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Varones Anwältin: «Wir sind zufrieden»

Die türkische Justiz hat ihr Urteil in der Steinaffäre gefällt: So soll der Walliser Polizeikommandant Christian Varone eine Haftstrafe von einem Jahr und 15 Tagen absitzen – jedoch nur im Wiederholungsfall.

Nach der Anklage in der Türkei trat er im Kanton Wallis vor die Medien: Christian Varone. (3. August 2012)
Nach der Anklage in der Türkei trat er im Kanton Wallis vor die Medien: Christian Varone. (3. August 2012)
Reuters
Der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, Christian Varone, 2. von rechts, sein Bruder Patrick, 2. von links, seine Frau Denise Varone, links, und ein türkischer Polizist in Antalya. (1. August 2012)
Der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, Christian Varone, 2. von rechts, sein Bruder Patrick, 2. von links, seine Frau Denise Varone, links, und ein türkischer Polizist in Antalya. (1. August 2012)
Keystone
Am 19. März verkündete die türkische Justiz das Urteil gegen den ehemaligen Walliser Polizeikommandanten. Varone erhält ein Jahr und 15 Tagen Gefängnis unter Aufschub. Das Urteil hat keine strafrechtlichen Folgen für den 49-Jährigen und taucht auch nicht im Schweizer Strafregister auf: Die türkische Anwältin von Varone, Yasemin Mataraci vor den Medien.
Am 19. März verkündete die türkische Justiz das Urteil gegen den ehemaligen Walliser Polizeikommandanten. Varone erhält ein Jahr und 15 Tagen Gefängnis unter Aufschub. Das Urteil hat keine strafrechtlichen Folgen für den 49-Jährigen und taucht auch nicht im Schweizer Strafregister auf: Die türkische Anwältin von Varone, Yasemin Mataraci vor den Medien.
Keystone
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Der Walliser Polizeikommandant Christian Varone ist in der Türkei zu einem Jahr und 15 Tagen Gefängnis unter Aufschub verurteilt worden. Das Urteil hat keine strafrechtlichen Folgen für den 49-Jährigen und taucht auch nicht im Schweizer Strafregister auf.

Das Urteil bleibt in einem internen Verzeichnis der türkischen Justiz vermerkt und würde einzig bei einem Wiederholungsfall innert fünf Jahren aktiviert, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur sda aus Antalya berichtet.

Bei dieser Strafe gemäss Artikel 231 des türkischen Rechts handelt es sich um eine Besonderheit. Das Schweizer Recht kennt diese Möglichkeit nicht. Das Gericht befand Varone einzig des versuchten Diebstahls von Kulturgut für schuldig.

«Das ist das, was wir erwartet haben»

Es sprach zudem eine Busse von 500 türkischen Lire aus, was ungefähr 260 Schweizer Franken entspricht. Varones Anwältin in der Türkei, Yasemin Mataraci, beabsichtigt keinen Weiterzug des Urteils.

«Das ist das, was wir erwartet haben, wir sind zufrieden», sagte sie nach der Urteilseröffnung. Allerdings hatten die Anwälte Varones in der Türkei einen Freispruch verlangt.

Varone selber sei über das Urteil «sehr erleichtert und zufrieden» und werde es deshalb nicht weiterziehen, heisst es in einer Medienmitteilung seines Walliser Anwalts Philippe Loretan. Varone würde auch nichts riskieren, wenn er in die Türkei zurückkehren würde.

Festnahme bei Ausreise

Er war am 27. Juli 2012 in der Türkei festgenommen worden. Bei der Ausreise hatten Flughafenbeamte in seinem Gepäck einen Stein gefunden. Der 49-Jährige sass fünf Tage in Untersuchungshaft, bevor er in die Schweiz zurückreisen durfte.

Der Polizeikommandant wurde wegen versuchten Diebstahls antiker Kulturgüter angeklagt. Der Prozess gegen ihn wurde drei Mal nach wenigen Minuten vertagt. Zum Stein wurden drei Gutachten verfasst.

«Schutzwürdiges Kulturgut»

Während die ersten beiden Expertisen zu gegensätzlichen Schlüssen kamen, bezeichnete ein drittes Papier den Stein als antikes Säulenfragment und damit als «schutzwürdiges bewegliches Kulturgut, das als Staatsbesitz gilt».

Im dritten Bericht wird der Marmorstein als 22 cm lang, an der breitesten Stelle 17 cm breit und 10 cm dick beschrieben. Bearbeitung und Ornamente würden auf eine der oberen Ecken eines korinthischen Kapitells aus der Römerzeit hinweisen.

Varones Zukunft ungewiss

Der Polizeikommandant und FDP-Politiker befindet sich wegen seines Wahlkampfs für einen Sitz in der Walliser Regierung noch bis Ende März in einer Auszeit. Allerdings zog er nach dem ersten Wahlgang am 3. März er seine Kandidatur zurück. Beim zweiten Wahlgang am Sonntag verlor die FDP ihren einzigen Regierungssitz trotz eines Kandidatenwechsels.

Der Präsident der FDP Wallis, Georges Tavernier, gab sich zufrieden mit dem Ausgang des Gerichtsverfahrens. Wenn Varone in den Staatsrat gewählt worden wäre, hätte er bleiben können, sagte Tavernier auf Anfrage. Ob Varone auf den Posten des Polizeikommandanten zurückkehren wird, gilt als ungewiss.

Waeber-Kalbermatten verlangt Stellungnahme

Varone selber hatte beim Rückzug seiner Kandidatur nicht ausgeschlossen, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Er gab an, einige berufliche Möglichkeiten abklären zu wollen.

Esther Waeber-Kalbermatten (SP), Regierungspräsidentin und Vorsteherin des Sicherheitsdepartements, liess am kantonalen Feiertag Sankt Joseph am Dienstag per Medienmitteilung verlauten, dass sie von Varone eine Stellungnahme verlange.

Er sei aufgefordert worden, «zum Urteil und dessen Folgen für seine berufliche Zukunft» Stellung zu nehmen. Der Staatsrat werde sich nach Kenntnis der Stellungnahme mit der Angelegenheit befassen. Sobald das Urteil vorliege, werde es zudem analysiert, auch hinsichtlich dessen Wirkungen in der Schweiz.

SDA/bru

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