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Wie sich die Drogenmärkte in Europa verändern

Europäische Drogenfahnder stehen vor neuen Problemen: Ein EU-Bericht zeigt auf, dass sich Angebot und Nachfrage stark wandeln. Gleichzeitig erweisen sich die Akteure im Drogenmarkt als innovativ.

Stabiler und allgegenwärtiger Cannabismarkt: Eine Indoor-Hanfanlage in Graubünden. (Archivbild)
Stabiler und allgegenwärtiger Cannabismarkt: Eine Indoor-Hanfanlage in Graubünden. (Archivbild)
Keystone

Neue Drogen, wechselnde Schmuggelrouten, grenzübergreifende Zusammenarbeit: Die Drogenkriminalität in Europa stellte die Fahnder einem EU-Bericht zufolge vor immer neue Probleme. Der moderne europäische Markt für Drogen ist stärker vernetzt und breitet sich weiter aus. «Es handelt sich um einen der komplexesten kriminellen Vorgänge der heutigen Zeit», sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström heute in Brüssel bei der Vorstellung des Berichts.

Europol und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hatten erstmals eine gemeinsame Analyse der Drogenmärkte in der EU erstellt. Ihr Fazit: «Angebot und Nachfrage bei illegalen Drogen läuten eine neue bedeutende Epoche in Europa ein und stellen die derzeitigen Strategien und Vorgehensweisen auf die Probe.» Die Rede ist von einem zunehmend globalen, dynamischen und innovativen Markt. Grundsätzlich seien die Drogenhändler nicht mehr auf den Schmuggel und Handel über festgelegte Routen mit einer Droge spezialisiert, sondern würden immer flexibler. Die EU-Innenkommissarin sagt zudem, organisierte Gruppen würden mittlerweile eher mit vielen Substanzen gleichzeitig handeln und sich für den Handel häufiger zusammenschliessen.

Der Bericht zeichnet die wichtigsten Entwicklungen im modernen europäischen Drogenmarkt nach und kommt dabei zu folgenden Schlüssen:

  • Schmuggelrouten: Drogen werden heute durch mehrere Transitstationen und über komplexe Kanäle geschmuggelt. Dabei nimmt der Transport über legale Wege zu: «Wir haben festgestellt, dass immer mehr legale kommerzielle Transportmöglichkeiten wie Container, Flugzeuge sowie Kurier- und Postdienste genutzt werden», sagte Europol-Direktor Rob Wainwright. So könnten Drogen schwerer abgefangen werden.
  • Internet: Das Internet spielt eine wichtige Rolle bei der Vermarktung und dem Verkauf von Drogen. Auf diese Weise verbreiteten sich auch neue Trends schnell – und die Kommunikation sowie der Zugang zu Expertise und Logistik werde vereinfacht, heisst es in dem Bericht.
  • Neue Drogenmärkte:In Afrika, Asien und Lateinamerika nimmt die inländische Nachfrage nach Drogen zu. Das wirkt sich auf den Drogenfluss nach und aus Europa aus.
  • EU als Produktionsregion: Die EU ist eine wichtige Quelle von Drogenexpertise und ein wichtiger Produzent von synthetischen Drogen sowie von Cannabis.
  • Innovationen:Neue Technologien beeinflussen den Drogenmarkt, vor allem die Produktion sowie die Herstellung und die Vermarktung von neuen psychoaktiven Substanzen.
  • Veränderung des Heroinproblems: Die Droge bleibt zwar wichtig, aber sowohl Angebot als auch Nachfrage haben abgenommen. Langfristig dürfte das zu einem Einbruch dieses Markts führen, folgern die Autoren des Berichts.
  • Kokain und synthetische Drogen auf dem Vormarsch: Sowohl auf Nachfrage- wie auf Angebotsseite sind diese Drogen relevanter geworden. Konsumenten nehmen dabei oftmals mehrere verschiedene Substanzen.
  • Neue Drogen:Neue Substanzen und Drogen, die zuvor nicht weit verbreitet konsumiert wurden, werden wichtiger und attraktiv für neue Konsumenten. Beispiele: neue cannabinoide Substanzen, Cathinone, Ketamine und Metamphetamine.
  • Stabiler und allgegenwärtiger Cannabismarkt:Nach Cannabis besteht nach wie vor eine hohe Nachfrage. In diesem Bereich gibt es eine Vielzahl verschiedener Produkte, Produzenten und Herkunftsorte. Die Produktion innerhalb der EU wird immer wichtiger und ist mit zunehmender Kriminalität verbunden.

Der Bericht hält resümierend fest, dass die Bemühungen einzelner Staaten im Kampf gegen die Drogenkriminalität nicht ausreichten, sondern ein gemeinames Vorgehen nötig sei.

SDA/rbi

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