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«Rache»: Verdächtiger im HIV-Skandal erzählt seine Version

Der Musiklehrer, der in eine mysteriöse HIV-Infizierung von 19 Menschen verwickelt sein soll, dementiert seine Schuld. Er sieht sich als Opfer eines Racheakts.

Die gesicherten Fakten sind so knapp wie irritierend. 19 Menschen aus dem Raum Bern können sich ihre Ansteckung mit dem HI-Virus nicht erklären. Das Inselspital Bern hat die Fälle anonymisiert den Behörden übermittelt, weil alle Infizierten Verbindungen zu einem Musiklehrer und angeblichen Heiler hatten.

Gegen diesen Heiler ermittelt Untersuchungsrichter Hermann Fleischhackl wegen mehrfacher vorsätzlicher schwerer Körperverletzung und Verbreitung menschlicher Krankheiten, wie der «SonntagsBlick» aufgedeckt hat. Ebenfalls ermittelt wird gegen einen der 19 Infizierten, der im selben Haus wohnt wie der Musiklehrer und auch bei diesem in den Unterricht ging.

«Musikschüler, die Okkultismus praktizieren»

Gegenüber der aktuellen Tessiner Sonntagszeitung «Il Caffè» bestreitet der Musiklehrer heute, die 19 Menschen mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. Er habe nichts «mit der ganzen Geschichte» zu tun. «Ich bin da reingezogen worden.» Es gehe um die Rache von «Musikschülern, die Okkultismus praktizieren». Diese Musikschüler hätten auch Blutsbrüderschaften geschlossen. Er selber sei nicht HIV-infiziert, könne kein Blut sehen und habe Akupunktur ausserdem nur einmal an sich selbst praktiziert. Die Polizei habe das gesamte Haus durchsucht und nichts gefunden.

Auch der Anwalt des Musiklehrers hatte am Freitag gegenüber dem «Tages-Anzeiger» gesagt, zwischen einigen der Infizierten habe eine «Blutsbrüderschaft» bestanden. Sein Mandant sei an diesen Praktiken nicht beteiligt gewesen. Der Anwalt sprach von einem Brief, in dem der infizierte Mitverdächtige diese gemeinsamen Praktiken gegenüber den Ermittlern gestanden habe.

«Blut abgezapft»

Der aktuelle «Sonntagsblick» stellt den Sachverhalt jedoch anders dar: Der Mitverdächtige habe den Musiklehrer tatsächlich mit einem Brief entlastet, in dem er vom gemeinsamen Drogenkonsum mit anderen heute Infizierten berichtet habe. Als jedoch aufgrund der medizinischen Untersuchungen klar geworden sei, dass sich alle Infizierten zu unterschiedlichen Zeitpunkten über vier Jahre hinweg angesteckt hätten, sei der Mann «unter der Last der Indizien» zusammen gebrochen und habe gestanden: Der Brief sei auf Druck des Musiklehrers entstanden.

In Tat und Wahrheit nämlich habe dieser ihm «mehrfach Blut abgezapft». Das berichtet auch die «Sonntagszeitung»: Unter einem Vorwand habe der Hauptverdächtige dem Mann Blut entnommen. Der Infizierte sei zwar mitverdächtig, sehe sich aber zunehmend als Opfer des Hauptverdächtigen. Beide Medien schreiben weiter, eine virologische Untersuchung der Universität Zürich habe ergeben, dass ein Grossteil der Virenstämme auf denjenigen Virus zurückgehe, den der Nebenverdächtige in sich trage.

Der Fall lässt viele Fragen offen – noch ist unklar, was im Umfeld des Musiklehrers tatsächlich geschehen ist. Hat der zweite Angeschuldigte gemeinsam mit anderen Okkultismus praktiziert – und die Ansteckungen dann seinem Nachbarn und Musiklehrer angehängt? Oder hat der Musiklehrer als angeblicher Heiler Spritzen mit dem Blut seines Nachbarn bei den Musikschülern angesetzt und sie dabei infiziert? Offiziell bestätigt ist keine der beiden Versionen. Die Ermittlungen dauern an. Der Untersuchungsrichter hat ein psychiatrisches Gutachten des Musiklehrers in Auftrag gegeben.

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