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Quarantäne missachtet«Partygäste riskieren mit ihrer egoistischen Haltung lokale Lockdowns»

Vier Kantone schränken die Besucherzahlen an Veranstaltungen wieder ein, weil Einzelne sich nicht an die Regeln hielten. Die Kantone geben den Gästen Schuld am Party-Rückzieher.

Einem Gast wird vor Einlass in einen Club in Lausanne durch einen Sicherheitsmitarbeiter die Temperatur gemessen.
Einem Gast wird vor Einlass in einen Club in Lausanne durch einen Sicherheitsmitarbeiter die Temperatur gemessen.
Foto:  Jean-Christophe Bott/Keystone

In den beiden Basel, im Aargau und in Solothurn sind ab heute Veranstaltungen nur noch mit 100 Personen möglich, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann und keine Maskenpflicht gilt. Ob weitere Kantone nachziehen werden, ist noch nicht bekannt. Sowohl in Zürich als auch in Bern und St. Gallen heisst es auf Anfrage bei Clubbetreibern, die Situation werde laufend überprüft und Massnahmen würden umgesetzt, sollte dies erforderlich sein.

Laut Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt ist «Basel-Stadt das Partyzentrum der Nordwestschweiz.» Die Clubs seien zwar gewillt, die Schutzkonzepte umzusetzen, das Verhalten einiger Besucherinnen und Besucher machten es aber nötig, wieder engere Grenzen zu setzen, so die Leiterin der Abteilung Kommunikation.

Tschudin verweist auf einzelne Clubbesucher, die falsche Kontaktangaben angäben und damit ihre eigene Gesundheit wie auch diejenige anderer gefährdeten. «Der Name stimmt zwar, Adresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer sind aber falsch, damit sie im Fall einer Ansteckung im Club für das Contact-Tracing nicht kontaktiert werden können. Unsere Bemühungen, die gesamte Bevölkerung zu schützen, werden so zunichte gemacht – für einige Stunden Spass von Einzelnen», sagte Tschudin gegenüber dem Onlineportal «20 Minuten».

Bar in Grenchen vorübergehend geschlossen

Welche Konsequenzen ein falsches Verhalten hat, zeigt ein Fall aus dem solothurnischen Grenchen. Eine positiv auf das Coronavirus getestete Person hatte die angeordnete Isolation missachtet und zwei Veranstaltungen im Raum Grenchen besucht. Der Kantonsarzt schickte deshalb am Donnerstagabend rund 280 Menschen in Quarantäne.

Die Person, die nun mit der Anwesenheit in der Baracoa Bar ihre Quarantäne missachtete, war an einer der Veranstaltungen präsent. Sie wurde erneut unter Quarantäne gestellt. Die Behörden prüfen rechtliche Schritte gegen die Person.

«Wir stehen vor einer gesellschaftlichen Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern können.»

Marcel Tanner, Professor für Epidemiologie der Universität Basel

In der Region Basel haben erste Clubs bereits angedeutet, wieder zu schliessen, da es sich mit 100 Personen nicht lohne, aufzumachen. Aber für die Clubbetreiber besteht auch die Gefahr, dass sie für das Fehlverhalten ihrer Gäste haftbar gemacht werden können.

Epidemiologie begrüsst Entscheid der Kantone

In einer Krise könne man nicht auf individuellen Freiheiten bestehen: «Wir stehen vor einer gesellschaftlichen Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern können, wenn sich alle am Riemen reissen», sagt Marcel Tanner. Tanner ist emeritierter Professor für Epidemiologie und medizinische Parasitologie der Universität Basel.

Am Ende würden die Veranstalter darunter leiden, wenn sich Besucher blöde Scherze erlaubten: «Sie sind verantwortlich dafür, dass Schutzkonzepte eingehalten werden und das Contact-Tracing im Falle einer Infektion möglich ist. Andernfalls können sie haftbar gemacht werden.»

Tanner begrüsst den Entscheid der vier Kantone: «Er zeigt, dass die Kantone ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht einfach nur stur den Richtlinien des Bundes folgen.» Klar ist für Tanner: «Es braucht jetzt alle. Wenn sich einzelne nicht an die Regeln halten, falsche Kontaktangaben machen oder mit Symptomen an Partys gehen, riskieren sie mit ihrer egoistischen Haltung lokale Lockdowns.»

sda/red