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Moment mal«Pinguin» und das Güggel-Gezanke zu Gempen

Im ruralen Gempen sorgt ein Güggel für Streit in der Nachbarschaft. Weil er kräht.

«Pinguin» (unten rechts) sorgt für Konflikte in der Nachbarschaft.
«Pinguin» (unten rechts) sorgt für Konflikte in der Nachbarschaft.
Foto: Nicole Pont 

Das ländlich-malerische Dorf Gempen im Schwarzbubenland ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region, sowohl zum Wandern, Biken und Einkehren als auch für die fantastische Aussicht vom Gempenturm auf dem weitherum sichtbaren Scharten, dem «Gempenstollen», wie er im Volksmund heisst.

Jüngst erreichte unsere Redaktion aber eine Nachricht, die zeigt, dass die Idylle auch trügen kann. Die Rede war von einem Güggel, der mit seinem Dauerkrähen die Nachbarschaft terrorisiere. Er leide unter Stress; er müsse mit vielen Hennen und Küken auf zu engem Raum unter einem Trampolin hausen, auf dem Kinder sprängen, und fühle sich einsam, wenn keine Menschen bei ihm sind. Sogar ein Friedensrichter habe eingreifen müssen. Klingt nach einer womöglich krassen Geringschätzung des Tierwohls, die nicht hinnehmbar ist und einer kritischen Berichterstattung bedarf.

Nach einem kleinen Ausflug mit dem Postauto in Gempen angekommen, trafen wir das Volk von Holländischen Zwerghühnern, eine als aktiv und quirlig geltende Rasse, im Garten hinter einem alten Haus im Dorfkern an. Tatsächlich wohnen die gepflegt wirkenden Tiere unter einem Trampolin. Dieses dient ihnen jedoch nur als überdachtes Aussengehege. Um sich zurückzuziehen, können sie jederzeit in ihrem angrenzenden Hühnerstall verschwinden. Mit Schildern am Gartenzaun, der das Grundstück von öffentlichen Parkplätzen trennt und hinter dem das Gehege steht, werden die Autofahrer gebeten, nicht rückwärts zu parkieren, um die bodenorientierten Vögel nicht mit Abgasen zu belasten. Und ja, Güggel Pinguinso sein Name aufgrund seines eleganten schwarz-weissen Gefieders krähte hin und wieder. Er zeigte sich sofort interessiert ob unserer Visite an seinem Domizil und machte einen entspannten Eindruck. Das Gehege war sauber und für unsere Begriffe artgerecht gestaltet.

Erhitzte Gemüter

Die Kinder der Besitzerfamilie dürften auf dem Trampolin nicht springen, wird uns auf Anfrage versichert. Der Familienvater erzählt von einem schon lange anhaltenden Konflikt mit einer vom Krähen des Güggels gestörten Nachbarin, die unter dem Vorwand von Verstössen gegen die Tierschutzbestimmungen das Veterinäramt gerufen habe. Die Spezialisten hätten vor Ort jedoch keine Verstösse festgestellt und lediglich eine Empfehlung ausgesprochen, man könne das Gehege noch vergrössern. Dies sei bald darauf auch umgesetzt worden. In Absprache mit der Nachbarin würden die Hühner zudem erst um 7 Uhr morgens aus dem Stall gelassen, sagt der Mann.

Güggel krähen in erster Linie, um ihr Revier zu markieren und um den Weibchen und anderen Gockeln zu imponieren. «Sind mehrere Güggel in einer Nachbarschaft, können sich diese auch antworten», bestätigt Irène Wernli, Präsidentin der Abteilung Geflügel des Vereins Kleintierzüchter beider Basel. Auch in Pinguins akustischer Reichweite gibt es landwirtschaftliche Betriebe oder Privathaushalte mit Hühnervölkern.

Selbst Gemeindepräsidentin Eleonora Grimbichler ist der Angelegenheit kundig, wollte sich diesbezüglich aber nicht äussern und wohl eine weitere Eskalation der Posse verhindern. Eine weitere Anwohnerin sieht die Angelegenheit mit Pinguin indes gelassen: «Wir hören ihn schon, aber er stört uns nicht. Wir leben schliesslich auf dem Land. Ein krähender Güggel gehört genauso zu einem Dorf wie Kirchengeläut.»