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Zieheltern wollen blondes Roma-Mädchen zurückhaben

Ihnen wird Kinderraub vorgeworfen und sie befinden sich in U-Haft. Nun kämpft das griechische Roma-Paar um das Sorgerecht der kleinen Maria.

Ihre Geschichte bewegt und erhitzt die Gemüter auf allen Seiten: Das Mädchen Maria.
Ihre Geschichte bewegt und erhitzt die Gemüter auf allen Seiten: Das Mädchen Maria.
Interpol, AFP
Elternschaft bestätigt: Die Mutter von Maria. (24. Oktober 2013)
Elternschaft bestätigt: Die Mutter von Maria. (24. Oktober 2013)
BGNES, AFP
Fühlen sich diffamiert: Die Bewohner der Romasiedlung in Farsala. (19. Oktober 2013)
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Sakis Mitrolidis, AFP
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Nach der Klärung der Herkunft des blonden Roma-Mädchens Maria in Griechenland wollen die Zieheltern das Kind zurückhaben. Ihre Anwältin sagte gestern, das zu Unrecht der Kindesentführung beschuldigte Roma-Paar wolle zudem seine Entlassung aus der Untersuchungshaft erreichen. Aber auch Marias leibliche Eltern in Bulgarien wünschen sich mittlerweile ihr Kind zurück.

Die griechische Anwältin Marietta Palavra sagte, ihre Mandanten wollten das Kind wieder haben. «Sie sind diejenigen, die es aufgezogen haben, und die es lieben», fügte sie hinzu. Das Roma-Paar verlange ausserdem seine Freilassung aus der U-Haft. «Meine Mandanten werden Beschwerde gegen ihre Festnahme einlegen», kündigte die Anwältin an.

Des Kinderraubs bezichtigt

Die Polizei hatte das kleine Mädchen am 16. Oktober bei einer Razzia in einem Roma-Lager nahe der zentralgriechischen Stadt Farsala aufgegriffen. Weil es mit seiner hellen Haut, blassblauen Augen und blonden Haaren seinen dunkelhäutigen Zieheltern nicht ähnlich sah, bezichtigten die Beamten diese des Kindesraubs.

DNA-Tests ergaben nun, dass Marias leibliche Eltern bulgarische Roma sind. Fünf ihrer anderen neun Kinder sind ebenfalls blond und sehen Maria ähnlich. In der Familie von Marias Vater kämen Albino-Gene vor, erklärten bulgarische Ärzte. Dies erkläre die helle Haut und das blonde Haar des Mädchens.

Maria soll nicht verkauft worden sein

Marias leibliche Mutter, Sascha Rusewa, gab an, Maria nicht an die Zieheltern verkauft zu haben. Sie habe 2009 ihre damals sieben Monate alte Tochter aus schierer Not in Griechenland zurückgelassen, weil sie gültige Papiere für ihr Baby benötigt, dafür aber kein Geld gehabt habe. Eines Tages habe sie ihr Kind zurückholen wollen.

Sascha Rusewa und ihr Mann Atanas Rusew haben unterdessen das Roma-Lager Nikolajewo nahe der zentralbulgarischen Stadt Gurkowo verlassen. Seit Freitag sind sie zusammen mit drei ihrer Kinder untergetaucht. Die bulgarischen Behörden verdächtigen sie, ihr Kind verkauft zu haben.

Behörden entscheiden über drei Möglichkeiten

Die Zieheltern hätten «von Anfang an» angegeben, das Kind von einer Bulgarin übernommen zu haben, sagte ihre Anwältin. Sie hätten Rusewa als die Frau erkannt, die ihnen das Kind überlassen habe. Geld sei dabei nicht geflossen.

Die griechischen Behörden müssen nun entscheiden, ob Maria nach Bulgarien geschickt wird, zu ihren griechischen Zieheltern zurückkehrt oder zur Adoption freigegeben wird.

Der Leiter der griechischen Kinderhilfsorganisation, bei der Maria jetzt untergebracht ist, rechnet damit, dass sie in eine Pflegefamilie kommt. Seine Organisation Kinderlächeln habe etliche Hinweise erhalten, wonach Maria für ihre Zieheltern betteln gehen musste, sagte Konstantinos Giannopoulos der Zeitung «Welt am Sonntag».

AFP

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