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Polizei schiesst auf Minenarbeiter – 35 Tote

Südafrika wird von einem der schwersten Konflikte seit Ende der Apartheid 1994 erschüttert. Bewaffnete Minenarbeiter gingen angeblich auf die Polizei los. Diese schoss zurück. Das Ganze endet in einem Blutbad.

Unter Polizeiaufsicht: Auch einige der Minenarbeiter, die nach den Ausschreitungen festgenommen worden waren, kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. (20. August 2012)
Unter Polizeiaufsicht: Auch einige der Minenarbeiter, die nach den Ausschreitungen festgenommen worden waren, kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. (20. August 2012)
Reuters
Verzweiflung: Eine Frau trauert, wo die Minenarbeiter getötet wurden. (19. April 2012)
Verzweiflung: Eine Frau trauert, wo die Minenarbeiter getötet wurden. (19. April 2012)
AFP
Vom Gewerkschaftsstreit zum Blutbad: Polizisten und Streikende in Rustenburg, nordwestlich von Johannesburg. (16. August 2012)
Vom Gewerkschaftsstreit zum Blutbad: Polizisten und Streikende in Rustenburg, nordwestlich von Johannesburg. (16. August 2012)
Reuters
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Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern einer südafrikanischen Platinmine sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Zudem seien zahlreiche Menschen verletzt worden, sagte Polizeiminister Nathi Mthethwa im Radio.

Die Polizei eröffnete nach eigenen Angaben «in legitimer Selbstverteidigung» das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern, als diese sie mit Schusswaffen angriffen. Vertreter der Gewerkschaften gaben die Zahl der Toten mit 36 an. «Wir sind bestürzt über diese Toten», sagte der Generalsekretär der landesweiten Bergarbeitergewerkschaft NUM, Frans Baleni, im Radio. Die NUM liegt in der Platinmine von Marikana nahe der nordwestlichen Stadt Rustenberg im Streit mit der kleineren Gewerkschaft Amcu, die mit dem illegalen Streik eine deutliche Erhöhung der Löhne erreichen will.

Polizisten sollen angegriffen worden sein

Polizeisprecher Dennis Adriao sagte, die streikenden Arbeiter hätten ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung drohte, zurückgewiesen und sich geweigert, auseinanderzugehen. Die mit Macheten, Eisenstangen und Schusswaffen bewaffneten Arbeiter hätten die Polizei angegriffen, der daher keine Wahl geblieben sei, als selbst das Feuer zu eröffnen, sagte Adriao.

Polizeiminister Mthethwa sagte im Radio, die mit Schusswaffen bewaffnete Menge sei auf die Polizei vorgerückt, als diese einen Absperrung mit Stacheldraht errichtete. Für Streiks, Märsche und Demonstrationen gebe es Gesetze, sagte Mthethwa. Illegale Streiks wie dieser führten zu einer «schrecklichen Situation für alle in der Gemeinde». Mthethwa wies darauf hin, dass die Polizei über drei Tage mit den Streikenden verhandelt habe.

Rivalisierende Gewerkschaften

Örtliche Medien sprachen vom «Marikana Massaker». In dem Konflikt, in dem sich die Anhänger zweier rivalisierender Gewerkschaften sowie streikende Arbeiter und die Polizei gegenüberstehen, hatte es bereits Anfang der Woche zehn Tote gegeben. Auslöser des Konflikts war der Streit zwischen der NUM und der kleineren AMCU um den Streik, mit dem die Mitglieder der Splittergewerkschaft ein Verdreifachung ihres Lohns erreichen wollten.

Es handelt sich um einen der schwersten Zwischenfälle seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994. Präsident Jacob Zuma sagte, er sei «bestürzt und schockiert von dieser sinnlosen Gewalt». In einem Bericht des privaten Fernsehsenders e.tv waren Dutzende Schüsse aus automatischen Waffen zu hören, bis ein Beamter rief: «Feuer einstellen.» Auf den Aufnahmen waren mehrere blutüberströmte, regungslose Körper zu sehen. Zuvor hatte die Polizei die Streikenden aufgefordert, ihre Waffen – darunter Macheten und Knüppel – niederzulegen.

«Kriminelle, die Polizisten ermorden»

Als die Arbeiter die Aufforderung ignorierten, setzte die Polizei zunächst Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein. Wenig später stürmte eine Gruppe auf die Polizisten zu, und die Beamten eröffneten das Feuer. Polizeisprecher Zweli Mnisi sagte, die Arbeiter hätten ebenfalls auf die Beamten geschossen. «Wir waren in einer Situation, in der bis zu den Zähnen bewaffnete Leute andere angegriffen und getötet haben – sogar Polizisten», sagte Mnisi. «Was soll die Polizei in einer solchen Lage tun, wenn sie sich bewaffneten Kriminellen gegenüber sieht, die Polizisten ermorden?»

Seit dem 10. August streiken rund 3000 Arbeiter der Mine Marikana 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Minenbetreiber Lonmin, der weltweit drittgrösste Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein.

Zuma sagte, im demokratischen System Südafrikas gebe es genug Raum, jeden Konflikt «durch Dialog zu lösen ohne jegliche Verstösse gegen das Gesetz oder Gewalt.» Ein Vizepräsident von Lonmin, Barnard Mokwena, sagte zu dem blutigen Zwischenfall lediglich: «Das ist ein Polizei-Einsatz.» Zuvor hatte die Lonmin-Geschäftsleitung erklärt, wer von den streikenden Arbeitern heute Freitag nicht zur Arbeit erscheine, sei entlassen.

In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet. Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken die Produktion ein.

dapd/AFP/sda/mw

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