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Verspätungen im Zugverkehr nach Deutschland

Ein Warnstreik der Lokführer hat den Zugverkehr in ganz Deutschland fast komplett lahmgelegt. Auch die Verbindungen mit der Schweiz sind betroffen.

Zum zweiten Mal wirbelt ein Streik diese Woche die Fahrpläne der DB durcheinander: Gleise in Frankfurt. (6. September 2014)
Zum zweiten Mal wirbelt ein Streik diese Woche die Fahrpläne der DB durcheinander: Gleise in Frankfurt. (6. September 2014)
AP Photo/Michael Probs

Die deutschen Lokführer legten zwischen 6 und 9 Uhr morgens ihre Arbeit nieder. Als Folge davon fielen rund 1000 Züge aus oder hatten grosse Verspätung. Das teilte ein Bahnsprecher in einer ersten Bilanz mit.

Betroffen waren nach Angaben des Sprechers der Regional-, Fern- und Güterverkehr sowie die S-Bahnen. Insgesamt sei der Zugverkehr «stark beeinträchtigt» gewesen, aber «nicht zum Stillstand gekommen», fügte er hinzu. Ein Gewerkschaftssprecher sagte hingegen, es seien «90 bis 95 Prozent Stillstand» erreicht worden. Mit Verspätungen wurde noch den ganzen Tag gerechnet.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte zu der dreistündigen Arbeitsniederlegung im laufenden Tarifkonflikt mit der Bahn aufgerufen. Es war die zweite Aktion dieser Art innert einer Woche.

Schweiz-Verbindungen stark betroffen

Die Streikaktion hatte auch massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland. Von der Schweiz aus hätten rund 20 Züge nur bis zur Grenze fahren können, sagte SBB-Sprecher Stephan Wehrle auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Seit dem späteren Morgen verkehrten die Deutschlandzüge wieder durchgehend. Während des Warnstreiks mussten Deutschlandreisende mit mehrstündigen Verspätungen rechnen. Gegen Mittag gingen die Wartezeiten merklich zurück. Es gab aber noch Verspätungen von unterschiedlicher Länge. Wehrle rechnete mit einer Normalisierung im Verlaufe des Tages.

Drohung mit unbefristeten Streiks

Mit den Streiks will die Gewerkschaft ein besseres Tarifangebot von der Bahn erzwingen. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Sie erhebt ihre Forderungen auch für Zugbegleiter und andere Beschäftigte in den Zügen.

Sollte die Deutsche Bahn kein neues Tarifangebot vorlegen, will die GDL «in den nächsten Tagen» eine Urabstimmung für unbefristete Streiks einleiten, sagte der GDL-Sprecher. Für eine Zustimmung sind 75 Prozent Ja-Stimmen erforderlich. «Wenn die Bahn nicht mit uns verhandelt, haben wir kein anderes Mittel», sagte Weselsky im Westdeutschen Rundfunk.

Weitreichende Folgen

Die Schwerpunkte des Streiks lagen gemäss Bahn-Angaben im Norden Deutschlands, in Berlin, in der Region Leipzig sowie punktuell in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Bei der Berliner S-Bahn etwa fuhren am Morgen nach Angaben des Betreibers nur noch einzelne Züge. In Hamburg verkehrten die S-Bahnen nur im 20-Minuten-Takt, in München fiel etwa jede fünfte S-Bahn aus.

Am Münchner wie auch am Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich Schlangen an den Schaltern, vor allem Ferienreisende waren hier betroffen. Bahn-Mitarbeiter verteilten Kaffee und Verspätungsformulare an die Wartenden.

Die Bahn setzte in den Zügen und auf den Bahnhöfen mehrere Hundert Mitarbeiter zur Verstärkung ein - vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen und Transportleitungen sowie bei der Reisenden-Information. Bereits am vergangenen Montag hatte ein Warnstreik die Fahrpläne durcheinandergewirbelt.

Lufthansa fliegt wieder

Stunden vor dem Warnstreik im Bahnverkehr war am Freitagabend ein sechsstündiger Streik der Lufthansa-Piloten zu Ende gegangen. Seither läuft der Flugbetrieb wieder weitgehend planmässig, wie Lufthansa am Samstag mitteilte.

Doch der Tarifkonflikt ist längst nicht gelöst. Weitere Ausstände drohen. Die Lufthansa-Piloten streikten für bessere Vorruhestandsregelungen.

SDA/kpn

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