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Rottweiler-Halterin wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

Das Schaffhauser Kantonsgericht hat die Halterin eines Rottweilers zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Der Hund hatte im Sommer 2009 einen Buben mit Bissen am Kopf schwer verletzt.

Der Rottweiler der Verurteilten hatte in Schaffhausen einen Vierjährigen schwer am Kopf verletzt. Dabei wurde die 19-jährige Schwester, die dem Jungen zu Hilfe eilte, leicht verletzt. Dies wertete das Gericht als fahrlässige einfache Körperverletzung. Ausserdem verhängte das Kantonsgericht eine Busse in Höhe von 200 Franken wegen Übertretung des Hundegesetzes. Für die bedingte Freiheitsstrafe gilt eine Probezeit von zwei Jahren.

Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und 200 Franken Busse gefordert. Diese war so niedrig angesetzt, weil die Angeklagte verschuldet ist. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Nicht angeleint

Die Beiss-Attacke ereignete sich Ende Juli 2009 auf dem Majorenacker, einem wenig frequentierten Privatgelände. Die damals 55-jährige Angeklagte spielte dort mit dem knapp einjährigen Hund Faruck, der ursprünglich ihrem Sohn gehörte. Dabei hatte sie das Tier nicht angeleint.

Als ein Vater mit seinen drei Kindern im Alter von 19, 10 und 4 Jahren im Auto angefahren kam und die Familie ausstieg, rannte der Rottweiler auf die Gruppe zu. Der Hund griff den Vierjährigen an und verletzte ihn schwer am Kopf.

Der Junge wurde in der Plastischen Chirurgie des Unispitals Zürich operiert und die entstandenen Narben mussten monatelang täglich nachbehandelt werden. Inzwischen seien die Wunden verblüffend gut verheilt, die Schädigung sei dennoch als «knapp schwer» zu werten, sagte der Gerichtsvorrsitzende.

Vorfall war absehbar

Die Beschuldigte sei sich, laut Staatsanwaltschaft, darüber im Klaren gewesen, dass es sich bei Faruck um einen Hund mit Gewaltpotenzial handelte und sie dem Tier nicht gewachsen gewesen sei. «Sie hat ihre Pflichten als Verantwortliche klar verletzt», sagte der Staatsanwalt. Ihr Verschulden wiege schwer. Wäre der Hund an der Leine gewesen, hätte sich die tragische Attacke nicht ereignet.

Ähnlich argumentierte das Gericht. Ohne Leine hätte die Halterin mit dem Hund nur in einem umzäunten Gelände spielen dürfen, sagte auch der Richter.

Die Haftpflicht- und Genugtuungsforderungen des Geschädigten- Anwalts hiess das Gericht im Grundsatz gut, verwies sie aber auf den Zivilweg. Die für die leicht verletzte Schwester des Vierjährigen geforderte Genugtuung von 5000 Franken wurde vom Gericht abgelehnt.

Sorgfaltspflicht nicht verletzt

Die Verteidigerin verlangte einen Freispruch und die Abweisung der Zivilforderungen. Die Angeklagte habe nicht fahrlässig gehandelt und ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Sie habe nicht damit rechnen müssen, dass andere Personen auf das Gelände kommen und ein Leinenzwang habe nicht bestanden.

Die Angeklagte, die ihr Gesicht hinter einer roten Langhaar- Perücke verbarg, brach während des Prozesses immer wieder in Tränen aus. «Es tut mir von Herzen furchtbar leid», sagte sie. Faruck sei «ganz sicher kein bösartiger Hund gewesen». Probleme mit Kinder habe es nie gegeben.

Hund eingeschläfert

Kurz nach der Attacke wurde Faruck eingeschläfert. Nach diesem und einem weiteren Vorfall mit einem Rottweiler hat der Kanton Schaffhausen seine Liste potenziell gefährlicher Hunderassen ergänzt und verlangt nun auch für Rottweiler eine Bewilligungspflicht.

Für überregionale Aufmerksamkeit sorgte die Beiss-Attacke, weil der Hund einem der Beschuldigten im so genannten Schenkkreis-Mord von Grenchen SO gehörte. Damals war eine dreiköpfige Familie getötet worden. Der Hundebesitzer, ein ehemaliger Spitzensportler, hat die Tat inzwischen gestanden. Nachdem er inhaftiert worden war, kümmerte sich seine Mutter um den Hund.

SDA/pbe

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