SBB müssen in Luzern 400 Meter Gleis ersetzen

Der Bahnknoten bleibt bis und mit Sonntag zu. Die Schäden sind grösser als bisher angenommen.

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Der Bahnhof Luzern bleibt nach der Entgleisung eines Eurocity-Zugs am Mittwoch bis mindestens am Sonntag gesperrt. «Wir haben uns für eine Vollsperre entschieden», sagt SBB-Mediensprecherin Masha Foursova baz.ch/Newsnet auf Anfrage.

Sinn und Zweck dieser Entscheidung sei es, dass die Arbeiten schneller vorangetrieben werden könnten. «Wir versuchen, schon vorher eines oder zwei Gleise freizugeben. Doch die Sicherheit unserer Kunden und der Arbeiter geht vor.»

Betrieb bis Sonntagabend komplett eingestellt

Mehrere Fachteams haben in der Nacht mit Arbeiten an den Gleisen und den beschädigten Fahrleitungen begonnen, wie die SBB in ihrem Blog schreiben. Der Zug ist mittlerweile geborgen. Bei der Analyse des Gleisbetts, der Kabelkanäle und Fahrleitungen, die erst nach der Bergung erfolgen konnte, sind grosse Schäden zu Tage gekommen. Sie sind grösser als bisher angenommen.

Die SBB gehen davon aus, dass der Bahnhof Luzern erst am Montagmorgen den Betrieb wieder aufnehmen kann. Nicht mehr betroffen sind die Verbindungen der Zentralbahn.

Diese Schäden müssen behoben werden:

  • 400 Meter Gleis werden neu verbaut
  • vier Weichen müssen komplett ersetzt werden
  • zwei Weichen sollen teilweise umgebaut werden
  • bis zu 200 Tonnen Schotter werden bewegt
  • zwei Fahrleitungsmasten müssen ersetzt werden

Als Ursache ist «alles offen»

Die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes, die Luzerner Behörden und SBB-Experten untersuchen die Ursache der Entgleisung. Wie die SBB schreiben, laufen die Ermittlungen in alle Richtungen. Derzeit sei noch «alles offen».

Die SBB gehen davon aus, dass die Schadenhöhe in die Millionen geht.

Alle Verletzten konnten das Spital verlassen

Die Personen, die sich im entgleisten Eurocity-Zug verletzten, sind aus der ärztlichen Behandlung entlassen worden. Beim Unglück am Mittwoch zogen sich drei italienische und eine mazedonische Staatsangehörige sowie zwei Schweizer Prellungen und Schürfungen zu. Wie die Luzerner Polizei am Donnerstag mitteilte, hätten alle beim Unfall verletzten Personen nach ambulanter Behandlung entlassen werden können. Mehrere von ihnen wurden in einem Spital behandelt.

Weiter korrigierte die Luzerner Polizei ihre Angaben vom Vortag zur Zahl der Verletzten. Nach neusten Informationen wurden sechs und nicht sieben Personen leicht verletzt. Irrtümlicherweise zählten die Behörden eine Person dazu, die sich bei einem Sturz in einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel verletzte.

Viele Pendler umgestiegen

Die SBB bestätigten auf Anfrage von baz.ch/Newsnet, dass heute Morgen weniger Menschen mit dem ÖV pendelten. «Wir gehen davon aus, dass viele aufs Auto umgestiegen sind», sagt Mediensprecherin Masha Foursova. Das Buskonzept funktioniere sehr gut.

Derweil ist es auf den Autobahnen A 2 und A 14 in der Region Luzern am Donnerstag im Morgenverkehr gleich zu vier Auffahrunfällen gekommen. Verletzt wurde niemand. Allerdings entstanden Sachschäden von 45'000 Franken, und es kam zu grossen Staus.

