Zum Hauptinhalt springen

Polizisten töten 28-Jährigen mit zehn Schüssen

Drei Wochen nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson haben Beamte im US-Staat Missouri erneut einen jungen Schwarzen erschossen.

Sorgt in der Nachbarschaft für Unsicherheit: Der Tatort in Kansas City.

Im US-Bundesstaat Missouri ist erneut ein Mann von Polizisten erschossen worden. Die Polizei von Kansas City war am frühen Sonntagmorgen von Anwohnern eines Viertels im Nordosten der Stadt alarmiert worden – ein Bewaffneter treibe sich auf der Strasse herum. Polizeibeamte verfolgten wenig später einen Verdächtigen zu Fuss, so der Polizeisprecher Kevin Boehm gegenüber dem Lokalsender KCTV. Dabei sei es zum Schusswechsel zwischen den Beamten und dem Mann gekommen.

Beim Toten handelt es sich um einen 28-jährigen Schwarzen. Offenbar hatten die Beamten zehnmal auf den Mann geschossen; ein Schuss soll seinen Kopf getroffen haben. Laut der Polizei fand man eine Schusswaffe neben dem Toten.

Angst in der Bevölkerung

Die Schwester des Getöteten bestreitet gegenüber KCTV, dass ihr Bruder bewaffnet war. «Das ist lächerlich.» In der Nachbarschaft sorgte der Vorfall für Unmut. Er halte es für unverhältnismässig, einen Verdächtigen gleich zu erschiessen, sagte ein Anwohner des Viertels. Ein anderer ist der Meinung, das Handeln der Beamten sorge für Unsicherheit in der Bevölkerung: Die Angst sei mittlerweile gross, von Polizisten verdächtigt und dann erschossen zu werden.

Polizeisprecher Boehm wiederum verteidigte die Polizisten: «Polizeiarbeit ist ein schwieriger Beruf. Es gibt Situationen, in denen ein Beamter seine Waffe einsetzen muss. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass dies etwas ist, was man nur widerwillig tut.»

Demonstranten von Ferguson klagen

Seit vor drei Wochen in Ferguson der Schwarze Michael Brown durch Polizeischüsse getötet worden war, steht die Polizei von Missouri in der Kritik. Der 18-jährige Brown war am 9. August unbewaffnet von einem weissen Polizisten erschossen worden. Anschliessend brachen tagelange Unruhen in Ferguson aus, einem Vorort der Grossstadt St. Louis im Staat Missouri. Gouverneur Jay Nixon rief schliesslich die Nationalgarde herbei, um den Krawallen ein Ende zu setzen. Inzwischen sind die Proteste abgeflaut.

Mittlerweile wollen mehrere Demonstranten juristisch gegen die Polizei von Ferguson vorgehen. Sicherheitskräfte hätten im Bemühen um eine Eindämmung der Proteste exzessive Gewalt angewandt und grundlos unschuldige Passanten verhaftet, heisst es in einer bei einem Bundesgericht eingereichten Klageschrift.

Kritik von der UNO

Kritik kommt auch aus Genf: Das UNO-Komitee gegen Rassendiskriminierung wirft Polizisten in den USA übertriebene Gewaltanwendung gegen ethnische Minderheiten vor. Dies sei nicht erst seit dem Tod von Michael Brown in Ferguson Anlass zur Sorge, so der zuständige Berichterstatter, Noureddine Amir. «Es handelt sich dabei nicht um einen Einzelfall, sondern beleuchtet ein grösseres Problem in den USA», sagte Amir.

Dazu gehörten Rassismus ebenso wie die mangelnde Umsetzung gesetzlicher Schutzvorgaben und die unzureichende Ausbildung von Sicherheitskräften. Amir forderte die US-Regierung auf, die prompte und umfassende Aufklärung von Fällen rassistischer Gewalt durch Sicherheitskräfte sicherzustellen.

Mit Material der SDA angereichert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch