Die Ausserirdischen blieben aus

Erneute Panne in der Ufo-Szene: Das Raumschiff, das uns retten sollte, kam wieder nicht.

Hugo Stamm@HugoStamm

Ufo-Fans in aller Welt fieberten dem vergangenen Dienstag entgegen. Blossom Goodchild, spirituelles Medium und Schauspielerin, hatte auf medialem Weg eine sensationelle Botschaft erhalten. Danach sollte – für alle sichtbar – ein riesiges Raumschiff von der «Galaktischen Förderation des Lichts» an unserem Himmel erscheinen.

Die Ausserirdischen versprachen, als Freunde anzureisen und uns aus Elend und Krise zu befreien: «Wir kommen in Frieden. Füllt eure Seelen mit Vertrauen in dieses Wissen. Wir sind eure Brüder und Schwestern von anderen Orten.» Gleichzeitig warnten uns die Helfer von der galaktischen Föderation: «Wenn wir jetzt nicht intervenieren, wie es seit Äonen eurer Erdzeit geplant wurde, fürchten wir, es könnte zu spät sein.» So jedenfalls schrieb das australische Medium die Botschaft auf.

Vergeblicher Himmelsblick

Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile in der Esoterik- und Ufo-Szene. Viele richteten am Dienstag ihren Blick zum Himmel, die Diskussion im Internet steuerte dem Höhepunkt zu, die Spekulationen schossen in die Höhe. Je später der Tag, desto grösser wurde die Nervosität, die am Abend in Ernüchterung umschlug: Die Retter aus dem All blieben aus.

«Die globale Esoterik- und Ufologie-Community hat einmal mehr eine fürchterliche überirdische Enttäuschung erlebt», kommentierte danach der deutsche Ufo-Forscher Werner Walter. Er warnte die Ufo-Fans vor unüberlegten Reaktionen und erinnerte an einen Massensuizid vor elf Jahren. Damals trieb der Ufo-Guru Marshall Applewhite 38 seiner Anhänger der Heaven's-Gate-Gruppe (Himmelstor) in San Diego in den Tod. Er hatte behauptet, er und seine Anhänger seien ausserirdische Wesen, die von ihrem Mutterschiff abgeholt würden. Dieses verstecke sich im Schweif des Kometen Hale-Bopp, um sie von ihrer schweren Mission auf der Erde zu erlösen. Nun müssten sie sich verfeinstofflichen, also umbringen, um sich ins All zu beamen.

Das Medium Goodchild hatte zu dem Besuch aus dem All geschrieben, es brauche grossen Mut, die Botschaft der Föderation des Lichts zu veröffentlichen. Ihr Mut wurde nicht belohnt. Dieser scheint sie inzwischen verlassen zu haben, denn über ihre mediale Pleite schweigt sie sich aus.

Tages-Anzeiger

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