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Wärter von «El Chapo» stellten sich taub

Die Nachlässigkeit der Justizbeamten kam dem mexikanischen Drogenboss Joaquín Guzmán bei der Flucht zugute: Sie ignorierten Hammer- und Bohrlärm.

Ein Hinweis führte die Polizei zum Versteck des Drogenbosses: Mexikanischer Marine-Soldat sichert nach der Festnahme von Guzmán einen Kanal. (8. Januar 2016)
Ein Hinweis führte die Polizei zum Versteck des Drogenbosses: Mexikanischer Marine-Soldat sichert nach der Festnahme von Guzmán einen Kanal. (8. Januar 2016)
Keystone
Bei der Festnahme im mexikanischen Los Mochis, Sinaloa, sei ein Soldat verletzt worden. Die Soldaten selber hätten fünf Personen getötet und sechs festgenommen. (8. Januar 2016)
Bei der Festnahme im mexikanischen Los Mochis, Sinaloa, sei ein Soldat verletzt worden. Die Soldaten selber hätten fünf Personen getötet und sechs festgenommen. (8. Januar 2016)
Keystone
Als sie «El Chapo» schnappen konnten: Sicherheitskräfte des mexikanischen Militärs eskortieren den verhafteten Joaquín Guzmán in einem Navy-Hangar in Mexico City. (22. Februar 2014)
Als sie «El Chapo» schnappen konnten: Sicherheitskräfte des mexikanischen Militärs eskortieren den verhafteten Joaquín Guzmán in einem Navy-Hangar in Mexico City. (22. Februar 2014)
EPA/Mario Guzman
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Ein Klopfgeräusch, kurz danach ist Joaquìn «El Chapo» Guzmán aus seiner Gefängniszelle verschwunden: Ein mexikanischer Fernsehsender hat am Mittwoch bislang unbekannte Video- und Tonaufnahmen von der Flucht des Drogenbosses aus einem Hochsicherheitsgefängnis veröffentlicht.

Die dem Sender Televisa zugespielten Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen die Momente vor und nach der Flucht am 11. Juli. Sie belegen, wie spät und zögerlich die Wachleute nach dem Verschwinden Guzmáns reagiert haben. Es ist das erste Mal, dass auch Tonaufnahmen zu dem Vorfall veröffentlicht wurden. Zu sehen ist, wie der 58-jährige Guzmán auf dem Bett in seiner Zelle liegt und Fernsehen schaut.

(Video: Youtube/Anonymous Noticias)

Plötzlich ertönt ein lautes Klopfen. Der Chef des Sinaloa-Drogenkartells steht auf, geht zu seiner Dusche, beugt sich hinter einer Wand herunter und verschwindet um 20.52 Uhr von der Bildfläche. Obwohl im Kontrollraum ein halbes Dutzend Wachleute Bilder von Überwachungskameras beobachten, geht erst 26 Minuten später, um 21.18 Uhr, ein Wärter zu Guzmáns Zelle und ruft von aussen dessen Namen.

Später ist ein Wachmann zu hören, der zu seinem Vorgesetzten spricht, während er in die Zelle späht. «Da ist ein Loch in der Dusche», sagt er. «Aber der Insasse ist nicht da?» fragt der Vorgesetzte. «Nein, Chef, ist er nicht.» Erst um 21.29 Uhr öffnen Wächter die Gefängniszelle. Einer von ihnen kriecht in das Loch und sagt dann, dass der Tunnel ein Stück weiter verschlossen sei.

Mexikanische Regierung in Erklärungsnot

Die Flucht des Drogenbosses aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano hatte die mexikanische Regierung in grosse Erklärungsnot gebracht. Guzmán war durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel geflohen, der seine Zelle mit einem Haus verband. Durch den Tunnel führte ein eigens gebautes Motorrad auf Schienen. Der mächtige Drogenboss war den Behörden erst 2014 nach einer 13-jährigen Fahndung ins Netz gegangen. Bereits 2001 war «El Chapo» aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen – in einem Wäschewagen.

Nach der Flucht im Juli nahmen die Behörden 13 Verdächtige fest, darunter mehrere Wachleute und Verantwortliche des Gefängnisses sowie die damalige Leiterin der mexikanischen Gefängnisverwaltung.

AFP/chk

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