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So war es in Ghadhafis Gefangenschaft

Rachid Hamdani, der Leidensgenosse von Max Göldi, spricht über die Zeit in Tripolis, den skurrilen Moment der Verhaftung und wie er später paranoide Züge entwickelte.

Als er dem Polizisten sagte, er komme aus Genf, war es um ihn geschehen: Rachid Hamdani.
Als er dem Polizisten sagte, er komme aus Genf, war es um ihn geschehen: Rachid Hamdani.
Keystone

Nach 19 Monaten in libyscher Gefangenschaft wurde Rachid Hamdani am 23. Februar nach Hause entlassen. Seither hat er geschwiegen über die Zeit in den Händen der libyschen Behörden. Während Max Göldi weiterhin im Gefängnis in Tripolis sitzt, wagt Hamdani nun aber erstmals den Gang an die Öffentlichkeit. Um seinen frühreren Leidensgenossen nicht zu gefährden, bleibt der schweizerisch-tunesische Doppelbürger im Interview mit der westschweizer «L’Illustré» aber vorsichtig.

Er kritisiert weder Libyen noch die Schweizer Behörden. Hamdanis Sohn Karim, der ebenfalls einen tunesischen Pass besitzt, habe Göldi bereits mehrmals besuchen können. Auch während Hamdanis Zeit der Gefangenschaft sei Karim immer wieder nach Tripolis geflogen, um ihn zu besuchen. Angst hatte er keine. «Ich war nie beunruhigt, obwohl ich wusste, dass der libysche Geheimdienst uns beobachtete», erzählt er der «Illustré».

Die Reaktion der Polizisten auf das Wort «Genf»

Hamdani erzählt von der Verhaftung in seinem Büro in Tripolis. Er habe ihnen den tunesischen Pass gezeigt. Daraufhin fragten ihn die Polizisten, von wo er komme. Als er «aus Genf» antwortete, war es um sein Schicksal geschehen. Die Polizisten seien richtiggehend zufrieden gewesen mit Hamdanis Antwort.

Wenig später sei er mit Max Göldi in den gleichen Raum gesteckt worden. Nach Hannibals Entlassung aus dem Genfer Gefängnis gab es den Befehl, alle Schweizer Unternehmen in Libyen zu schliessen und deren Direktoren zu verhaften.

Mit Polizeibegleitung auf Spaziergang

Während ihrer Zeit in der Botschaft durften sie sich zwar selbst in Tripolis frei bewegen. Ihre Pässe waren jedoch weg und Polizisten in Zivil hätten sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Als Hans-Rudolf Merz im August 2009 Tripolis besucht habe, sei die Stimmung gestiegen: «Damals war die Hoffnung gross. Es war eine ereignisreiche Zeit.» Die Unterstützung aus der Schweiz bezeichnet Hamdani als «gross». Über 16'000 E-Mails hätten sie in dieser Zeit erhalten.

Die Zeit in der Botschaft war monoton. Ab einem gewissen Zeitpunkt hätten sie sich nicht mehr nach draussen gewagt. Mit Tischtennis vertrieben sie sich die Zeit, so Hamdani.

Die Heimreise wurde zur «Flucht»

Seit seiner Freilassung habe er keinen Kontakt mehr mit Göldi. «Es hätte nicht so passieren dürfen. Max hätte drei oder vier Tage nach meiner Abreise folgen sollen», sagt Hamdani weiter. Zu seinem Freispruch meint Hamdani, dass Libyen damit demonstrieren wollte, ein funktionierender Rechtsstaat zu sein. Den guten Willen gegenüber der EU wollte man damit wohl auch beweisen.

Seine Heimkehr sei schliesslich fast eine «Flucht» gewesen. Man entschied sich, mit dem Auto nach Tunesien zu fahren. «Hätte ich den Flieger von Tripolis genommen, wäre ich zu 90 Prozent wieder in Haft genommen worden, dachte ich damals.» Selbst in Tunesien befürchtete Hamdani noch, vom dortigen Geheimdienst befragt zu werden. Erst nach der Landung in Kloten sei er erleichtert gewesen. Er hätte nie gedacht, dass die Affäre ein derartiges Ausmass annehmen kann. «Das Problem ist, dass wir in der Schweiz in einer alten Demokratie leben. Wir wissen gar nicht, wie sich die anderen Länder verhalten und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen.»

Vergessen könne er die Geschichte jedoch erst, wenn sein Freund Max Göldi wieder zu Hause sei.

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