid-19-Pandemie das tatsächliche Verhalten widerspiegle, schreiben die Forschenden in der Studie.

Die älteren Befragten und diejenigen mit positiven Gefühlen gegenüber dem Befürworter zeigten sich demnach eher dazu bereit, die Botschaft zu streuen. Allerdings schwand die Motivation, wenn die Teilnehmenden zufrieden mit der Regierung waren, etwa die Schweizerinnen und Schweizer. «Die Menschen nahmen dadurch wohl ihre eigene Verantwortung zu wenig wahr», sagte Abu-Akel.

Prominente in Impfkampagnen helfen wenig

Die Forscher sind überzeugt, dass sich ihre Ergebnisse beispielsweise auch auf Impfkampagnen übertragen lassen – und Berühmtheiten sich nicht eigenen, um die Botschaft des Impfens in der Bevölkerung breit zu streuen. «Die Prominenten müssten sehr gezielt in den sozialen Medien für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ausgewählt werden», sagte der Computerwissenschaftler Spitz. «Obwohl dies technisch möglich ist, ist es aber aus Datenschutzgründen bedenklich.»

Um so viele Menschen wie möglich anzusprechen, schlägt das Forscher-Team deshalb vor, dass sich Regierungen darauf fokussieren sollen, vertrauenswürdige und beliebte Experten und Expertinnen zu identifizieren und diesen eine Plattform zu bieten.

SDA/fal

5 Kommentare
    Franziska De Min

    Es gibt Personen, die werden gerade erst durch ihren Einsatz bekannt. Eindrückliches Beispiel: Greta Thunberg.

    Bei der Coronapandemie sind es Expert*innen z.B. der Epidemiologie, welche zu Vorbildern werden oder Politiker*innen, die sich z.B. für die Unterstützung von KMUs einsetzen, oder Schwester Arianne, welche sich um materiell bedürftige Menschen kümmert.