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«Solche Taten kommen immer in Wellen»

Der Amoklauf von München werde Nachahmer auf den Plan rufen, sagt ein Sicherheitsexperte. Seiner Ansicht nach war die Polizei ungenügend vorbereitet.

Ein Anwohner beschimpft den Täter: Ausschnitt aus einem Video nach dem Amoklauf in München.
Ein Anwohner beschimpft den Täter: Ausschnitt aus einem Video nach dem Amoklauf in München.
Screenshot Youtube, Keystone

Das Video verbreitete sich innert Stunden: Ein Anwohner redet von seinem Balkon auf den Amokläufer von München ein. Er warnt, flucht und beschimpft den Täter. Dieses Vorgehen sei genau richtig, sagt Sicherheitsexperte David Schiller in der «Schweiz am Sonntag». Es gehe darum, den Amokläufer aus seinem eigenen Kopf-Kino zu holen und den geplanten Ablauf zu durchbrechen. Aus einer geschützten Lage seien dann auch Beschimpfungen eine Option, denn «wütender kann der Täter nicht werden, er hatte ja bereits mehrere Menschen erschossen.»

Schiller ist weltweit als Berater und Ausbilder für Militär und Polizei in Deutschland, der Schweiz und Israel tätig. Für ihn fällt der 18-jährige Deutsch-Iraner in die Kategorie verrückter Einzeltäter, von denen es in Europa noch weitere geben werde. «Die Geschichte zeigt, dass solche Taten in Wellen kommen», sagt er. Es werde Nachahmer geben. Die Ereignisse in München fallen genau auf den 5. Jahrestag des Amoklaufs in Norwegen, bei dem 77 Menschen starben. An einen Zufall glaubt Schiller nicht. «Die Täter sehen es als Wettstreit: Wem gelingt es, die meisten Menschen in den Tod zu reissen?»

Verunsicherung wegen Falschmeldungen

Den Einzeltätern geht um Rache, um Angst. Das gelingt ihnen dank der Unmittelbarkeit der sozialen Medien heute besser. Falschmeldungen wie am Freitagabend, als von drei Tätern die Rede war und immer weitere Tatorte im Netz kursierten, sind ein Indiz dafür. «Die Leute waren komplett verunsichert», sagt Schiller, «ein kleiner Knall von einem Auspuff wird dann als ein Schuss wahrgenommen.» In nur sechs Stunden gingen am Freitagabend 4310 Notrufe bei der Münchner Polizei ein. Die deutschen Polizisten sieht er nicht vorbereitet. «Nur wenn die Beamten eine mehrtägige Terrorübung abhalten, können sie abschätzen, was auf sie zukommt.»

Ähnlich äusserte sich der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet vor einer Woche: «Wir brauchen eine nationale Terrorübung» sagte er in der «Schweiz am Sonntag». Ausserdem müsse jeder Polizist eine Anti-Terror-Schulung erhalten, um einen verrückten Killer sofort stoppen zu können. Schiller sieht die Schweiz weniger gefährdet. «Ihr seid eine relativ kleine, homogene Gesellschaft ohne Ghettos, der es gelingt, Menschen zu integrieren.» In den deutschen Grossstädten würden viele Bewohner vereinsamen. Ausserdem sei die Schweiz durch die Wehrdienstpflicht eine abwehrbereite Gesellschaft. Trotzdem gebe es keine Garantien gegen den Terror.

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