Vier Kollisionen auf der Autobahn

Wie die Luzerner Polizei mitteilte, ereigneten sich die Unfälle innert knapp zwei Stunden. Zunächst krachten um 6.45 Uhr in der Ausfahrt Luzern-Zentrum zwei Autos ineinander. Ein Wagen musste von einem Abschleppdienst aufgeladen werden. Eine Dreiviertelstunde später kam es auf der Autobahn A 14 in Inwil zu einem Auffahrunfall zwischen zwei Personen- und einem Lieferwagen. Alle Fahrzeuge wurden abgeschleppt. Zudem wurde beim Unfall eine Leitplanke beschädigt.

Gegen 8.10 Uhr kam es auf der A 2 in Richtung Süden bei Rothenburg zu einem erneuten Auffahrunfall mit drei Personenwagen. Nur 20 Minuten später ereignete sich auf der A 14 nach Zug bei Ebikon ein weiterer Auffahrunfall. Beteiligt waren drei Autos. Zwei davon waren danach nicht mehr fahrbar.

Gespenstische Ruhe im Bahnhof

In der Luzerner Bahnhofshalle, in der täglich bis zu 163'000 Pendler und Passanten unterwegs sind, herrschte am Donnerstagmorgen gespenstische Ruhe. Einzig in der Ecke der Zentralbahn war seit den frühen Morgenstunden wieder Betrieb.

Seit der Entgleisung eines mit 160 Personen besetzten Eurocity-Zugs bei der Ausfahrt unter der Langensandbrücke am Mittwoch ist es still im Kopfbahnhof. Die meisten Perronbereiche wurden mit rot-weissen Plastikbändern abgesperrt. Mehrere Züge stehen parkiert im Bahnhof.

Vereinzelt weist Bahnhofspersonal in Leuchtwesten Passagieren und Touristen den Weg zum Abfahrtsort der Ersatzbusse. Auch mindestens eine Putzequipe war am Werk. Die Geschäfte im Bahnhof haben geöffnet. Doch für das Personal dürfte es noch ruhiger als an einem Sonntag zugehen.

Ein ungewohntes Bild bot sich auch in der Fussgängerzone vor dem KKL: Um dieses und den Bahnhof herum kurvten zahlreiche Ersatzbusse. Auf den Busperrons gab es längere Schlangen geduldig wartender Pendler. Von der sonst üblichen Hektik war wenig zu spüren.

160 Personen müssen evakuiert werden: In der Zufahrt zum Bahnhof Luzern ist ein Zug entgleist. Video: Tamedia/SDA

Zugunglück in Luzern: Die Bergungsarbeiten in der Nacht auf Donnerstag. Video: Tamedia

Fernverkehrszüge nach Luzern wenden laut dem SBB-Blog in den Bahnhöfen von Sursee, Ebikon, Luzern Verkehrshaus und Arth-Goldau. Für die S-Bahnen nach Luzern ist in Emmenbrücke, Gersag, Ebikon, Littau respektive Luzern Verkehrshaus Endstation. Dies geht aus den Meldungen auf der Webseite der SBB hervor.

160 Personen im Zug

Bei der Entgleisung eines Eurocity-Zuges am Mittwochnachmittag im Bahnhof Luzern sind nach offiziellen Angaben insgesamt sieben Passagiere leicht verletzt worden. Alle Reisenden konnten den betroffenen Zug nach rund einer Stunde selbstständig verlassen, sagte ein Sprecher der Luzerner Polizei an einer Medienkonferenz. Mehrere Passagiere klagten über Schmerzen. Sie wurden vom Rettungsdienst zur Kontrolle in ein Spital gebracht. Im Zug befanden sich insgesamt gegen 160 Reisende.

Die Rettungskräfte seien rasch vor Ort gewesen, sagte der Polizeisprecher. Vor den Bergungsarbeiten habe jedoch zuerst eine beschädigte Stromleitung vom Netz genommen und ein gekippter Wagen gesichert werden müssen.

Zur Unfallursache wurde an der Medienkonferenz nichts bekannt. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet.

Nichts geht mehr im Bahnhof Luzern. (Leservideo 20 Minuten.)

Leserbilder

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nag/fal/sda

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