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Eine Betroffene zu Rassismus«Polizisten helfen uns mehr als radikale Linksaktivisten»

Alima Diouf aus Senegal setzt sich seit Jahren gegen Rassismus in Basel ein. Weisse Extremisten würden die Schwarzen dabei oft bevormunden, sagt sie.

«Weisse wollen uns Schwarzen vorschreiben, wie wir unseren Kampf zu führen haben.»
«Weisse wollen uns Schwarzen vorschreiben, wie wir unseren Kampf zu führen haben
Foto: Dominik Pluess

Frau Diouf, Sie haben am vergangenen Samstag eine Veranstaltung durchgeführt, bei der Polizisten mit Dunkelhäutigen zusammensassen. Kommt das nach dem Tod von George Floyd und den Demonstrationen der «Black Lives Matter»-Bewegung nicht fast einer Verbrüderung mit dem Feind nahe?

Was nach dem Tod von George Floyd geschah, war heftig. Meine Whatsapp-Chats quollen über von Anekdoten aus der Kolonialzeit und wie wir Schwarze damals gelitten hatten. Die Leute reissen alte Wunden auf. Ich wollte das irgendwann nicht mehr lesen. Wir müssen doch einen Weg finden, wie wir jetzt und heute in Basel gemeinsam leben können.

Viele Dunkelhäutige sehen das anders. 5000 Menschen gingen am 6. Juni in Basel auf die Strasse, um gegen Polizeigewalt und für die Rechte von Schwarzen zu kämpfen.

Ich war zwar nicht dort, aber ich bin mir sicher, die Mehrheit dieser Leute war weiss. So ist es immer. Vor allem die Radikalen unter ihnen haben eine innere Wut, die sie in solchen Momenten ausleben wollen. Sie schüren den Hass gegen die Polizei – auch in unseren Kreisen. Meinen Leuten habe ich gesagt, sie sollen nicht zu dieser Demonstration gehen. Einige von ihnen haben einen illegalen Aufenthaltsstatus. «Während die weissen Aktivisten abends nach der Demonstration zu Hause gemütlich ihren Tee trinken, seid ihr in Ausschaffungshaft», habe ich ihnen gesagt.

Sie organisieren Anlässe mit der Polizei und schützen gleichzeitig Migranten mit illegalem Aufenthaltsstatus. Das ist eine heikle Gratwanderung.

Ich mache nichts Illegales. Ich gehe nicht zu Demonstrationen, bei denen randaliert wird, und verstecke niemanden vor der Polizei. Ausserdem sind wir immer im Gespräch miteinander: Ich habe sogar mit der Basler Polizei vereinbart, dass keine Personen kontrolliert werden in der Gegend, in der wir gerade eine Veranstaltung durchführen.

Wieso diese positive Einstellung gegenüber Polizisten, wo doch Schwarze tatsächlich häufiger kontrolliert werden als der Durchschnitt? Immerhin war das der Grund für das Treffen im Klybeck.

Was bei dieser Diskussion einfach nie gesagt wird, ist: Die Polizei in unseren Ländern, in Senegal zum Beispiel, geht viel härter vor. Hier gibt es einen Aufstand, wenn Frauen auf der Johanniterbrücke kontrolliert werden. Bei uns in Senegal wurden kürzlich demonstrierende Mütter mit Schlagstöcken in Busse getrieben. In Basel sitzen die Polizisten mit uns zusammen, um über Rassismus zu sprechen. Sie helfen uns damit mehr als radikale Linksaktivisten. Diese wollen uns sogar davon abhalten, das Gespräch mit der Polizei zu suchen. Einer von ihnen hat mir im Vorfeld der Veranstaltung vom Samstag eine lange Mail geschrieben, dass das nichts nütze. Daraufhin habe ich ihn ausgeladen. Es ist wieder eine Bevormundung: Weisse wollen uns Schwarzen vorschreiben, wie wir unseren Kampf zu führen haben. Dasselbe Problem habe ich auch mit Beauftragten vom Kanton.

«Jeder Mensch ist ein Rassist.»

Alima Diouf

Wie meinen Sie das?

Früher habe ich bei der Rassismuswoche des Kantons mitgewirkt. 2018 hiess es, wir müssten uns einer anderen Organisation anhängen. Die Idee war plötzlich, dass weisse, studierte Leute vorne auf einem Podium sitzen und wir Schwarzen im Publikum. Da mache ich nicht mit. Diese Menschen sind mir schlicht zu weiss, um bei einem Rassismuspodium oben zu sitzen.

Diese Aussage ist auch rassistisch.

Ja, natürlich. Jeder Mensch ist ein Rassist. Sie sind einer, genauso, wie ich einer bin. Wir wachsen damit auf, es wird uns anerzogen. Es gibt auch Rassismus unter Schwarzen: Wenn ein Senegalese nicht möchte, dass seine Tochter einen Nigerianer heiratet zum Beispiel.

Sie setzen sich seit Jahren gegen Rassismus ein. Was würden Sie sagen, wie stark ist dieser in Basel verbreitet?

In den 26 Jahren, die ich schon in Basel lebe, kann ich mich nicht an einen Monat ohne abwertende Äusserungen erinnern. Sei es im leeren Tram, in dem ich aufgefordert werde, aufzustehen, oder seien es ältere Schweizer, die mir ins Gesicht sagen: «Geh mal nach Hause, du hast hier nichts verloren. Ihr kostet uns nur Geld.» Solche Erlebnisse rauben mir die Energie, manchmal gehen sie mir noch lange nahe.

Womit wäre den Schwarzen aus Ihrer Sicht am besten geholfen?

Die Leute sollen uns unterstützen, zum Beispiel, indem sie an unseren Veranstaltungen teilnehmen und ihre Meinung sagen. Auch Basler Politiker sind sehr willkommen. Je mehr Menschen dabei sind, desto besser. Die Leitung sollte aber bei denen bleiben, die auch wirklich betroffen sind.