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Präsidentin Park wirft Sewol-Crew «mörderisches Verhalten» vor

Nach dem Schiffsunglück vor Südkorea sind vier weitere Crewmitglieder festgenommen worden. Staatschefin Park Geun-hye kritisiert das Verhalten des Kapitäns scharf.

Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Die Angehörigen der Opfer wollten sie nicht empfangen: Präsidentin Park Geun Hye (2. v.l.) zeigt aufs der Insel Jindo Meer in Richtung der gesunkenen Fähre Sewol. (16. April 2015)
Lee Jeong-ryong/Yonhap, Keystone
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Wut und Trauer: Angehörige gedenken der Opfer am Ort, wo die Sewol sank. (15. April 2015)
Jeon Heon-Kyun/Pool, Keystone
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Das südkoreanische Passagierschiff Sewol ist gesunken. (Archivbild)
Keystone
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Nach der Havarie der Sewol vor Südkoreas Südwestküste sind vier weitere Crewmitglieder der Fähre verhaftet worden. Ihnen werde vorgeworfen, Passagiere in Not nicht geschützt zu haben, teilte Staatsanwalt Ahn Sang-don heute mit. Seine Kollegen erwägten derzeit, bei Gericht einen formellen Haftbefehl zu erwirken, um weitergehende Ermittlungen zu ermöglichen. Laut Gesetz können Südkoreaner ohne eine solche Genehmigung nur 48 Stunden lang inhaftiert werden.

Den zwei ersten Steuermännern, einem zweiten Steuermann und einem leitenden Ingenieur werde zudem vorgeworfen, das Schiff einfach verlassen zu haben, sagte Ahn weiter.

Erst am Samstag waren der Kapitän, ein Steuermann und eine dritte Offizierin verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen, fahrlässig gehandelt, gegen das Marinerecht verstossen und Menschen in Not im Stich gelassen zu haben.

Kritik von der Präsidentin

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye hat dem Kapitän der verunglückten Fähre Sewol vorgeworfen, sich durch sein Verhalten des «Mordes» schuldig gemacht zu haben. Die Taten des Kapitäns und einiger Besatzungsmitglieder seien vollkommen unverständlich, inakzeptabel und kämen Mord gleich.

Bei einem Treffen mit Beratern sagte Park heute, es sei zunehmend klar, dass der Kapitän Lee Joon-seok die Evakuierung des sinkenden Schiffes unnötig verzögert und die Passagiere dann «im Stich gelassen» habe, als er das Schiff verlassen habe. «Dies ist vollkommen unvorstellbar, rechtlich wie ethisch», sagte Park.

Sie kündigte an, dass das Verhalten aller Beteiligter, angefangen von den Eignern des Schiffs über die Inspektoren bis hin zur Besatzung, untersucht werde und die Verantwortlichen vor Gericht gebracht würden.

«Wir sind kurz davor unterzugehen»

Die Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der verunglückten südkoreanischen Fähre Sewol und der örtlichen Schifffahrtskontrolle haben Chaos und Panik auf der Brücke des Schiffes offenbart. Die Besatzung zögerte, das Schiff zu evakuieren, als sich dieses gefährlich zur Seite neigte.

«Wir neigen uns. Wir sind kurz davor unterzugehen», sagte ein nicht identifiziertes Besatzungsmitglied der Fähre, die am Mittwochmorgen mit 476 Menschen an Bord gesunken war. «Es neigt sich so sehr, wir können uns kaum bewegen.»

An anderer Stelle sagte das Besatzungsmitglied, dass die Sicherheitsanweisungen nicht an die Passagiere durchgegeben werden konnten, da das Lautsprechersystem nicht funktionierte. Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle erwiderte, sie sollten dennoch die Passagiere anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen.

«Werden die Passagiere sofort nach der Evakuierung gerettet werden?», fragte daraufhin das Besatzungsmitglied. «Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen, und lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!», drängte der Vertreter.

Kritiker werfen der Besatzung vor, die Evakuierung des Schiffes zu spät angeordnet zu haben. Demnach hätten womöglich zahlreiche Menschenleben gerettet werden können, wenn die Passagiere bereits angewiesen worden wären, das Schiff zu verlassen, als sich dieses zu neigen begann. Der Kapitän und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden deswegen festgenommen.

Suche geht weiter

Fünf Tage nach dem Untergang der Sewol suchen die Bergungsmannschaften weiter nach vermissten Insassen. Neben Tauchern wurden auch ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge für die Suche in dem Wrack eingesetzt, wie südkoreanische Sender am Montag berichteten.

An den beiden vorangegangenen Tagen war es Tauchern erstmals gelungen, ins Innere des Schiffs vorzudringen. Die Zahl der bestätigten Todesopfer erhöhte sich bis zum Vormittag (Ortszeit) auf 64.

Fast 240 der 476 Insassen galten weiterhin als vermisst, die meisten von ihnen Schüler. Die Fähre war am Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas gekentert.

Lee war am Samstag ebenso wie der Steuermann und die relativ unerfahrene dritte Offizierin festgenommen worden, die zur Zeit des Unglücks das Kommando auf der Brücke hatte.

SDA/wid

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