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Pleiten, Pech und Pannen im deutschen Tor

Seit der WM 2002 steht der deutsche Goalie unter einem schlechten Stern. Eine Rückblende bis zum aktuellen Fall, der heute Abend im Spiel gegen Portugal äusserst problematisch werden könnte.

Bayerns Torhüter Manuel Neuer riskiert gegen anstürmende Gegner auch schon mal Kopf und Kragen.
Bayerns Torhüter Manuel Neuer riskiert gegen anstürmende Gegner auch schon mal Kopf und Kragen.
Keystone
Im deutschen Pokalendspiel gegen Dortmund verletzte sich Manuel Neuer am rechten Schultergelenk. Bayerns Teamarzt   Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt leistet mit einem Eisspray Erste Hilfe.
Im deutschen Pokalendspiel gegen Dortmund verletzte sich Manuel Neuer am rechten Schultergelenk. Bayerns Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt leistet mit einem Eisspray Erste Hilfe.
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Oliver Kahn, left, injured goal keeper of FC Bayern Munich soccer club, and head coach Ottmar Hitzfeld pictured during a training session in Munich, Thursday, Oct. 31, 2002. FC Bayern Munich failed to qualify for the next rounds of the European Champions League and UEFA cup tournaments after their last Champions League defeat against Deportivo La Coruna, Spain, on Tuesday, Oct. 29, 2002. (AP Photo/Diether Endlicher)
Oliver Kahn, left, injured goal keeper of FC Bayern Munich soccer club, and head coach Ottmar Hitzfeld pictured during a training session in Munich, Thursday, Oct. 31, 2002. FC Bayern Munich failed to qualify for the next rounds of the European Champions League and UEFA cup tournaments after their last Champions League defeat against Deportivo La Coruna, Spain, on Tuesday, Oct. 29, 2002. (AP Photo/Diether Endlicher)
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WM 2002 in Japan und Südkorea: Bayerns damaliger Keeper Oliver Kahn, heute Experte beim ZDF, spielte bis zum Endspiel gegen Brasilien ein absolut fehlerloses Turnier, war mit Abstand der beste Keeper. Doch ausgerechnet im Endspiel gegen Brasilien erlebte der Münchner wohl den schwärzesten Tag seiner grossen Karriere. Er trug bei der 0:2-Niederlage am ersten Gegentreffer die Hauptschuld, liess den Schuss nach vorne abprallen und ermöglichte somit dem legendären Ronaldo das erste seiner beiden Tore zum 5. WM-Titel der Seleção.

WM 2006 in Deutschland: Wieder stand Oliver Kahn im Fokus. Nicht nur für die Experten, sondern auch für die Fans war er die unbestrittene Nummer 1. Doch der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann sah es anders und eröffnete dem erstaunten Bayern-Keeper vor der WM-Vorbereitung, dass er im Turnier auf Jens Lehmann von Arsenal setzen werde, was landauf, landab für Empörung sorgte und Polemiken auslöste.

WM 2010 in Südafrika: Diesmal war der Leverkusener René Adler die unbestrittene Nummer 1. Aber nicht nur bei den Experten und Fans, sondern auch bei Bundestrainer Joachim Löw, der unbedingt mit Adler ins Turnier steigen wollte. Seine Vertreter waren damals Manuel Neuer von Schalke und Tim Wiese von Bremen. Am 4. Mai musste Adler jedoch kurz vor dem Turnier aufgrund einer schwerwiegenden Rippenverletzung das vorzeitige Forfait für die Weltmeisterschaft bekannt geben, worauf Manuel Neuer zur Nummer 1 aufstieg.

WM 2014 in Brasilien: An Manuel Neuer, inzwischen Torhüter bei Bayern München, geht seither kein Weg vorbei. Doch auch ihn ereilte vor der Weltmeisterschaft ein herber gesundheitlicher Rückschlag. Im Pokalendspiel gegen Dortmund verletzte sich der Münchner bei einer riskanten Intervention, als er einen Dortmunder Konter vor dem anstürmenden Lewandowski mit einem Tackling unterband.

Dabei schlitterte Neuer mit der Schulter über den Rasen und zog sich dabei einen Kapseleinriss im rechten Schultergelenk zu. Neuer konnte während dreier Wochen überhaupt kein spezifisches Torwarttraining mehr bestreiten und nahm ein leichtes Balltraining erst jetzt im Vorbereitungscamp der Deutschen in Brasilien wieder auf. Mit der Mannschaft konnte Neuer erst am Mittwoch erstmals wieder trainieren. «Ja, ich bin richtig fit», versicherte der 28-Jährige jetzt nochmals auf Nachfrage der ARD. Vier Wochen und zwei Tage nach seinem Unfall im Pokalfinale in Berlin meldete sich Neuer übrigens erstmals öffentlich für die WM bereit.

Immer wieder waren Zweifel aufgekommen, ob die Zeit tatsächlich reichen würde, den Kapseleinriss im Schultereckgelenk auszuheilen. Bei den beiden letzten WM-Tests gegen Kamerun (2:2) und Armenien (6:1) stand jeweils Dortmunds Roman Weidenfeller im Tor. Bundestrainer Jogi Löw rechnet fest mit dem Einsatz Neuers heute Abend im ersten Gruppenspiel gegen Portugal. Aber ist das Risiko nicht doch zu gross?

«Etwas vom Schlimmsten für einen Goalie»

«Das könnte ein ganz problematischer Fall werden», sagt der ehemalige Gladbach-Goalie Jörg Stiel gegenüber Redaktion Tamedia. Eine Kapselverletzung an der Schulter sei für einen Torwart etwas vom Schlimmsten und äusserst schmerzhaft. Ein Torwart brauche die Schulter eigentlich bei jeder Aktion. «Wenn ein Goalie hechtet, Schüsse blockiert, Flanken herunterpflückt oder dem anstürmenden Gegner in die Füsse stürzt, wird vor allem die Schulter strapaziert und ist einer enormen Belastung ausgesetzt.»

Die Verletzung bei Neuer müsse schwerwiegender Natur gewesen sein. «Sonst hätte er vor einem so wichtigen Turnier wie der Weltmeisterschaft nicht drei Wochen pausieren müssen.» Ein Einsatz Neuers gegen Portugal stelle in jedem Fall ein Risiko dar. «Es ist nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Ronaldo mit seinem Punch auf Neuer loszieht und dieser Kopf und Kragen riskieren müsste. Es könnte schon sehr viel passieren und möglicherweise das endgültige Aus für ihn bedeuten. Dann hätte Löw ein echtes Problem.»

«Wenn im Hinterkopf die Angst mitspielt»

Der ehemalige Captain der Schweizer Nationalmannschaft sagt auch, dass die Schulterverletzung für Neuer vor allem auch ein psychologisches Problem darstelle. «Wenn in seinem Hinterkopf immer noch die Angst mitspielt, dann wäre das fatal. Ich jedenfalls bin eher skeptisch, was ein Einsatz Neuers gegen Portugal betrifft.»

Die Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie der deutschen WM-Keeper seit 2002 wird dadurch abgerundet, dass René Adler vor der WM mit guten Leistungen beim HSV wieder auf sich aufmerksam machte und prompt wieder von Jogi Löw ins Kader berufen wurde. Doch eine Rückenverletzung warf ihn erneut empfindlich zurück, worauf er in ein Formtief stürzte und deshalb auch für diese WM wieder aus den Traktanden fiel.

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