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Denkmalschutz versus SolarenergiePratteln stellt sich gegen den Kanton

Nach zwölf Jahren Vorbereitung werden die Vorschriften für den Ortskern erneuert.

Ein Ortsbild von nationaler Bedeutung: Der Prattler Dorfkern mit dem Schloss.
Ein Ortsbild von nationaler Bedeutung: Der Prattler Dorfkern mit dem Schloss.
Foto: www.luftbilder.ch

Erhaltens- und schützenswert – dies sind die beiden wichtigen Adjektive, wenn es um die über Jahrhunderte gewachsenen Siedlungskerne von Städten und Dörfern geht. Sie sind die Identitätsstifter für Bürgerinnen und Bürger, die mit den alten Ortskernen vertraut sind, dort leben oder verkehren. Doch was heisst das für die dortigen Hausbesitzer? Was dürfen sie in und an ihren Liegenschaften verändern? Was ist sakrosankt? Wo ist eine Anpassung an neue Lebensformen möglich, und was bleibt zwingend im «Status Ballenberg»? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich die Prattler seit längerer Zeit beschäftigt.

Bereits vor zwölf Jahren wurde damit begonnen, einen Teilzonenplan für den Ortskern zu erarbeiten. Die bestehenden Vorschriften – sie stammen aus dem Jahr 1984 – wurden überprüft und sollen an die heutigen Rechtsnormen angepasst werden. Die Hauptziele: Schutz des Ortsbildes, der historischen Bausubstanz und der Aussenräume, dies unter Berücksichtigung einer zeitgemässen Wohnqualität. Gemäss Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz (ISOS) ist der Prattler Ortskern von nationaler Bedeutung.

Abschliessend geregelt

Es ist gerade der Anspruch an eine zeitgemässe Wohnqualität, der bei der Erarbeitung zeitgemässer Vorschriften die wohl grössten Probleme bereitet, wie anlässlich der ersten Lesung zu den neuen Teilzonenvorschriften am Montagabend im Einwohnerrat ersichtlich wurde. Dies verdeutlicht exemplarisch die Forderung, auch in geschützten Ortskernen neuere Technologien wie Solarenergie einzusetzen. Ein bekanntes Problem, vergleichbar mit dem Bau von Windenergieanlagen, die in der Schweiz aufgrund der durchaus nachvollziehbaren Argumente der Naturschützer auf besonderen Widerstand stossen.

Für die Bau- und Planungskommission (BPK) ist klar: Die Frage, ob und in welcher Form Solaranlagen auf Dächern im geschützten Ortskern möglich sind, sei durch die kantonale Gesetzgebung «abschliessend geregelt», wie Kommissionspräsident Alexander Seiler (FDP) betonte. Konkret: Solaranlagen sind nur auf schlecht einsehbaren Dächern zumindest denkbar, de facto also kaum möglich. Deshalb entschied die
BPK mit knappem Mehr auf ein ergänzendes Reglement zu «Solar- und Fotovoltaikanlagen auf dem Dach» zu verzichten. Es mache wenig Sinn, so der Bericht, «Paragrafen ins Reglement zu schreiben, die vom Kanton ohnehin nicht genehmigt werden können», sagte Seiler.

Ein Zeichen setzen

Gegen den vorauseilenden Gehorsam wehrte sich die Fraktion der Unabhängigen und Grünen Pratteln. Benedikt Schmidt stellte den Antrag, die Ergänzung des Reglements zu Solar- und Fotovoltaikanlagen zu belassen. Eine klare Aussage, so Schmidt, die ausdrücke, dass im Prattler Ortskern solche Anlagen möglich sein sollen. Der Einwohnerrat stimmte dem Antrag deutlich zu. Auch wenn dieser Anspruch von Kantonsseite wieder aus den Teilzonenvorschriften gestrichen wird, so verdeutlicht dies doch, dass man gerne eine Lockerung der kantonalen Vorgaben sehen würde. Denn «die Art und Weise, wie der Kanton mit Solar- und Fotovoltaikanlagen in den Ortskernen umgeht, finden wir falsch», sagte Schmidt. Würden keine Zeichen gesetzt, «so wird nie etwas passieren».

Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) verwies darauf, dass der Kanton Baselland hinsichtlich Fotovoltaik einer der liberalsten Kantone sei. Bewilligungen für solche Anlagen brauche es nur in Ortskernen. «93 Prozent aller Baselbieter Dächer sind davon nicht betroffen.» Es wäre viel effizienter, würden auf all diesen Dächern Fotovoltaikanlagen installiert.