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Weltbekannter FallPionierin des US-Abtreibungsurteils liess sich von Gegnern bezahlen

In einem neuen Dokumentarfilm gesteht die Protagonistin des berühmten US-Abtreibungsurteils Roe v. Wade, sie sei später gegen Geld als Abtreibungsgegnerin aufgetreten. «Es war alles eine Show», so Norma McCorvey.

Norma McCorvey, eine Frau mit einem problematischen Leben, in der Dokumentation «AKA Jane Roe».
Norma McCorvey, eine Frau mit einem problematischen Leben, in der Dokumentation «AKA Jane Roe».
Foto: Keystone/FX via AP

Sie war die unbekannte junge Amerikanerin, die 1973 gegen das Abtreibungsverbot im Staat Texas klagte. Ihr Fall, weltbekannt als «Roe v. Wade», landete vor dem obersten Bundesgericht in Washington, mit sieben zu zwei Stimmen urteilte das Verfassungsgericht zu Gunsten der Abtreibungsfreiheit in den Vereinigten Staaten. Bis heute polarisiert dieses Urteil, vor allem konservative evangelikale Christen fordern eine Umkehr.

Die Klägerin offenbarte sich später als Norma McCorvey, eine Frau mit einem problematischen Leben. Als Mädchen war sie misshandelt, als schwule junge Frau ausgegrenzt worden. Trat sie Jahre nach dem Urteil zunächst als Befürworterin der Abtreibungsfreiheit an die Öffentlichkeit, so wandelte sich McCorvey anfangs der neunziger Jahre zu einer Abtreibungsgegnerin.

Nun enthüllt ein Dokumentarfilm des Regisseurs Nick Sweeney, der am Freitag von den TV-Sendern Hulu und FX ausgestrahlt wird, dass McCorvey von zwei evangelikalen Pastoren bezahlt wurde, um gegen die Abtreibungsfreiheit zu agitieren. «Es war alles eine Show», so McCorvey, die ihre Aussagen in dem Film als «Geständnis auf dem Sterbebett» bezeichnet. Sie starb 2017 an Herzversagen.

Pastoren sind geständig

Auf die Frage, ob sie «eine Trophäe» für evangelikale Abtreibungsgegner gewesen sei, antwortet McCorvey: «Natürlich, ich war ja ein grosser Fisch, ich habe ihr Geld genommen, und sie haben mich vor die Kameras gestellt und mir beigebracht, was ich sagen soll». Sie sei «eine gute Schauspielerin gewesen», jetzt aber sage sie «die Wahrheit».

Nicht nur fand Sweeney Belege für mehr als 450’000 Dollar an Geld- und sonstigen Geschenken. McCorvey sei «eine Zielscheibe» gewesen, weil sie «bedürftig» gewesen sei, gesteht Rob Schenck, einer der beiden Pastoren, die mit McCorvey arbeiteten, dem Dokumentarfilmer. Dies hätten er und Pastor Flip Benham, der jahrelang die radikale Anti-Abtreibungsorganisation Operation Rescue leitete, für ihre Zwecke ausgenutzt.

«Ich war mir bewusst, was wir gemacht haben, und manchmal dachte ich, sie hätte es auch gewusst», erklärt Schenck. Er habe sich sogar überlegt, ob er und Benham von McCorvey manipuliert worden seien. Schenck versteht sich noch immer als Evangelikaler. Aber er sei kritischer geworden gegenüber der evangelikalen Gemeinschaft. Wenn Roe v. Wade kassiert und die Abtreibungsfreiheit in den USA aufgehoben würde, «wäre das Resultat Chaos und Schmerz». Und dies sollte Frauen «nicht aufgebürdet werden», sagt Schenck dem Filmemacher.

Auch McCorvey befürwortete vor ihrem Tod die Abtreibungsfreiheit: «Wenn eine junge Frau eine Abtreibung haben will, ist das in Ordnung, das geht mich nichts an», sagte sie Sweeney.

9 Kommentare
    Meinrad Inglin

    Wenn sich die gute Frau schon einmal für schnödes Geld als Aushängeschild instrumentalisieren liess: Wer sagt, dass sie dies hier nicht noch einmal mit dem Gegenteil macht? Sie erzählt ihre Geschichten als vorgebliche Zeugin all denen, die sie dafür bezahlen. Einmal so, einmal anders: Hauptsache, das Geld stimmt!

    Eitelkeit, Geltungsssucht und Geld sind äusserst starke Motivatoren!

    "Ich habe ihr Geld genommen, und sie haben mich vor die Kameras gestellt und mir beigebracht, was ich sagen soll». Jetzt macht sie dasselbe noch einmal. Und kassiert für die selbe Geschichte doppelt. Glaubwürdigkeit geht anders.