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US-Polizist erschiesst Afroamerikaner im Auto

In den letzten zwei Tagen sind in den USA bei Polizeieinsätzen zwei Schwarze erschossen worden. Beide Male spielten Videos in den sozialen Medien eine entscheidende Rolle.

«Sie sagte nichts. Sie leistete keinen Widerstand.» (10. Juli 2016)
«Sie sagte nichts. Sie leistete keinen Widerstand.» (10. Juli 2016)
Johnathan Bachmann, Reuters
In Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana gingen Menschen auf die Strasse, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu demonstrieren. (10. Juli 2016)
In Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana gingen Menschen auf die Strasse, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu demonstrieren. (10. Juli 2016)
Max Becherer, Keystone
Die Behörden kündigten eine umfassende Untersuchung an.
Die Behörden kündigten eine umfassende Untersuchung an.
Keystone
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Nur einen Tag nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen Afroamerikaner in den USA hat erneut ein Beamter einen Schwarzen erschossen. Ein auf Facebook veröffentlichtes Handyvideo von der Freundin des Opfers im Bundesstaat Minnesota, das die letzten Augenblicke im Leben des 32-Jährigen zeigt, sorgte am Donnerstag im Internet für Entsetzen. Nach Angaben der Polizei starb der junge Mann am späten Mittwochabend in seinem Fahrzeug, nachdem er in dem Ort Falcon Heights am Strassenrand angehalten hatte. Am Ort des Geschehens sei eine Pistole gefunden worden. Der Vorfall werde untersucht.

In dem Live-Video ist zu sehen, wie der Mann – von Familie und Aktivisten als Philando Castile identifiziert – am Steuer seines Wagens sitzt, während sich grosse Blutflecken auf seinem weissen Hemd ausbreiten. «Oh mein Gott, bitte sagt nicht, dass er tot ist, bitte sagt nicht, dass mein Freund gerade einfach so gegangen ist (...) Sie haben gerade vier Kugeln auf ihn abgefeuert, Sir», ist Castiles Freundin Lavish Reynolds zu hören, wie sie den mutmasslichen Polizeischützen anspricht.

Reynolds, die auf dem Beifahrersitz sass, lud das Video selbst auf ihrer Facebook-Seite hoch, es wurde bereits von mehr als 1,7 Millionen Menschen angeschaut. Hinten im Wagen sass zudem Reynolds kleine Tochter.

Das Fahrzeug wurde laut Reynolds angehalten, weil es ein kaputtes Rücklicht hatte. Später sagte die Frau aus, in dem Auto habe sich auch Marihuana befunden. Ihr Freund habe eine Waffenlizenz gehabt. Castile habe dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe, berichtete Reynolds. Als Castile seine Lizenz und die Fahrzeugpapiere herausholen wollte, habe der Polizist auf ihn geschossen und ihn am Arm getroffen.

Facebook-Protest: «Castile wurde von der Polizei ermordet»

Während der Verletzte stöhnte und nach Luft schnappte, richtete der Polizist seine Waffe durch das Autofenster. «Ich habe ihm gesagt, er sollte es nicht herausnehmen! Ich habe ihm gesagt, er soll die Hände hochnehmen», schreit der Polizist.

Gegen Ende der Handyaufnahme ist Reynolds vierjährige Tochter zu hören, wie sie versucht, ihre vollkommen verstörte Mutter zu trösten. «Alles ist gut, Mama», sagt das kleine Mädchen. «Alles ist gut, ich bin bei Dir.»

Unterstützer richteten später eine Facebook-Seite ein namens «Gerechtigkeit für Philando Castile». Dort heisst es: «Philando Castile wurde am 7. Juli 2016 von der Polizei ermordet. Wir fordern Gerechtigkeit!»

Zweiter Fall in kurzer Abfolge

Erst am Dienstag war ein Afroamerikaner im Bundesstaat Louisiana von der Polizei erschossen worden. Dem 37-Jährigen, der vor einem Laden in Baton Rouge CDs verkauft hatte, wurde bei dem Polizei-Einsatz mehrfach aus kurzer Distanz in die Brust geschossen. Ein ebenfalls im Internet verbreitetes Video hält den Vorfall fest. Rund hundert Menschen, darunter Verwandte und Freunde des getöteten Alton Sterling, demonstrierten am Abend vor dem Geschäft.

Beamte erschiessen einen am Boden liegenden afroamerikanischen Mann. (Video: Reuters)

Ähnliche Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Im Sommer 2014 löste der gewaltsame Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen aus.

Im vergangenen Jahr entfachte der Tod von Freddie Gray in der Ostküstenstadt Baltimore wütende und teilweise gewalttätige Proteste. Der Afroamerikaner war in Polizeigewahrsam gestorben.

afp/sda/woz/mch

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