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Neues Quartier in PrattelnPlatz für 1000 neue Einwohner


Pratteln möchte kräftig wachsen. Der Basler Arealentwickler Hiag will auf dem ehemaligen Rohner-Areal 400 Wohnungen bauen und 600 Arbeitsplätze schaffen.

Die ehemalige Chemiefabrik Rohner in Pratteln sorgte in der Vergangenheit für mehrere Havarien. Jetzt steht eine Umgestaltung des Areals im Vordergrund.
Die ehemalige Chemiefabrik Rohner in Pratteln sorgte in der Vergangenheit für mehrere Havarien. Jetzt steht eine Umgestaltung des Areals im Vordergrund.
Foto: zvg

«Wir sind chemiefrei», sagt Marco Feusi, CEO des Basler Arealentwicklers Hiag, stolz. Bei den Rückbauarbeiten auf dem ehemaligen Rohner-Areal sei ein erster Meilenstein erreicht worden. 600 Seiten dick ist das Gesamtkonzept, welches die Chemiefreimachung und den Rückbau der Gebäude dokumentiert und vom Amt für Umweltschutz und Energie im Frühjahr gutgeheissen wurde.

Inzwischen haben die Baselbieter Behörden Hiag offiziell bestätigt, dass das Areal chemiefrei ist und die Hiag aus den Pflichten der Störfallverordnung entlassen wurde. «Wir hatten eine Vielzahl von chemischen Stoffen auf dem Areal», bestätigt Feusi. Nach dem Abbruch der Gebäude muss lediglich noch das Vorgehen bezüglich der Altlastenthematik im Boden mit den Behörden festgelegt werden. Nicht mehr benötigte Anlagen werden – falls möglich – verkauft.

Schlechtes Geschäft

Für die Chemiefreimachung und die Rückbaukosten wurden bei der Hiag Ende 2019 Rückstellungen von 30 Millionen Franken gebildet. Die operativen Nettokosten verschlingen weitere 5 Millionen. Noch immer beschäftigt der Basler Arealentwickler 15 frühere Mitarbeiter der Chemiefirma, die sich um den Gebäudekomplex kümmern. Geld kostet aber auch die Energieversorgung mit Gas und Strom.

Hiag hatte 2018 das Areal für schätzungsweise 40 Millionen Franken gekauft und mit dem früheren Besitzer einen 15-jährigen Mietvertrag abgeschlossen. Bereits ein Jahr später erfolgte aber der Konkurs der skandalträchtigen Firma, und aus dem guten Geschäft für Hiag wurde ein grosser Verlust.

Hiag möchte nun zügig die Arealentwicklung vorantreiben. Ursprünglich war angedacht, die Neunutzung des Areals während des Mietverhältnisses langsam zu entwickeln, der Rückbau der Anlagen sollte dann durch den Mieter erfolgen. Daraus wurde aber nichts.

In diesem Jahr hat ein Studienwettbewerb mit acht Teams in einem zweistufigen Verfahren stattgefunden. Im September wurde juriert. Der Schlussbericht liegt vor. Anfang des nächsten Jahres soll erstmals gezeigt werden, was auf dem Rohner-Areal entstehen soll.

Geplant ist gemäss Feusi kein klassisches grossformatiges städtebauliches Muster, sondern ein eher kleinteiliges mit unterschiedlichen Freiräumen. «Wir spielen zudem mit den Massstabssprüngen der ehemaligen industriellen Kleinbauten aus der Jahrhundertwende sowie mit den grösseren Bauten wie dem ersten Hochhaus in Pratteln von 1972», sagt Feusi.

Lärmschutz und gefährliche Transporte

Der Hiag-CEO schwärmt von der guten Lage des Areals unweit des Bahnhofs sowie der Tramlinie an der Baslerstrasse. Der Wohnanteil soll bei rund 70 Prozent liegen. Bis zu 1000 neue Einwohner könnte Pratteln dadurch erhalten. Der relativ hohe Gewerbeanteil wird vor allem entlang der Bahngleise sowie auf die Erdgeschosse konzentriert werden, was den Schluss zulässt, dass auch Gewerbebetriebe, Dienstleister und Raum für Kulturangebote geschaffen werden. Hinzu kommen Freiräume für die Öffentlichkeit mit hochwertigen Bepflanzungen sowie eine Anbindung zur angrenzen Spiel- und Sportwiese Hexmatt. Feusi spricht von einer Parkanlage, die nicht unterkellert wird.

Bereits im zweiten Quartal 2021 soll ein Richtprojekt vorliegen und dann circa ein Jahr später die Eingabe bei den Behörden für den Quartierplan erfolgen.

Da es sich nicht um eine Einzonung handelt, das Areal befindet sich aktuell in der Industriezone, muss aus raumplanerischen Gründen auch keine Auszonung im Ort erfolgen, wie der für die Raumplanung zuständige Bereichsleiter Martin Classen bestätigt. Gefordert sein werde Hiag aber bezüglich Lärmimmissionen sowie der Sicherheit, da Gefahrenguttransporte auf der nahen Bahnlinie erfolgten.

4 Kommentare
    Jonas Runser

    "Hiag hatte 2018 das Areal für schätzungsweise 40 Millionen Franken gekauft und mit dem früheren Besitzer einen 15-jährigen Mietvertrag abgeschlossen. Bereits ein Jahr später erfolgte aber der Konkurs der skandalträchtigen Firma, und aus dem guten Geschäft für Hiag wurde ein grosser Verlust."

    Kurz zusammengefasst: Der Eigentümer hat offensichtlich gemerkt, dass die Firma nicht mehr überlebensfähig ist, dann rasch noch das Familiensilber (Areal) der Firma verkauft, das Geld in den eigenen Sack gesteckt - und die Firma dann in den Konkurs laufen lassen.

    Frage: Weshalb wird hier eigentlich nicht wegen Verdacht auf betrügerischen Konkurs ermittelt?