Prag hat genug von den Pandas

Die tschechische Hauptstadt kämpft gegen Strassengaukler in Tierkostümen und andere Hässlichkeiten, die der Besuch von 9 Millionen Menschen im Jahr mit sich bringt.

Vom Aussterben bedroht: Menschlicher Panda in Prag. Foto: Getty Images

Vom Aussterben bedroht: Menschlicher Panda in Prag. Foto: Getty Images

Keine tanzenden Pandas mehr: Der Magistrat der Stadt Prag hat genug davon. Menschen, die in zimmerhohe Kostüme diverser Tierarten schlüpfen, Touristen belustigen und damit etwas Geld verdienen, haben in den vergangenen Monaten das Bild des Altstädter Rings im Zentrum der tschechischen Hauptstadt geprägt.

Aber die Stadtpolitiker finden, dass das Palais Kinsky, in dem Kafka zur Schule ging, ortsbildprägender sein sollte als ein mit den Ohren wackelnder Riesenpandabär. Diese Art Strassenkunst störe die «ästhetische Ansicht» des Platzes, heisst es offiziell. Sogar dann, wenn es sich um den inoffiziellen Nationalhelden, die Trickfilmfigur des kleinen Maulwurfs, handelt.

Wie vielen anderen Orten wird Prag seine Schönheit langsam zur Last. Neun Millionen Touristen werden bis Ende des Jahres in der 1,3-Millionen-Einwohner-Stadt erwartet. Laut dem Verband European Cities Marketing liegt Prag gemessen an den Übernachtungszahlen mittlerweile zwischen Barcelona und Wien auf Platz acht im europäischen Ranking.

«Kein Vergnügungspark»

Damit unter der erdrückenden Beliebtheit die Anmut nicht völlig verloren geht, führt die Stadt schon seit längerer Zeit einen Kampf gegen das sogenannte Busking, also Strassenmusik, im weiteren Sinne Strassenkunst. Es ist bezeichnend, dass die tschechische Sprache, die gekonnt fast alle Fremdwörter mit eigenen Ausdrücken übertrumpft, hier auf dem englischen Begriff beharrt.

An Fremdartigem, etwa afrikanischen Trommeln inmitten barocker, mitteleuropäischer Architekturpracht, entzündete sich der Streit schon früher. Gleichzeitig versammelt sich die Strassenmusikszene weltweit unter dem Begriff Busking und kämpft auch in Prag um ihre Auftrittsrechte. Zuletzt mit einer Petition. Ergebnis vorerst: Piccoloflöten mit ihren hohen Tönen dürfen wieder gespielt werden, Pandas und Plüschmaulwürfe müssen raus. Echte Tiere sind als Artisten sowieso verboten. «Die Altstadt ist kein Vergnügungspark», erklärte die zuständige Kulturrätin.

Das Innenministerium muss darüber nachdenken, wer zu entscheiden hat, ob Menschen auf einem mit Pedalen ausgerüsteten Bierfass herumfahren dürfen.

Bussen gegen Lärm

Mit anderen Folgen billiger Flugtickets und günstiger Bierpreise tut sich die Stadt deutlich schwerer. Die Bier-Bikes zu verbannen, ist dem Magistrat noch nicht gelungen. Die verwinkelte Bürokratie hat es dahin gebracht, dass nun das Innenministerium darüber nachdenken muss, wer eigentlich zu entscheiden hat, ob Menschen auf einem mit Pedalen ausgerüsteten Bierfass herumfahren dürfen.

Noch schwerer beizukommen ist dem nächtlichen Lärm. Seit Anfang des Jahres soll ein Nachtbürgermeister zwischen den Interessen der Anwohner und denen der feierwilligen Touristen vermitteln. Sein Amt wie seine bisherigen Amtshandlungen sind stark an Amsterdam orientiert. Auch Prag droht lärmenden Touristen Bussgelder an. Bis zu 400 Euro kann es kosten, nach 22 Uhr den Schlaf der Anwohner zu stören. Eine neue Plakatkampagne will den Touristen Benimmregeln vermitteln. Dass die Vorschriften angesichts Polizistenmangels durchgesetzt werden, bezweifelt sogar der Nachtbürgermeister.

Dafür haben die Tagbürgermeister mit der Verbannung der Pandas ihren Beitrag zur Schönheitspflege geleistet. Und im selben Aufwasch auch die Riesenseifenblasen verboten. Wegen Strassenverschmutzung.

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