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Romney schnitt schwulem Mitschüler Haare ab

Ein «Schulstreich» verdeutlicht Mitt Romneys ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen. Der Republikaner soll als 18-Jähriger in der High School schwule Kameraden gemobbt haben.

Der schwule Mitschüler von Mitt Romney wurde zu Boden gedrückt: Der Innenhof der Cranbrook School in den Bloomfield Hills.
Der schwule Mitschüler von Mitt Romney wurde zu Boden gedrückt: Der Innenhof der Cranbrook School in den Bloomfield Hills.
AFP

Nach dem Plädoyer von US-Präsident Barack Obama für die Homo-Ehe machte dessen wahrscheinlicher Herausforderer Mitt Romney keinen Hehl aus seiner konservativen Haltung bei diesem Thema. Diese reicht womöglich weit in die Biografie des Republikaners zurück.

Das legt ein Bericht der «Washington Post» über einen «verstörenden Vorfall» aus Romneys Jugend nahe. Wenige Monate vor seinem Abschluss an der elitären Cranbrook School im Jahr 1965 soll Romney zusammen mit Freunden einem als homosexuell geltenden Mitschüler die blond gebleichten Haare abgeschnitten haben.

«Unsinnige und idiotische Tat»

«Er kann so nicht aussehen. Das ist falsch. Schaut ihn nur an», soll Romney sich laut «Washington Post» über den Mitschüler echauffiert haben, der den Pony über ein Auge drapiert hatte. Danach sei er mit einer Schere über den Schulhof marschiert und habe sich den Kameraden geschnappt. Ein Freund von Romney habe den Jungen zu Boden gedrückt, während Romney mit der Schere hantierte.

Der Angriff «quält mich noch heute», sagte ein Mitschüler, der an dem Angriff beteiligt war in der Zeitung. «Was für eine unsinnige, idiotische Tat.» Der inzwischen pensionierte Staatsanwalt entschuldigte sich nach eigenen Angaben später beim Opfer. Dieser habe ihm von seiner Panik berichtet, als er von den anderen Schülern am Boden festgehalten wurde.

Keine Konsequenzen

Die Geschichte, die von fünf ehemaligen Mitschülern an dem Jungeninternat bestätigt wird, war offenbar kein Einzelfall. Ein weiterer Kamerad erzählte im Bericht, dass Romney jedes Mal, wenn er sich während des Unterrichts gemeldet habe, durchs Klassenzimmer gerufen habe: «Was für ein liebes Mädchen.» Konsequenzen habe es für den Sohn des Gouverneurs von Massachusetts nie gegeben.

Kurz nachdem der Bericht erschienen ist, liess eine Sprecherin des Republikaners verlauten, dass sich Romney nicht an den Vorfall erinnern könne. Später meldete er sich doch noch selbst zu Wort. In einem Interview auf Fox News Radio sagte er: «Während meiner Schulzeit habe ich viele dumme Dinge gemacht. Wenn irgendjemand dabei verletzt oder gedemütigt wurde, tut es mir leid.» Er habe nicht gewusst, dass der betreffende Mitschüler schwul gewesen sei.

Ehe nur zwischen Mann und Frau

Das Thema Homosexualität spielt im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle, seit sich Obama am Mittwoch nach langem Zögern für die Homo-Ehe ausgesprochen hatte. Seit Obamas Plädoyer betont sein republikanischer Widersacher seine konservative Haltung bei diesem Thema. Er sei der Auffassung, die Ehe sollte nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden, sagte Romney am Mittwoch.

Obama war von seinem eigenen Vize Joe Biden unter Zugzwang gesetzt worden, als dieser in einem Fernsehinterview zum Thema Homo-Ehe vorgeprescht war. Er fühle sich «absolut wohl» mit einer Anerkennung der Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts, sagte Biden am Sonntag im Sender NBC. Angesichts des darauf folgenden Mediensturms sah sich Obama genötigt, seinerseits rasch mit einer Stellungnahme nachzuziehen.

Der US-Präsident machte kein Hehl daraus, dass er mit dem Timing seines Vizes wenig glücklich war. Nach Angaben von Vertrauten hat sich Biden inzwischen bei Obama für seine unbedachten Äusserungen entschuldigt. Seine Sprecherin Kendra Barkoff sagte, Biden habe den Präsidenten nicht in den Schatten stellen wollen: «Der Präsident war bei diesem Thema vom ersten Tag an meinungsführend und der Vizepräsident hat niemals beabsichtigt, davon abzulenken,» sagte sie.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und sda.

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