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«Zu keiner Zeit habe ich mich schuldig gefühlt»

Der Zugbegleiter, der mit dem Lokführer telefoniert hatte, kurz bevor sein Zug bei Santiago de Compostela verunfallte, hat jegliche Mitverantwortung zurückgewiesen. Der Lokführer ignorierte mehrere Warnungen.

Blätterte offenbar auch in einem Plan: Der Lokführer Jose Garzon Amo wird aus dem Gerichtsgebäude gebracht. (28. Juli 2013)
Blätterte offenbar auch in einem Plan: Der Lokführer Jose Garzon Amo wird aus dem Gerichtsgebäude gebracht. (28. Juli 2013)
Keystone
Wird ins Gericht gefahren: Zugführer José Garzón Amo. (28. Juli 2013)
Wird ins Gericht gefahren: Zugführer José Garzón Amo. (28. Juli 2013)
AFP
Der Zug war von Madrid nach Ferrol unterwegs: Der Unglücksort bei Santiago de Compostela. (24. Juli 2013)
Der Zug war von Madrid nach Ferrol unterwegs: Der Unglücksort bei Santiago de Compostela. (24. Juli 2013)
EPA/Oscar Corral
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Nach dem verheerenden Zugunglück mit 79 Toten im spanischen Santiago de Compostela hat der Zugbegleiter jegliche Mitverantwortung zurückgewiesen. «Zu keiner Zeit habe ich mich schuldig gefühlt», sagte er am Freitag bei der Ankunft vor dem Regionalgericht in Galicien, wo er als Zeuge gehört werden sollte.

Zuvor war bekanntgeworden, dass er den Lokführer wenige Minuten vor dem Unglück angerufen hatte. Gemäss Black Box war das Gespräch aber elf Sekunden vor der Entgleisung des Zuges beendet. «Wie ich schon gesagt habe: Als der Zug entgleiste, steckte mein Handy wieder in der Hosentasche», sagte auch der Zugbegleiter bei Ankunft vor Gericht. Nach seinen Worten geht es ihm körperlich «ganz gut», psychisch aber fühle er sich angeschlagen.

Nach Angaben des Gerichts drehte sich das Gespräch zwischen Kondukteur und Lokführer um die Frage, auf welchem Gleis der Zug in den Bahnhof Pontedeume einfahren solle. Ermittlungsrichter Luis Alaez hatte bereits am Donnerstag deutlich gemacht, dass er den Zugbegleiter nur als Zeugen hören wolle. Aus dem Telefonat allein lasse sich keinerlei strafrechtlich relevante «Unvorsichtigkeit» ableiten, auch wenn der Zeitpunkt «unglücklich» gewesen sei.

Drei automatische Warnungen

Die Auswertung des Fahrtenschreibers hat ergeben, dass der Lokführer des verunglückten Zugs trotz dreier automatischer Warnungen innerhalb von zwei Minuten sein überhöhtes Tempo nicht reduziert hat. Als das erste Signal ertönte, habe der Lokführer telefoniert, wie die Ermittler heute berichteten.

Den Aufzeichnungen zufolge fuhr der Zug 250 Meter vor dem Unfallort in einer engen Kurve 195 Stundenkilometer schnell, obwohl dort nur Tempo 80 erlaubt war. Bei dem Crash kamen 79 Menschen ums Leben.

Telefonat mit dem Kontrolleur

Der wegen fahrlässiger Tötung beschuldigte Lokführer Francisco José Garzón Amo hat bereits Mitte der Woche zugegeben, dass er mit einem der Ticket-Kontrolleure an Bord telefoniert hat. Bei dem Anruf zwei Minuten vor dem Unglück, habe er mit dem Ticketkontrolleur darüber gesprochen, welchen Bahnsteig er anfahren solle, sagte der 52-Jährige vor Gericht. Erst wenige Sekunden bevor der Zug entgleiste, habe er aufgelegt, sagte Garzón demnach.

Im Hintergrund des aufgezeichneten Gesprächs war zudem das Rascheln von Papier zu hören, was darauf hindeute, dass der Lokführer in einem Plan oder anderen Unterlagen geblättert habe, sagte eine Gerichtssprecherin.

AP/sda/rub

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